Enge Partner in der Europäischen Union

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Pressekonferenz von Kanzler Merz und dem spanischen Ministerpräsidenten Sánchez Enge Partner in der Europäischen Union

„Wir sind große, wichtige Mitgliedstaaten in dieser Europäischen Union, und wir haben großes Interesse daran, dass diese Europäische Union vorankommt.“ Das betonte Bundeskanzler Friedrich Merz bei seinem Besuch in Madrid.

  • Mitschrift Pressekonferenz
  • Donnerstag, 18. September 2025
Auf dem Foto zu sehen: Bundeskanzler Merz und der spanische Ministerpräsident Sánchez zu Beginn ihres Treffens im Moncloa-Palast.

Bundeskanzler Merz wurde vom spanischen Ministerpräsidenten Sánchez im Moncloa Palast in Madrid empfangen.

Foto: Bundesregierung/Guido Bergmann

„Unsere beiden Länder sind enge Partner in der Europäischen Union.“ Das betonte Bundeskanzler Friedrich Merz in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez in Madrid. Die Vertiefung des Binnenmarktes und die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit sowie die Sicherheit Europas waren zentrale Themen des Treffens. Auch über die Lage im Mittleren Osten wurde diskutiert.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Zwei starke Wirtschaftsstandorte: „Wir wollen Standorte industrieller Fertigung bleiben“, betonte Bundeskanzler Merz. Deutschland und Spanien hätten voneinander abhängige Industrien und seien bei Forschung und Entwicklung sowie im Energiesektor enge Partner. Auch die Entwicklung einer gemeinsamen Wasserstoffinfrastruktur sei für beide Länder von überragender Bedeutung, so der Kanzler. Beide teilten das hohe Interesse daran, dass das MERCOSUR-Abkommen mit den südamerikanischen Staaten schnell verabschiedet werde.
  • Sicheres Europa: Man wolle die sehr enge deutsch-spanische Zusammenarbeit in der Rüstungsindustrie weiterführen, sagte der Bundeskanzler. Die neuen EU-Verteidigungsinitiativen müssten nun sehr konsequent umgesetzt werden. „Wir müssen dafür sorgen, dass die europäische Rüstungsindustrie wettbewerbsfähig ist“, so der Kanzler. Man stimme auch über eine weitere Unterstützung der Ukraine überein.
  • Sorge über die humanitäre Lage in Gaza: Deutschland und Spanien seien besorgt über die laufende Bodenoffensive der israelischen Streitkräfte gegen Gaza-Stadt. Sie teilen auch die Befürchtung, dass es im Westjordanland zu Annexionsschritten komme, die eine Zweistaatenlösung noch weiter erschweren könnten, so der Kanzler. „Wir setzen uns wirklich dafür ein, dass eine Zweistaatenlösung in dieser Region weiter möglich bleibt.“ 

Lesen Sie hier die Mitschrift der Pressekonferenz:

(Die Protokollierung des fremdsprachlichen Teils erfolgte
anhand der Simultandolmetschung.)

Ministerpräsident Pedro Sánchez:

Guten Abend – um 9 Uhr abends kann man guten Abend sagen. An erster Stelle bitte ich die Vertreter der Presse um Entschuldigung dafür, dass wir uns etwas verspätet haben. Aber es war ja das erste Mal, dass Kanzler Merz und ich Gelegenheit hatten, uns direkt und etwas ausführlicher zu unterhalten.

Ich möchte mich bei dem Kanzler dafür bedanken, dass er sich die Mühe gemacht hat, nach Madrid zu kommen, und dass er sich als Vertreter eines Landes, mit dem wir in jederlei Hinsicht – wirtschaftlich, kulturell, politisch – eine außerordentliche Beziehung haben, sehr persönlich mit mir unterhalten hat. Daher noch einmal herzlich willkommen dem Bundeskanzler und seiner ganzen Delegation und den Vertretern der Presse, die ihn bei dieser Reise begleitet haben!

