„Es ist Zeit für ein Ende dieses Krieges“

  • Bundeskanzler | Startseite
  • Friedrich Merz 

  • Aktuelles

  • Kanzleramt

  • Mediathek   

  • Service

Pressekonferenz von Bundeskanzler Merz und dem Präsidenten der Ukraine, Wolodymyr Selenskyj
„Es ist Zeit für ein Ende dieses Krieges“

Bundeskanzler Merz hat den ukrainischen Präsidenten Selenskyj in Berlin empfangen. Im gemeinsamen Pressestatement versicherte er, die Ukraine könne sich weiter auf Deutschland verlassen und appellierte an die europäischen Partner, die zugesagte militärische Hilfe zu leisten.

  • Mitschrift Pressekonferenz
  • Dienstag, 3. November 2026
Bundeskanzler Merz und Selenskyj

Bundeskanzler Merz erklärte die Absicht, weitere Winterhilfen für die Ukraine bereitstellen zu wollen.

Foto: Bundesregierung/Jesco Denzel

Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in Berlin hat Bundeskanzler Friedrich Merz die weitere Unterstützung Deutschlands bekräftigt. Selenskyjs Besuch falle in einem sehr wichtigen Augenblick: In den kommenden Tagen stehen direkte Gespräche zwischen der Ukraine und Russland an, während Russland seine Angriffe unvermindert fortsetze. 

Als größter Unterstützer der Ukraine trage Deutschland Verantwortung, denn der Ausgang des Krieges werde auch die Sicherheit Europas prägen. „Unsere Botschaft an Russland lautet deshalb: Es ist Zeit für ein Ende dieses Krieges“, so Merz.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Winterhilfe und Energie: Vor dem Winter sei Unterstützung bei der Luftverteidigung und im Energiesektor für die Ukraine wichtig, sagte der Bundeskanzler. Für beide Bereiche seien bereits bei seinem Besuch in Kyjiw Anfang Oktober weitere Hilfen auf den Weg gebracht worden. Merz bekräftigte die Absicht der Bundesregierung, noch für dieses Jahr weitere Winterhilfe und Energieunterstützung ermöglichen zu wollen.  
  • Koalition der Willigen: In der übernächsten Woche wolle Deutschland gemeinsam mit Frankreich und Großbritannien einen Gipfel der Koalition der Willigen ausrichten, kündigte Kanzler Merz an. Drei Ziele stünden dabei im Zentrum: erstens die Koordinierung weiterer Hilfen, zweitens die Bekräftigung der Bereitschaft zu Sicherheitsgarantien für die Ukraine nach einem Waffenstillstand und drittens die weitere Abstimmung zu den diplomatischen Friedensbemühungen.
  • Solidarität der Partner: In der NATO habe man sich auf 70 Milliarden Euro militärische Ukraine-Unterstützung für 2026 geeinigt. Dieser Verpflichtung müssten nun auch alle Partner nachkommen, sagte Bundeskanzler Merz, der an die Verantwortung aller Europäer appellierte. Russland müsse zeigen, dass es zu ernsthaften Verhandlungen bereit ist. Der regionale Waffenstillstand in Oleschky könne Vorbild sein für einen Waffenstillstand im Energiesektor und im Schwarzen Meer, unterstrich Merz.

Sehen Sie hier die Pressekonferenz im Video:

31:04

Video Pressekonferenz von Bundeskanzler Merz und dem Präsidenten der Ukraine, Wolodymyr Selenskyj

Lesen Sie hier die Mitschrift der Pressekonferenz:

(Die Protokollierung des fremdsprachlichen Teils erfolgte anhand der Simultandolmetschung.)

