Merz in Norwegen: Mehr Zusammenarbeit bei Raumfahrt, Energie und Sicherheit

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Pressekonferenz von Bundeskanzler Merz und Norwegens Ministerpräsident Støre Merz in Norwegen: Mehr Zusammenarbeit bei Raumfahrt, Energie und Sicherheit

Deutschland und Norwegen werden die Zusammenarbeit in der Raumfahrt ausbauen, um die technologische Eigenständigkeit Europas zu stärken. Das sagte der Bundeskanzler beim Besuch des Weltraumzentrums Andøya mit Norwegens Ministerpräsident Jonas Gahr Støre.

  • Mitschrift Pressekonferenz
  • Freitag, 13. März 2026
Bundeskanzler Merz und der norwegische Ministerpräsident Støre hinter Rednerpulten. Im Hintergrund Poster des Weltraumzentrums Andøya.

Deutschland könne sich auf Norwegen „ohne jede Einschränkung verlassen“, betonte der Kanzler auf Andøya.

Foto: Bundesregierung/Jesco Denzel

Deutschland und Norwegen seien sehr enge Partner und Verbündete. Als Anrainerstaat von Nordsee und Ostsee sei Deutschland auch Teil des europäischen Nordens. Die Deutschen fühlten sich daher mittlerweile als „halbe Nordics“, sagte Bundeskanzler Friedrich Merz bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem norwegischen Ministerpräsidenten Jonas Gahr Støre auf der norwegischen Insel Andøya. Der Kanzler gratulierte Norwegen zudem zum ersten Platz im Medaillenspiegel der Olympischen Winterspiele 2026 in Italien.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Zusammenarbeit im Weltraum: Im Weltraumzentrum Andøya wurde eine deutsch-norwegische Arbeitsgruppe zur Raumfahrt gegründet, informierte der Bundeskanzler. Diese werde helfen, die Satellitenkommunikation zu sichern und die Aufklärungsfähigkeit zu verbessern. Auch eine vertiefte Zusammenarbeit der Regierungen und Industrien beider Länder soll dazu beitragen, die technologische Eigenständigkeit zu stärken.
  • Folgen des Iran-Krieges: Der Krieg in Iran wirke sich massiv auf Sicherheit und Energiekosten in Europa aus und habe zudem das Potenzial, erhebliche Migrationsbewegungen auszulösen, sagte Merz. Im Rahmen der Internationalen Energieagentur habe man daher die Freigabe von Ölreserven vereinbart. Dies werde helfen, „die Energiepreise einigermaßen zu dämpfen“, so der Kanzler.
  • Vertiefung der Wirtschaftspartnerschaft: In Zeiten, in denen der Krieg in Iran die Öl- und Gaspreise in die Höhe treibe, sei die Rolle Norwegens als Deutschlands wichtigster Energielieferant von besonderer Bedeutung. „Wir können uns auf Norwegen ohne jede Einschränkung verlassen. Ich bin dafür sehr dankbar“, sagte Kanzler Merz. Neben der Energiesicherheit wolle man auch die Chancen in der maritimen Industrie, in der Gesundheitswirtschaft, bei der Speicherung von CO2 und bei kritischen Rohstoffen nutzen.
  • Ukraine weiter unterstützen: Merz bekräftigte, die Unterstützung der Ukraine fortführen zu wollen und sich dabei nicht durch den Iran-Krieg ablenken zu lassen. Den Druck auf Russland gelte es weiter zu erhöhen. „Jetzt Sanktionen zu lockern, aus welchen Gründen auch immer, das halten wir für falsch“, sagte der Bundeskanzler.

Lesen Sie hier die Mitschrift der Pressekonferenz: 

Ministerpräsident Jonas Gahr Støre: 

(auf Deutsch) Liebe Freunde, sehr geehrter Herr Bundeskanzler, lieber Friedrich, herzlich willkommen in Norwegen!
(auf Norwegisch) Es ist mir eine große Ehre, Sie, meinen deutschen Kollegen, Bundeskanzler Friedrich Merz in Norwegen willkommen zu heißen, zum ersten Mal als Bundeskanzler. Wir treffen uns hier in der Arktis, im Norden, 300 Kilometer nördlich des Polarkreises und in Luftlinie 2000 Kilometer von Berlin entfernt. Dieser Besuch ist von großer Bedeutung in der Zeit, in der wir leben, wichtig für unsere Sicherheit, für unsere Zusammenarbeit, für unsere Gesellschaften. In diesen unruhigen Zeiten, in denen der sicherheitspolitische Kontext herausfordernd ist, müssen Partner, Freunde und Verbündete zusammenstehen. Wir bauen jetzt eine stärkere europäische Gemeinschaft. Wir übernehmen gemeinsam eine klarere europäische Verantwortung, und ich kann konstatieren, dass Norwegen und Deutschland ganz vorn in dieser Verantwortungsübernahme stehen. Wir arbeiten in der Außenpolitik, kulturell, wirtschaftlich, aber auch persönlich zwischen den Menschen eng zusammen. Wir vertrauen einander, wir arbeiten gut zusammen, und wir finden Lösungen.