Ich glaube, dass unsere Beziehungen, was die Wirtschaft, Investitionen und dergleichen anbelangt, wirklich bewundernswert sind. Das wird nicht oft genug unterstrichen. Die enge Beziehung zwischen unseren beiden Ländern äußert sich auch ansonsten sehr klar. So gibt es zum Beispiel 1600 deutsche Unternehmen, die mehr als 200 000 Arbeitsplätze in Spanien schaffen. Zwölf Millionen Deutsche wählen für die besondere Zeit des Jahres, die sie mit ihrer Familie verbringen möchten und in der sie im Urlaub sein möchten, Spanien. Unser Handelsaustausch beläuft sich auf 86 Milliarden Euro pro Jahr, und das macht Deutschland zu unserem zweitwichtigsten Handelspartner. Das ist ein Betrag, der das Bruttoinlandsprodukt von acht Ländern der Europäischen Union übertrifft. So groß und so intensiv ist der Austausch zwischen unseren beiden Ländern. Diese Zahlen belegen, wie positiv und auch wie dynamisch unsere Beziehungen sind. Es handelt sich um Beziehungen, die wir heute, lieber Kanzler, mit deinem Besuch hier ganz sicher vertiefen werden.

Unsere bilateralen Beziehungen haben auch ergeben, dass wir beide davon überzeugt sind, dass wir eine stärkere und eine geeintere Europäische Union brauchen. Was bedeutet das?

An erster Stelle bedeutet das Einheit im Zusammenhang mit der Herausforderung der Invasion Putins in der Ukraine, mit dem Respekt für das Völkerrecht und für die territoriale Unversehrtheit einer Nation wie der Ukraine, die frei über ihre Zukunft entscheiden möchte und die der Europäischen Union beitreten möchte.

Diese Kohärenz bringen wir in unserem Fall auch dann zum Ausdruck, wenn wir auf den Nahen Osten und auf das Leiden der palästinensischen Bevölkerung zu sprechen kommen. Ich möchte anerkennen, dass Deutschland im Verlauf der letzten Zeit Resolutionen der Vereinten Nationen mit verabschiedet hat, in denen Israel bzw. die Regierung von Premierminister Netanjahu aufgefordert worden ist, die Gewalt einzustellen und sich auf eine Lösung der Krise zuzubewegen, zum Beispiel mit der Zweistaatenlösung.

Schließlich brauchen wir ein wettbewerbsfähigeres Europa, ein sehr viel gerechteres Europa und ein sehr viel nachhaltigeres Europa. Wir haben das gerade besprochen. Wir brauchen eine Roadmap – und es gibt ja eine Roadmap, die von zwei früheren italienischen Premierministern aufgestellt worden ist, nämlich von Enrico Letta und Mario Draghi, die genau darstellen, was zu tun ist, wenn wir wettbewerbsfähiger, gerechter und nachhaltiger werden wollen.

Vor diesem Hintergrund möchte ich mich bei der deutschen Regierung ganz persönlich dafür bedanken, dass sie alles darangesetzt hat, die Energieinterkonnexionen des Europas des Südens mit dem restlichen Europa aufrechtzuerhalten. Wenn wir von strategischer Autonomie sprechen, dann meinen wir damit natürlich auch Unabhängigkeit, was die Energieversorgung anbelangt. Die Iberische Halbinsel hat hier einen sehr wichtigen Beitrag zu leisten, gerade weil Spanien und Portugal ja wirklich viel beizutragen haben, was die erneuerbaren Energien und grünen Wasserstoff anbelangt. Spanien und Deutschland sind die beiden Länder der Europäischen Union, in denen die meiste Sonnenenergie installiert ist. Hier handelt es sich um eine Entwicklung und einen Fortschritt, der uns alle in Europa erreichen muss; denn so können wir dafür sorgen, dass unser Kontinent Zusammenhalt hat. Wir brauchen für einen Binnenmarkt auch einen Energiebinnenmarkt.

Was wir als Demokraten teilen, ist unsere Verurteilung des Extremismus; auch das war Gegenstand unseres Gesprächs.

Ich komme zum Schluss meines kurzen Statements, bevor ich Kanzler Merz das Wort erteile, indem ich sage, dass Deutschland und Spanien ihre Beziehungen vertiefen werden und weiterhin auf mehr Europa setzen werden. Diese Botschaft einer Einheit ist eine Botschaft, die wir wirklich eindringlich an unsere Bürger und vor allen Dingen auch an die Regierungen, die versuchen, unser gemeinsames europäisches Projekt zu gefährden, weiterleiten möchten. Die europäische Geschichte ist eine Erfolgsgeschichte, und davon profitieren unsere Bürger. Wir müssen uns also dafür einsetzen, dass dieses Vermächtnis geschützt wird, und das können wir als Deutschland und Spanien ganz besonders gut tun. Die Beziehungen zwischen Madrid und Berlin sind ausgezeichnet, und ich glaube, das wird dazu beitragen, dass sich Europa dahin bewegt, wo wir es gerne sehen würden. Und jetzt hast du das Wort.