Bundeskanzler Friedrich Merz:

Sehr geehrter Präsident, lieber Wolodymyr, herzlich willkommen in Berlin! Wir haben uns genau vor einem Monat in Kyjiw getroffen, heute sehen wir uns hier. Dieser Besuch erfolgt zu einem sehr wichtigen Augenblick. Denn Russland setzt seine Angriffe mit unverminderter Härte und Rücksichtslosigkeit fort. Zugleich stehen in den nächsten Tagen wichtige Gespräche, direkte Gespräche zwischen der Ukraine und Russland, an.

In dieser fordernden Zeit kann sich die Ukraine weiter und unvermindert auf Deutschland verlassen. Wir setzen unsere Unterstützung unvermindert fort. Vor dem kommenden Winter sind zwei Dinge wichtig: die Luftverteidigung und der Energiesektor. Wir haben für beides in Kyjiw weitere Hilfen auf den Weg gebracht, die wir nun umsetzen. Wir wollen konkret noch in diesem Jahr weitere Winterhilfe und Unterstützung bei der Energieversorgung möglich machen.

Auch die deutsche Wirtschaft steht bereit. Diese Zusammenarbeit werden wir am 20. November beim neunten deutsch-ukrainischen Wirtschaftsforum in Berlin weiter vertiefen. Das liegt im Interesse beider Seiten. Ich will auch hier einmal ausdrücklich mit großem Dank sagen: Es gibt eine große Zahl von deutschen Unternehmen, die sich in der Ukraine engagieren. Es hat nicht ein einziges Unternehmen aus Deutschland die Ukraine nach dem Beginn des Krieges im Februar 2022 verlassen. Im Gegenteil: Es sind viele neue hinzugekommen. Ich bin ausgesprochen dankbar, dass sich die deutsche Wirtschaft ebenso engagiert und bereit zeigt, der Ukraine zu helfen.

Lieber Wolodymyr, Deutschland übernimmt als größter Unterstützer der Ukraine genau diese Verantwortung. Wir tun dies, weil uns dieser Krieg direkt betrifft. Der Ausgang dieses Krieges wird die europäische Sicherheit für lange Zeit prägen. Unsere Unterstützung der Ukraine ist deshalb im deutschen und im europäischen Interesse.

Klar ist aber auch: Alle Europäer tragen Verantwortung, nicht nur die Deutschen. Wir haben uns in der NATO auf eine militärische Unterstützung der Ukraine für das Jahr 2026 in Höhe von 70 Milliarden Euro verständigt. Wir müssen auch dafür sorgen, dass alle Partner dieser Verpflichtung nachkommen. Wir werden deshalb in der übernächsten Woche mit Frankreich und Großbritannien einen Gipfel der Koalition der Willigen hier in Berlin ausrichten. Dabei stehen drei Ziele im Vordergrund: Erstens werden wir weitere Hilfe für die Ukraine koordinieren. Zweitens werden wir unsere Bereitschaft bekräftigen, nach einem Waffenstillstand Sicherheitsgarantien für die Ukraine zu leisten. Eine entsprechende Militärübung beginnt in diesen Tagen. Das wird ein entscheidender Baustein einer Friedenslösung sein. Drittens werden wir uns weiter zu den diplomatischen Bemühungen abstimmen, die ja praktisch jeden Tag laufen.

Unsere Botschaft an Russland lautet deshalb: Es ist Zeit für ein Ende dieses Krieges. Der regionale Waffenstillstand in Oleschky kann Vorbild sein für einen Waffenstillstand zu Energie und im Schwarzen Meer. Russland hat dies bis jetzt hartnäckig verweigert. Russland riskiert mit seinen Angriffen im Schwarzen Meer eine weitere Eskalation. Russland beschwört eine weltweite Nahrungsmittelkrise herauf zu Lasten der ärmsten Staaten und Länder der Welt.