Wir haben uns im Juli des vergangenen Jahres zu bilateralen Gesprächen in Berlin getroffen. Dort haben wir eine gemeinsame Erklärung unterzeichnet. Wir haben gesagt, dass wir diese Zusammenarbeit weiterentwickeln wollen. Dies tun wir jetzt. Vor drei Wochen haben wir in München ein Sicherheitsabkommen unterzeichnet, das sogenannte Hansa-Abkommen. Es ist ein Verteidigungs- und Sicherheitsabkommen. Darin geht es um die gesamte Breite der Verteidigungszusammenarbeit zwischen Deutschland und Norwegen.

Deutschland ist unser wichtigster Handelspartner. Wir wollen jetzt auch in der Verteidigung stärker kooperieren. Wir sehen auch, dass sich die Raumfahrtindustrie zu einem immer wichtigeren strategischen Kooperationsbereich entwickelt. Hier ergänzen sich tatsächlich die norwegische und die deutsche Raumfahrtindustrie. Deutschland hat eine große industrielle Breite, und hier in Norwegen haben wir Technologie, etablierte Forschungsfelder und eine einzigartige strategische geografische Lage. Wir wissen, dass Satelliten heute eine essenzielle gesellschaftliche Infrastruktur ausmachen, genauso wichtig wie Breitbandanbindung und die Stromversorgung.

Wir werden jetzt eine gemeinsame Arbeitsgruppe im Raumfahrtbereich etablieren. Das ist strategisch wichtig für Europas Autonomie. Die Ziele sind die weltraumgestützte Überwachung, die sichere Satellitenkommunikation und die Stärkung der Startkapazitäten auf Andøya. Diese neue Arbeitsgruppe wird sich aus den relevanten Ministerien und Vertretern der Industrie beider Länder zusammensetzen. Sowohl der Bundeskanzler als auch ich werden Verantwortung dafür übernehmen, dass diese Arbeit weiterverfolgt wird. Die Gruppe wird mit Vorschlägen für konkrete Projekte arbeiten, mit Zeitplänen und möglichen Verbindungen zu den EU- und NATO-Rahmenwerken. Wir werden auch mit norwegischen und deutschen Unternehmen diskutieren, um gemeinsam neue Schritte in der Raumfahrtzusammenarbeit zu gehen. Unsere strategische Zusammenarbeit zeigt, dass wir gemeinsam an komplexen Kapazitäten arbeiten können. Das sehen wir auch im Bereich der Verteidigung und der U-Boote.

Ich möchte gern damit enden, zu sagen, dass Europa nun an einem Scheideweg steht. Wir können an unserer Autonomie, unserer Selbstständigkeit und unserer Sicherheitsentwicklung weiterarbeiten.

Heute Nachmittag werden wir die NATO-Übung Cold Response auf dem Festland besuchen. Dort treffen wir auch unseren kanadischen Kollegen. Tatsächlich ist Kanada auch ein interessanter Partner für die Zusammenarbeit im Bereich der Raumfahrt, mit dem wir zusammenarbeiten werden und natürlich zusammenzuarbeiten wünschen.

Ich möchte noch ein paar Worte zu unserer Handelsbeziehung sagen. Ich habe es bereits gesagt, aber es ist wirklich so, dass Deutschland Norwegens wichtigster Handelspartner und unser wichtigster Energiepartner ist. Norwegen liefert etwa die Hälfte der gesamten Gaslieferungen für Deutschland. Über 200 norwegische Unternehmen sind in Deutschland ansässig. Sie arbeiten in den Bereichen von Energie, maritimer Wirtschaft und Verteidigung. Deutschland ist auch der drittgrößte Investitionsmarkt für den staatlichen Pensionsfonds. Tatsächlich gibt es dort Investitionen in Höhe von über 934 Milliarden Kronen. Das entspricht etwa hundert Milliarden Euro. Norwegen und Deutschland haben 2023 eine industrielle Partnerschaft etabliert. Diese Partnerschaft wird mit den Regierungen jetzt weiter intensiviert.