Bundeskanzler Friedrich Merz:

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident, lieber Pedro Sánchez, zunächst sehr herzlichen Dank für die freundliche Begrüßung hier in Madrid. Ich habe deine Einladung zu einem offiziellen Besuch hier in Spanien angenommen und freue mich sehr darüber, dass ich die Gelegenheit habe, heute Abend hier zu sein.

Wir beide sind uns ja schon verschiedentlich auch auf der europäischen Ebene begegnet, hatten aber noch nie die Gelegenheit, etwas ausführlicher auch persönlich miteinander zu sprechen, und das haben wir eben bereits getan. Deswegen hat es auch etwas länger gedauert als eigentlich geplant; denn wir hatten sehr viele Themen – auch sehr viele Themen, bei denen wir große Übereinstimmung gefunden haben, die unsere beiden Länder, aber auch unsere gemeinsame Arbeit in der Europäischen Union betreffen.

Ich habe dir erzählt – und will es hier gerne wiederholen –, dass mich mit Spanien mit die schönsten Kindheitserinnerungen verbinden. Ich bin mit meiner Familie sehr häufig in ganz jungen Jahren südlich von València in dem schönen Ort Cullera im Urlaub gewesen. Von daher verbindet mich mit Spanien sehr viel an persönlichen Erinnerungen.

Aber unsere beiden Länder sind ja mehr als nur Kindheitserinnerungen, unsere beiden Länder sind enge Partner in der Europäischen Union. Wir sind große, wichtige Mitgliedstaaten in dieser Europäischen Union, und wir haben großes Interesse daran, dass diese Europäische Union vorankommt. Wir haben intensiv über unsere bilaterale Partnerschaft gesprochen – die ist gut. Wir sprechen aber natürlich auch über unsere gemeinsame Arbeit in der Europäischen Union, und hier haben wir gemeinsame Anliegen.

Unsere beiden Länder sind starke Wirtschaftsstandorte. Das wollen wir bleiben. Wir wollen Standorte industrieller Fertigung bleiben. Wir haben Industrien, die voneinander abhängig sind. Wir sind bei Forschung und Entwicklung und auch im Energiesektor enge Partner. Du hast es angesprochen und ich will es gerne aufgreifen: Auch die Entwicklung einer gemeinsamen Wasserstoffinfrastruktur ist für unsere beiden Länder von überragender Bedeutung.

Ich bin sehr dankbar, dass du die beiden Berichte von Enrico Letta und Mario Draghi angesprochen hast. Das sind sehr gute Vorarbeiten, die geleistet worden sind, zum einen für die Vertiefung des europäischen Binnenmarktes, aber auch für die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Europäischen Union. Wir haben mit dieser Methode der Berichte, die dann die Grundlage für spätere Gesetzgebung sind, in der Europäischen Union schon einmal eine sehr gute Erfahrung gemacht. Den europäischen Binnenmarkt hätte es 1993 nicht gegeben, wenn nicht Jacques Delors im Jahr 1985 einen umfassenden Bericht über den europäischen Binnenmarkt geschrieben hätte.

Ich wünsche mir sehr, dass die Berichte von Enrico Letta und Mario Draghi jetzt auch wieder zur Grundlage der Vertiefung des europäischen Binnenmarktes und der Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Europäischen Union werden. Da haben wir ein paar Themen, die wir besprechen müssen, auch bei den beiden vor uns liegenden Ratstagungen: dem informellen Rat in Kopenhagen in wenigen Tagen und dann dem offiziellen Rat in Brüssel Ende des Monats. Wir werden uns in diesem Jahr also noch einige Male sehen, um das zu vertiefen, was wir heute bilateral besprechen.

Ich möchte gerne das Thema Handelspolitik aufnehmen. Wir haben ein gemeinsames hohes Interesse daran, dass das MERCOSUR-Abkommen mit den südamerikanischen Staaten jetzt schnell verabschiedet wird, und auf unsere Partner in der Europäischen Union, die noch zweifeln, wollen wir auch gerne einwirken, dass sie zu einem Beschluss kommen. Die Europäische Kommission hat dafür auch einen entsprechenden Vorschlag gemacht.

Ich will auf die Sicherheit Europas zu sprechen kommen und kurz drei Punkte ansprechen.

