Industriestandort und Land des Ehrenamtes

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Pressekonferenz des Bundeskanzlers und Ministerpräsident Schweitzer in Rheinland-Pfalz Industriestandort und Land des Ehrenamtes

Bundeskanzler Merz war im Rahmen seiner Länderbesuche zu Gast in Rheinland-Pfalz bei Ministerpräsident Schweitzer. Merz würdigte Rheinland-Pfalz als starken Industriestandort und als Region mit historischer Bedeutung für die deutsche Demokratie.

  • Mitschrift Pressekonferenz
  • Dienstag, 9. Dezember 2025
Bundeskanzler Merz und Ministerpräsident Schweitzer im Gespräch.

Bundeskanzler Merz und Ministerpräsident Schweitzer tauschten sich beim Antrittsbesuch des Kanzlers in Mainz über viele aktuelle Themen aus.

Foto: Bundesregierung/Guido Bergmann

Bei seinem Antrittsbesuch in Rheinland-Pfalz nahm Bundeskanzler Friedrich Merz an der Sitzung des Landeskabinetts in Mainz teil. Er tauschte sich dabei mit der Landesregierung unter der Leitung von Ministerpräsident Alexander Schweitzer unter anderem über den Industriestandort Rheinland-Pfalz, ehrenamtliches Engagement und finanzielle Unterstützung für das Bundesland aus. 

Das Wichtigste in Kürze: 

  • Starker Industriestandort: Der Bundeskanzler betonte die tragende Rolle der Industrieunternehmen in Rheinland-Pfalz und versprach verlässliche Rahmenbedingungen. Mit der föderalen Modernisierungsagenda, die in der vergangenen Woche bei der Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) beschlossen wurde, habe man „das umfassendste Programm der Digitalisierung und Staatsmodernisierung verbschiedet, das jemals von Bund und Ländern auf den Weg gebracht worden ist”. Der breite Konsens in der Regierung sei Ausdruck der Bereitschaft zu einer neuen Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern, sagte Kanzler Merz.
  • Land des Ehrenamtes: Der Bundeskanzler würdigte das beeindruckende ehrenamtliche Engagement in Rheinland-Pfalz. „Der Sport und das Ehrenamt sind tragende Elemente unserer Gesellschaft”, so Merz. Sport und Ehrenamt seien sowohl in Rheinland-Pfalz als auch im Bundeskanzleramt Chefsache.
  • Sondervermögen: Rheinland-Pfalz soll aus dem 100 Milliarden-Sondervermögen des Bundes 4,85 Milliarden Euro erhalten. Merz begrüßte, dass ein großer Teil dieser Mittel auch an die Gemeinden weitergegeben wurden und diese bei der Umsetzung ein hohes Maß an Eigenständigkeit haben.
  • Grenzkontrollen: Hinsichtlich der vorübergehend wiedereingeführten Grenzkontrollen, von denen auch Rheinland-Pfalz betroffen ist, stellte der Kanzler klar: Das Ziel der Bundesregierung bleibe es, „in der Europäischen Union einen Raum ohne Binnengrenzen zu schaffen" – mit Freizügigkeit für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, aber auch für Kapital- und Warenverkehr sowie für Dienstleistungen. 

Mit seinem Besuch in Rheinland-Pfalz setzt der Bundeskanzler seine Reihe der Antrittsreisen in die Bundesländer fort und knüpft an die letzten Termine in Thüringen und Berlin an. Bis zum Ende des Jahres möchte der Kanzler alle 16 Bundesländer besucht haben. Zu Gast war der Kanzler außerdem bereits in  Hamburg, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Baden-Württemberg, Brandenburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Bayern, Saarland, Bremen und Schleswig-Holstein. 

Lesen Sie hier die gesamte Pressekonferenz:

Ministerpräsident Alexander Schweitzer:

Guten Tag, meine Damen und Herren! Ich grüße Sie ganz herzlich. Ich freue mich sehr, dass Sie Interesse haben an dem, was wir Ihnen aus der Begegnung und dem Besuch des Herrn Bundeskanzlers hier in Rheinland-Pfalz zu berichten haben.

Lieber Herr Bundeskanzler, auch noch mal hier vor den Vertreterinnen und Vertretern der Medien herzlich willkommen in Rheinland-Pfalz! Es ist eine schöne Geste der Zusammenarbeit, auch eine gute föderale Geste, dass der Bundeskanzler sich – man kann sich vorstellen, was in Ihrem Zeitplan ansonsten so los ist – die Mühe macht, alle 16 Länder zu besuchen. Dass Sie heute in Rheinland-Pfalz sind, freut mich sehr, ehrt uns auch als Landesregierung.

Ich will sagen, dass wir einen sehr guten Austausch heute hatten. Wir konnten an die gute Zusammenarbeit anknüpfen, die wir auch im Rahmen der Ministerpräsidentenkonferenz hatten, die uns auch letzte Woche zu sehr konstruktiven Gesprächen zusammengeführt hat.