Auch wenn Norwegen nicht Mitglied der EU ist, haben wir tatsächlich gute Verbindungen zu vielen EU-Programmen, ganz besonders auf dem Feld von Energie, Forschung und Raumfahrt. Wir freuen uns sehr über Deutschlands Zusammenarbeit auch in diesem Bereich.

Liebe Kollegen, unsere Partnerschaft zu Deutschland war nie enger und nie positiver als in diesem Augenblick. Also willkommen hier im Norden, in einem hochtechnologischen Bereich, aber auch in einem der wunderschönsten Bereiche Norwegens!

Bundeskanzler Friedrich Merz:

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident, lieber Jonas, vielen Dank für die großartige Gastfreundschaft hier im Norden Europas und im Norden Norwegens! Dies ist mein erster Besuch als Bundeskanzler in Norwegen, wenn auch nicht mein erster persönlicher Besuch. Ich bin schon einige Male in Norwegen gewesen, aber in meiner offiziellen Funktion ist es heute das erste Mal.

Ich freue mich, dass ich zwei Kabinettsmitglieder in der Delegation habe, die Forschungsministerin, die in ihrem Namen, seitdem wir in der Regierung sind, auch den Titel von Forschung, Wissenschaft und Raumfahrt trägt – wir legen also einen großen Wert darauf, dies in der Regierung prominent zu besetzen –, und den Verteidigungsminister Boris Pistorius, der sich auch durch die NATO-Mitgliedschaft mit Norwegen eng verbunden fühlt. Herzlichen Dank, dass wir heute zusammen hier sein dürfen!

Ich will, bevor ich zu den einzelnen Themen komme, Norwegen sehr herzlich zu den großartigen Erfolgen bei der Olympiade gratulieren. Platz eins für Norwegen bei der Winterolympiade, das ist ein großartiger Erfolg. Ganz herzlichen Glückwunsch zu dieser überragenden sportlichen Leistung!

Lieber Jonas, wir haben uns das letzte Mal vor wenigen Wochen auf dem Nordseegipfel in Hamburg gesehen und dann in München auf der Sicherheitskonferenz. Das allein zeigt, dass wir sehr enge Partner und Verbündete sind und dass wir Deutsche uns mittlerweile als halbe „Nordics“ fühlen. Denn wir sind auch Anrainerstaat der Nordsee und der Ostsee, insofern auch ein Teil des europäischen Nordens.

Wir werden uns am Nachmittag mit dem kanadischen Premierminister Mark Carney treffen, der sich mit den nordeuropäischen Staaten, mit den europäischen NATO-Staaten ebenfalls stark engagiert. Wir werden auch einige Themen in der Zusammenarbeit mit Kanada zu besprechen haben.

Aber lassen Sie mich auf unsere bilateralen Beziehungen zurückkommen. Wir sprechen heute über einige große Herausforderungen, aber auch über große Chancen. Der Krieg im Iran hat Auswirkungen auf unsere Länder bis hierher in den hohen Norden. Er wirft große Fragen zu unserer Sicherheit auf; er wirkt sich massiv auf unsere Energiekosten aus, und er hat das Potenzial, große Migrationsbewegungen auszulösen. Dagegen wollen wir uns schützen. Erstens haben wir im Rahmen der Internationalen Energieagentur verabredet, Ölreserven freizugeben. Das wird helfen, die Energiepreise einigermaßen zu dämpfen. Wir arbeiten zweitens an einer politischen Perspektive, die helfen soll, diesen Krieg schnell zu beenden. Hierzu habe ich in den letzten Tagen, wie Sie alle wissen, mit den europäischen Partnern, mit den NATO-Partnern, im G7-Format, auch mit den USA und mit Israel intensiv gesprochen und mich beraten. Wir wollen schließlich sicherstellen, dass Russland den Irankrieg nicht dafür ausnutzt, die Ukraine zu schwächen. Wir werden auch nicht zulassen, dass Moskau die NATO an ihrer Ostflanke und hier oben im Norden testet. Norwegen und Finnland sind die beiden Länder mit einer gemeinsamen Grenze zu Russland. Die Erfahrungen, die diese beiden Länder machen, sind auch für unsere Lageeinschätzung wertvoll. Genau deshalb wird das Manöver durchgeführt. Unsere Streitkräfte hier in Norwegen nehmen an der Übung Cold Response teil. Norwegen, Kanada und Deutschland setzen damit heute gemeinsam ein Zeichen: Wir sind im Rahmen der NATO hier oben im hohen Norden wach und präsent.

Bei unserem bilateralen Gespräch heute Morgen ging es neben diesen dringlichen sicherheitspolitischen Themen auch um Strategisches. Drei Themen standen dabei im Mittelpunkt.