Erstens sind wir uns einig, dass wir die sehr enge deutsch-spanische Zusammenarbeit in der Rüstungsindustrie weiterführen wollen. Es gibt auch hier entsprechende Initiativen auf der geschäftlichen Ebene, dies zu tun.

Wir setzen uns zweitens mit Blick auf die europäischen Räte im Oktober dafür ein, die neuen EU-Verteidigungsinitiativen nun auch sehr konsequent umzusetzen. Wir haben einen Anfang gemacht, und es müssen nun auch zügig Programme für die Industrie folgen. Wir sind uns einig gewesen in unserem Gespräch. Wir müssen die Zahl der Systeme in Europa drastisch reduzieren, wir müssen die Systeme vereinfachen, und wir brauchen vor allen Dingen Stückzahlen. Wir müssen dafür sorgen, dass die europäische Rüstungsindustrie wettbewerbsfähig ist, und das wird sie nur, wenn sie entsprechend große Stückzahlen mit einer drastisch reduzierten Zahl von Systemen produzieren kann. Sonst werden wir es nicht schaffen, auch hier unsere Abhängigkeiten von anderen Lieferanten zu reduzieren.

Drittens kommt es jetzt entscheidend darauf an, dass wir der Ukraine weiter helfen. Ich bin sehr dankbar – das will ich ausdrücklich sagen –, dass wir hier auch feststellen konnten, dass wir absolut übereinstimmen in unserer Einschätzung, was den Krieg in der Ukraine betrifft, und dass wir hier gemeinsam mehr tun können, um diesen Krieg zu beenden. Denn Russland bedroht nicht nur die Ukraine, Russland bedroht Deutschland und Spanien gleichermaßen. Das gilt eben zum Beispiel für die Risiken, die wir bei den Frachtern der sogenannten russischen Schattenflotte sehen. Wir sehen es in der Ostsee genauso wie in der Straße von Gibraltar. Spanien und Deutschland stellen sich dieser umfassenden Bedrohung entschlossen entgegen. Dies setzen wir auch bei unseren gemeinsamen Aktivitäten in der NATO ganz aktuell um. Wir haben die Luftraumverletzungen gesehen, und wir werden darauf natürlich auch weiter reagieren.

Wir werden heute Abend auch über die Lage im Mittleren Osten sprechen. Wir teilen die tiefe Sorge über die humanitäre Lage in Gaza und die laufende Bodenoffensive der israelischen Streitkräfte gegen Gaza-Stadt. Wir teilen auch die Befürchtung, dass es im Westjordanland zu Annexionsschritten kommt, die eine Zweistaatenlösung noch weiter erschweren könnten. Wir setzen uns wirklich dafür ein, dass eine Zweistaatenlösung in dieser Region weiter möglich bleibt.

Es bleibt trotzdem kein Geheimnis, dass wir beide – das will ich offen ansprechen – daraus jetzt verschiedene Schlüsse ziehen. Für die Bundesregierung steht die Anerkennung palästinensischer Staatlichkeit gegenwärtig nicht zur Debatte. Eine solche Anerkennung sehen wir weiter als einen der letzten Schritte, nicht als einen der ersten hin auf dem Weg zu einer Zweistaatenlösung. Wir werden über diese Fragen offen diskutieren. Es ist auch keine Überraschung, dass wir hier unterschiedlicher Auffassung sein können. Das hat natürlich auch etwas mit der deutschen Geschichte zu tun – ich habe in den letzten Tagen in Deutschland verschiedentlich darauf hingewiesen.

Aber eines ist auch klar: Kritik an der israelischen Regierung muss möglich sein, aber wir dürfen nie zulassen, dass sie zu einer Hetze gegen Jüdinnen und Juden missbraucht wird. Auch darüber sind wir uns beide einig.

Noch einmal, lieber Pedro Sánchez: Das sind eine Vielzahl von Themen, die wir auch heute Abend beim Abendessen vertiefen. Ich freue mich deswegen auf die Begegnung heute Abend und ich freue mich auch auf den Besuch in Berlin. Noch einmal sehr herzlichen Dank für die Einladung! Ich glaube, ich darf das sagen: Deutschland war bei den letzten spanisch-deutschen Regierungskonsultationen Gast in Spanien, und wir wollen im nächsten Jahr dann gute Gastgeber für spanisch-deutsche Regierungskonsultationen in Deutschland sein. Ich freue mich auf unsere Zusammenarbeit, auch unsere persönliche Zusammenarbeit – und die unserer gut miteinander arbeitenden beiden Länder ohnehin.

Sehr, sehr herzlichen Dank.