Wir haben uns in einem Vieraugengespräch zu Themen ausgetauscht, die uns verbinden. Das sind die Fragen: Wie geht es Wirtschaft und Industrie? Was bewegt uns in Europa? Wie gestalten wir die transatlantische Zusammenarbeit?

Ich will sagen, dass ich mich sehr darüber freue, dass wir viel Übereinstimmung finden und sehr viele Gemeinsamkeiten finden. Wir hatten eben, wie ich finde, einen sehr konstruktiven und auch sehr kollegialen Austausch mit Ihnen und den Damen und Herren aus dem Bundeskanzleramt und der Landesregierung.

Wir haben uns ausgetauscht über die Umsetzung des Sondervermögens in Rheinland-Pfalz, des Sondervermögens, das wir in den Rheinland-Pfalz-Plan mit den Schwerpunkten Bildung, Infrastruktur, Klimawandel einfließen lassen. Wir durften Ihnen schildern, wie wir das in Rheinland-Pfalz mit den Kommunen umsetzen. Wir haben auch einen Schwerpunkt bei dem Thema Biotechnologie gesetzt. Das ist auch ein bisschen der Schwerpunkt heute. Wir haben ja gleich Gelegenheit, TRON zu besuchen, wo Sie eine große inhaltliche Nähe zum Thema haben. Das hat uns sehr gefreut.

Wir haben uns auch über die Demokratie ausgetauscht. Wir haben gemeinsam auf das Hambacher Jubiläum 2032 geblickt.

Wir haben einen Blick auf das Thema Ehrenamt geworfen, wobei ich mich sehr darüber gefreut habe, dass Sie diesen Schwerpunkt gesetzt haben, auch bei Ihnen im Kanzleramt, im Bereich Sport und Ehrenamt, und wir gute Anknüpfungsthemen haben.

Es war ein sehr, sehr fruchtvoller Austausch, ein sehr kollegialer Austausch, für den ich sehr dankbar bin. Deshalb freue ich mich sehr, dass Sie uns diese Geste des Besuchs schenken und dass wir an die gute Zusammenarbeit anknüpfen. Wir haben uns vorgenommen, dass diese Zusammenarbeit auch andauern soll.

Bundeskanzler Friedrich Merz:

Vielen Dank, Herr Ministerpräsident. Lieber Herr Schweitzer, vielen Dank auch für die freundliche Begrüßung und das herzliche Willkommen hier in der Staatskanzlei in Mainz. Ich bedanke mich herzlich für das gute Gespräch, das wir zunächst unter vier Augen hatten, aber auch für die Begegnung mit Ihrem Landeskabinett.

Das ist heute mein 15. Besuch in 16 Bundesländern. Das ist aber keine Rangfolge, sondern nur eine dem Terminkalender geschuldete Reihenfolge. Ich habe gleich zu Beginn meiner Amtszeit angeboten, mit den Ländern einen besseren Dialog zu haben, aber auch eine bessere Zusammenarbeit zu suchen. Denn wir stehen im föderalen Staat der Bundesrepublik Deutschland vor Herausforderungen, die so groß sind, dass wir sie allein nicht leisten können, weder der Bund für sich allein noch die Länder für sich allein. Das geht nur zusammen.

Die Themen, die wir in Rheinland-Pfalz sehen, sind zum ganz großen Teil Themen, die wir in ganz Deutschland sehen. Dies ist ein starker Industriestandort. Wir werden ja gleich noch ein Unternehmen besichtigen, das genau diesen Beitrag leistet. Wir wollen verlässliche Rahmenbedingungen für die Industrie, für die Großindustrie, für den Mittelstand, auch für den kleinen Mittelstand, für die eigentümergeführten Unternehmen gleichermaßen, schaffen. Dazu gehört, dass wir beherzt an die Aufgabe des Rückbaus unserer Bürokratie herangehen. Da sind wir sehr weit.

Ich bedanke mich bei den Ministerpräsidenten übrigens bei dieser Gelegenheit noch einmal für die sehr gute Ministerpräsidentenkonferenz, die wir letzte Woche zusammen mit mir in Berlin hatten. Einmal im Jahr ist ja der Bundeskanzler der Gastgeber, immer zum Ende des Jahres. Wir haben in der letzten Woche das umfassendste Programm der Digitalisierung und Staatsmodernisierung verabschiedet, das jemals von Bund und Ländern auf den Weg gebracht worden ist, mit insgesamt 200 verschiedenen Vorhaben, die jetzt natürlich auch in der Gesetzgebung umgesetzt werden müssen. Aber dass wir darüber einen politisch so breiten Konsens haben, das ist etwas, was auch Ausdruck dieser Bereitschaft zu einer neuen Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern ist.

Wir sind hier in einem Land, das stark von chemischer Industrie, von biotechnologischen Innovationen geprägt ist. Wir wollen das stärken. Die Biotechnologie gehört für uns prioritär zur Hightech Agenda unseres Landes. Ich freue mich sehr darauf, dass ich auch in diesem Bereich gleich noch etwas sehen darf.