Eine neue Runde von Friedensgesprächen ist deshalb der richtige Schritt. Europa muss und will in diesem Prozess eine Rolle spielen. Zentrale Elemente einer Friedenslösung, sei es zu Sanktionen oder zur Sicherheitsarchitektur, können nur mit uns Europäern gelöst werden; das wissen alle Beteiligten sehr genau. Es ist jetzt an Russland zu zeigen, dass Russland zu ernsthaften Verhandlungen bereit ist. Wir werden bis dahin den Druck auf Moskau erhöhen und die Ukraine weiter mit aller Kraft unterstützen.

Wir halten Kurs auf Frieden für die Ukraine und Sicherheit in ganz Europa, und – lassen Sie mich dies noch einmal ausdrücklich sagen – wir unterstützen die Ukraine aus unserem Interesse. Wir tun es, weil es für unsere Sicherheit, für die politische Stabilität und die Friedensordnung in ganz Europa wichtig ist. Ich werbe auch dafür, dass die Mehrheit der Deutschen versteht, dass wir dieses tun. Wir tun es aber auch aus der tiefen Überzeugung, dass militärische Gewalt in Europa nicht zu einer Veränderung der Grenzen führen darf.

Lieber Wolodymyr, du hast Deutschland und die deutsche Bundesregierung unvermindert an deiner Seite. Wir tun alles, um diesen Krieg zum möglichst frühen Zeitpunkt zu einem Ende zu bringen.

Herzlichen Dank für deinen Besuch in Berlin.

Präsident Wolodymyr Selenskyj:

Vielen Dank, Friedrich. Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, sehr geehrte Anwesenden, sehr geehrte Journalistinnen und Journalisten, zunächst möchte ich Deutschland, dem Herrn Bundeskanzler persönlich und der gesamten Regierung Deutschlands sowie allen Deutschen für die sehr spürbare, sehr wichtige Unterstützung der Ukraine und der Ukrainerinnen und Ukrainer danken. Seit den ersten Tagen des vollumfänglichen Krieges kann die Ukraine damit rechnen, dass die Deutschen nicht gleichgültig bleiben und die Ukraine tatsächlich unterstützen. Die Unterstützung bei der Luftabwehr, die Unterstützung unserer Resilienz, unserer Energiewirtschaft und unseres Staates insgesamt zeigen, dass die europäischen Positionen ohne Deutschland nicht so stark wären. Obwohl heute viele auf der Welt die Ereignisse in den USA verfolgen werden: Die Rolle Europas, die Rolle Deutschlands, die Bedeutung unserer Zusammenarbeit mit Deutschland, bleiben wichtig; der Bundeskanzler und ich werden sicherlich nicht unbeachtet bleiben. Ich sehe, wie viele Menschen die Ukraine unterstützen, wie viele Menschen starke Beziehungen zwischen unseren Staaten, zwischen der Ukraine und Europa möchten.

Ich habe Friedrich über die Situation in der Ukraine, vor allem an der Front, unterrichtet. Jeden Tag tätigt Russland Angriffe gegen unsere Energiewirtschaft, gegen unsere Städte und Dörfer. Heute hat ein nächster massiver Angriff mit Marschflugkörpern, mit ballistischen Raketen stattgefunden. Mehr als ein Tag dauert der Einsatz in Komyschuwacha im Gebiet Saporischschja an. Gestern fanden dort mehrere Angriffe mit Fliegerbomben statt. Fünf Menschen konnten gerettet werden. Über 50 Personen sind immer noch nicht aufgefunden worden. Es sind schreckliche Angriffe in diesem Krieg. Das passierte sofort nach dem humanitären Einsatz in Oleschky. Wir hatten Russland angeboten, den Waffenstillstand, die Feuerpause in Oleschky, weiterzuführen. Das war die Antwort ‑ neue Angriffe, neue Schläge, neue Morde an unseren Menschen. Es ist wichtig, dass Deutschland in dieser Zeit an unserer Seite ist. Wir danken dafür. Wir sind bereit, auch weiter darüber zu sprechen.