Erstens haben wir über unsere Zusammenarbeit im Weltraum beraten. Wir haben vorhin im norwegischen Weltraumzentrum auf Andøya eine deutsch-norwegische Arbeitsgruppe zur Raumfahrt gegründet. Diese wird helfen, unsere Satellitenkommunikation zu sichern und unsere Aufklärungsfähigkeiten zu verbessern. Wir haben beschlossen, dass sowohl Regierungen als auch Industrien ihre Zusammenarbeit vertiefen. Das stärkt unsere technologische Eigenständigkeit. Wie notwendig sie ist, haben wir an dieser Weltraumstation gesehen. Sie ist die einzige, die wir in Europa haben. Wenn wir in dieser Zukunftstechnologie unabhängig werden wollen, dann brauchen wir auch solche Eigenständigkeiten, die uns sicherer und widerstandsfähiger machen.

Zweitens haben wir über unsere Wirtschaftspartnerschaft gesprochen. Norwegen ist – du hast es gerade gesagt, Jonas – Deutschlands wichtigster Energielieferant. Wir beziehen heute fast 50 Prozent unseres Erdgases und knapp 20 Prozent unseres Öls aus Norwegen. In diesen Tagen, in denen der Krieg im Iran die Preise in die Höhe treibt, ist es besonders wichtig, dass wir unsere Partnerschaft stärken und eine sichere Versorgung aus Norwegen haben. Wir können uns auf Norwegen ohne jede Einschränkung verlassen. Ich bin dafür sehr dankbar, auch dir persönlich. Wir wollen auch die Chancen in der maritimen Industrie weiter nutzen, aber auch in der Gesundheitswirtschaft bei der Speicherung von CO2 und bei kritischen Rohstoffen.

Wir haben schließlich drittens darüber gesprochen, wie wir gemeinsam dazu beitragen können, den Krieg in der Ukraine zu beenden, und wie wir die NATO sichern können. Russland zeigt leider weiterhin keine Verhandlungsbereitschaft. Wir werden und müssen deshalb den Druck auf Moskau weiter erhöhen. Ich will es sehr deutlich sagen: Jetzt Sanktionen zu lockern, aus welchen Gründen auch immer, das halten wir für falsch. Unsere Unterstützung für die Ukraine werden wir fortführen. Wir werden uns durch den Irankrieg nicht davon abbringen oder ablenken lassen.

Ich will Norwegen auch an dieser Stelle einmal sehr herzlich für den großartigen Beitrag danken, den dieses Land für die Unterstützung der Ukraine leistet. Norwegen ist das Land, das, bezogen auf seine Einwohnerzahl, mit großem Abstand noch vor Deutschland am meisten für die Ukraine und für die Menschen in der Ukraine tut. Ich finde, das ist einer besonderen Erwähnung wert und eines besonderen Danks.

Wir haben gemeinsame militärische Unterstützungspakete im Rahmen des sogenannten PURL-Programms finanziert. Hoffentlich ermutigt das unsere europäischen Nachbarn, auch ihrerseits die Beiträge zu erhöhen. Auch die Lieferung weiterer Patriot-Systeme aus Deutschland, die wir kürzlich umgesetzt haben, ist mit finanzieller Beteiligung Norwegens erfolgt. Auch dafür herzlichen Dank!

Nun werden wir gleich nach Badufoss weiterreisen, um mit dem kanadischen Premierminister Mark Carney die multinationale Übung Cold Response zu besuchen. Wir haben im Februar verabredet, gemeinsam mehr für die Sicherheit im hohen Norden zu leisten. Heute liefern wir, auch wenn uns dieser Tage der Krieg in Iran in Atem hält. Aber die Vereinigten Staaten und unsere NATO-Partner können sich darauf verlassen, dass wir diesen Teil der NATO hier im Norden genau beobachten und auch gemeinsam schützen. Darauf können sich vor allem die Menschen, die in dieser Region leben, verlassen. Wir sind uns einig. Wir sind entschlossen. Wir sind auch militärisch stark. Das ist heute unsere gemeinsame Botschaft.

Lieber Jonas, mir war es gerade in diesen Tagen wichtig, hierher zu kommen und den Norden zu besuchen, um mit dir und Mark Carney genau diese politischen Zeichen zu senden. Geschlossenheit, europäische Zusammenarbeit auch über die Grenzen der Europäischen Union hinaus in der NATO, das sind die wichtigen Signale, die wir geben, das Ganze mit einer verstärkten wirtschaftlichen Kooperation unterlegt, nicht zuletzt in einer Zukunftstechnologie wie der der Raumfahrt. Ich freue mich auf den weiteren Verlauf des heutigen Tages.