Nun ist Rheinland-Pfalz ja auch ein sehr traditionsbewusstes Land. Sie haben das Hambacher Schloss angesprochen. Wir werden da ein großes Jubiläum feiern. Das ist die Wiege unserer Demokratie hier in diesem Land. Ich denke, wir können es gar nicht hoch genug einschätzen, dass wir dann auf 200 Jahre Demokratiegeschichte Deutschlands zurückblicken dürfen, wenn das im Jahr 2032, in diesem Jubiläumsjahr, angemessen gewürdigt wird.

Rheinland-Pfalz ist ein Land des Ehrenamtes. Alleine in diesem Land gibt es 38.000 Vereine mit 1,5 Millionen ehrenamtlich Tätigen. Sie haben eben eine kleine Anekdote von einer Preisverleihung in einem kleinen Dorf mit 900 Einwohnern berichtet. Und wie viele waren es?

Ministerpräsident Schweitzer:

2.300.

Bundeskanzler Merz:

2.300 ehrenamtlich aktive Bürgerinnen und Bürger. Ich habe sofort verstanden, was Sie gemeint haben. Sie haben vermutlich in Berlin nicht bei jedem sofort Verständnis dafür gefunden.

Ministerpräsident Schweitzer:

Das kann ich bestätigen.

Bundeskanzler Merz:

Nun ist das für uns beide Chefsache. Sie haben hier in der Staatskanzlei mit einer Arbeitsgruppe, ich habe im Kanzleramt mit einer Staatsministerin für Sport und Ehrenamt versucht, das auch entsprechend institutionell zu stärken. Der Sport und das Ehrenamt sind tragende Elemente unserer Gesellschaft, und insofern freue ich mich, dass wir auch hier ein hohes Maß an Übereinstimmung haben.

Wir haben über das Sondervermögen gesprochen. Rheinland-Pfalz bekommt aus dem Sondervermögen in Höhe von 100 Milliarden Euro, das anteilig den Ländern zufließt, 4,85 Milliarden Euro. Das ist der Anteil des Landes Rheinland-Pfalz an diesem Sondervermögen des Bundes. Ich freue mich sehr zu hören, dass das auch sehr stark an die Gemeinden weitergegeben worden ist und die Gemeinden ein hohes Maß an Eigenständigkeit in der Umsetzung haben.

Danke für die sehr anerkennenden Worte Ihrer Finanzministerin, Frau Ahnen, für die Verwaltungsvereinbarung, die wir da zwischen Bund und Ländern geschlossen haben. Es war unser Ziel, dass die Länder hier ein hohes Maß an Eigenständigkeit in der Umsetzung haben. Denn das wissen die Länder besser als der Bund.

Vielleicht abschließend noch ein Wort zu dem Thema Grenzschutz. Darüber haben wir eben nicht gesprochen. Ich will das aus meiner Sicht ansprechen, weil es da gestern auch noch entsprechende Entscheidungen auf europäischer Ebene gegeben hat. Wir haben die Grenzkontrollen, die in den Landesgrenzen ja auch Rheinland-Pfalz betroffen haben, immer als etwas von begrenzter Dauer und Wirkung empfunden. Wenn jetzt in der Europäischen Union eine gemeinsame europäische Ausländer- und Asylpolitik auf den Weg gebracht wird, dann ist das genau das, was wir immer wollten. Ich bin auch dankbar, dass der Koalitionspartner in Berlin diesen Weg mitgeht. Die Europäische Union, die Innenminister haben das gestern genau so beschlossen.

Dann schaffen wir es auch, die Grenzkontrollen an die europäischen Außengrenzen zu verlagern, wenn wir dann auch das wiederherstellen wollen, was ich immer befürwortet habe, nämlich in der Europäischen Union einen Raum ohne Binnengrenzen zu schaffen, mit Freizügigkeit für Arbeitnehmer, für Kapital- und Warenverkehr, für Dienstleistungsverkehr. Auch davon ist ein Land wie Rheinland-Pfalz betroffen. Ich habe das im Blick. Ich habe das auch immer dazugesagt, auch immer die Koordinierung mit unseren Nachbarn gesucht, die wissen, warum wir das zeitweise so machen mussten.

Aber die Zahlen geben uns recht. Wir haben die Zahlen der Asylbewerber in Deutschland sehr stark absenken können. Wir liegen im Jahresvergleich jetzt bei ungefähr der Hälfte; so stark sind die Zahlen zurückgegangen. Also vielen Dank auch für das Verständnis, das ich da offensichtlich auch bei den Ländern gefunden habe, die durch die Grenzkontrollen an den deutschen Landesgrenzen betroffen sind. Es ist gut, dass wir da auch auf einem gemeinsamen europäischen Weg sind.

Das war es von meiner Seite. Herzlichen Dank.

Ministerpräsident Schweitzer:

Danke schön.