Wir haben mit Friedrich Hilfspakete und Lösungen besprochen, die wir brauchen. Ich bin sehr dankbar dafür, dass es, wie Friedrich gesagt hat, eine Winterunterstützung, eine Winterhilfe geben wird. Wir haben auch über weitere Unterstützung gesprochen, über das, was relevant und wichtig ist, über einen großen Mangel in der Luftabwehr, über die Versorgung mit PAC-2- und PAC-3-Raketen sowie mit IRIS-T. Wir sind sehr dankbar für diese Unterstützung und auch für die Unterstützung unserer Flotte mit F-16. Wir danken dafür. Das brauchen wir. Das benötigen wir vor allem für die Verteidigung gegen den russischen Terror, gegen die Shahed-Drohnen. Wir haben ein neues Unterstützungspaket für unsere F-16 besprochen. Vielen Dank dafür.

Der andere Aspekt ist die Diplomatie. Wir erwarten die Wiederaufnahme des trilateralen Formats. Am 10. und 11. November werden sich unsere Arbeitsteams treffen. Wir rechnen damit, dass dieses und weitere solcher Treffen den Weg für ein trilaterales Format auf Ebene der Staats- und Regierungschefs eröffnen werden. Dieses Format kann Schlüssellösungen für einen lang anhaltenden, stabilen Frieden und für lang anhaltende, stabile Sicherheit bereitstellen.

Wir koordinieren und stimmen uns über die wichtigsten Aspekte der Verhandlungen ab. Europa gehört zu diesem Prozess dazu, zum Prozess für den Weg zum Frieden. Es ist wichtig, dass wir eine gemeinsame Sicht auf alle Sicherheitsherausforderungen haben, darauf, wie dieser Krieg zu Ende gehen muss. Der Friede muss würdevoll sein. Nur dann kann er stabil sein.

Morgen werden in Brüssel mehrere Gespräche mit den USA stattfinden. Europa, NATO, die Ukraine werden dort auf Ebene der Arbeitsteams Erneuerungs- und Wiederaufbaupakete sowie Sicherheitsgarantien besprechen.

Der dritte Punkt sind unsere gemeinsamen Projekte, die gemeinsame Produktion, die Integration in die EU. Wir wollen in diesem Jahr sechs Verhandlungscluster für den Beitritt zur EU eröffnen. Das ist für uns sehr wichtig, sowohl als Garantie der Zukunft der Ukraine in Europa als auch für die moralische Unterstützung unserer Menschen jetzt. Die Eurointegration ist eine Motivation für uns.

Sehr dynamisch entwickelt sich unsere Zusammenarbeit im Bereich der Drohnenproduktion und in anderen Rüstungsbereichen. Wir arbeiten am Antiballistikprogramm Freyja. Europa braucht dieses Programm der Abwehr ballistischer Raketen. Dieses Programm wird sicher aufgebaut.

Wir haben über die Unterstützung der Ukraine im kommenden Jahr gesprochen. Auch für Europa ist das eine Priorität. Das wissen wir zu schätzen. Wir sind dankbar dafür, dass der Ukraine die nötige finanzielle Unterstützung bereitgestellt wird.

Ich will auch für die Einladung zum 19. November danken. Es wird ein Gipfeltreffen der Koalition der Willigen in Deutschland stattfinden.

Friedrich hat auch von der Wirtschaft gesprochen. Wir wissen, dass die deutsche Wirtschaft während dieses Krieges an unserer Seite geblieben ist. Kein Unternehmen hat die Ukraine verlassen. Wir sind der deutschen Wirtschaft dafür dankbar. Wir sind den Deutschen, den Menschen in Deutschland, dafür dankbar. Ich bin mir sicher, dass ihr während des Krieges an unserer Seite bleibt. Auch im Frieden werdet ihr an unserer Seite bleiben. Wir sind für die Unterstützung dankbar und rechnen damit, dass unsere Unternehmen zusammen für den Wiederaufbau der Ukraine arbeiten werden.

Danke. … (akustisch unverständlich)