Deutschland lebt von Leistung, Zusammenhalt und Chancen

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Rede des Kanzlers bei der Verleihung des Talisman-Preises Deutschland lebt von Leistung, Zusammenhalt und Chancen

Bundeskanzler Friedrich Merz hat vier Sportlerinnen und Sportler ausgezeichnet, die sich durch ihr Engagement für gesellschaftlichen Zusammenhalt verdient gemacht haben. Als Schirmherr der Deutschlandstiftung Integration betonte er in seiner Rede, welche Bedeutung Sport hat.

Mittwoch, 19. November 2025 in Berlin
Die Gewinnerinnen und Gewinner der Talisman-Preises zusammen mit dem Bundeskanzler und der Moderation des Abends

„Wir sind eine offene Gesellschaft, und wir wollen es bleiben. Eine solche offene Gesellschaft braucht Integration”, betonte Kanzler Merz bei der Talisman-Preisverleihung. 

Foto: Bundesregierung/Tobias Koch

Bei der Verleihung des Talisman-Preises hat Bundeskanzler Friedrich Merz hervorgehoben, dass für ihn und die Bundesregierung Sport eine enorme Bedeutung mit Blick auf Integration und Inklusion habe. Das ist nicht nur im Koalitionsvertrag vereinbart, sondern wurde auch mit der Einrichtung des Amtes der Staatsministerin für Sport und Ehrenamt im Bundeskanzleramt manifestiert.

Darüber hinaus soll der Sport mit zielgerichteten Maßnahmen gestärkt werden – sowohl in der Spitze als auch in der Breite. Sport stehe für Fairness, Integrität und Miteinander. Bei der Verleihung des Talisman-Preises hat der Kanzler nun vier Sportlerinnen und Sportler ausgezeichnet und als Schirmherr der Deutschlandstiftung Integration in seiner Festrede gewürdigt.

Die Talisman-Preisträgerinnen und Preisträger sind:

Malaika Mihambo (unter anderem Olympia-Siegerin in Tokio 2020)

Yemisi Ogunleye (unter anderem Olympia-Siegerin in Paris 2024)

Elena Semechin (unter anderem Paralympics-Siegerin in Tokio 2020)

Leo Neugebauer (unter anderem Silber bei den Olympischen Spielen in Paris 2024 und Gold bei den Weltmeisterschaften 2025 in Tokio)

Die Deutschlandstiftung Integration wurde 2008 gegründet und zählt zu den größten Förderinstitutionen für junge Talente mit Migrationsgeschichte in Deutschland. Sie steht für eine chancengerechte Gesellschaft, in der Herkunft nicht als Hindernis verstanden wird, sondern als Potenzial. 
Sie glaubt an die Kraft der Vielfalt der Gesellschaft und will, dass junge Menschen mit Migrationsbiografien die Zukunft kreativ und verantwortungsvoll mitgestalten. Sie leistet damit einen bedeutenden gesellschaftlichen Beitrag, um Perspektiven für ein gelingendes Miteinander zu schaffen und Werte von Offenheit und Zusammenhalt zu vermitteln.

Sehen Sie hier die Rede des Kanzlers:

22:16

Video Rede des Kanzlers bei der Talisman-Preisverleihung

Lesen Sie hier die Mitschrift der Rede:

Sehr geehrter Herr Bundespräsident, lieber Christian Wulff,
lieber Thomas Gauly,
meine sehr geehrten Damen und Herren,
vor allem liebe Stipendiatinnen und Stipendiaten,

ich freue mich, heute Abend hier zu sein. Ich danke Ihnen sehr, dass Sie mir die Aufgabe anvertrauen, die Schirmherrschaft dieser Stiftung zu übernehmen.

Liebe Frau Sattarian, vielen Dank für Ihren eindrucksvollen Vortrag, für Ihre Worte, die nicht nur mich bewegt haben, sondern viele hier im Raum. Ich will Ihnen für das Bild mit dem Ball danken, das Sie verwendet haben. Dieses Bild wird mir in Erinnerung bleiben. Ich denke, es wird vielen hier so gehen, dass sie das auch nachempfinden können. Mich jedenfalls haben Ihre Worte persönlich sehr bewegt. Ich möchte Ihnen auch dazu noch einmal ganz herzlich danken. Danke schön!

Meine Damen und Herren, als neuer Schirmherr dieser Stiftung und, weil die eigentliche Laudatio auf die drei großartigen Preisträgerinnen und den Preisträger aus dem Sport gleich Bundespräsident Christian Wulff halten wird, will ich zunächst doch einige allgemeine Gedanken mit Ihnen teilen und vor allem versuchen, die Grundfrage zu beantworten, auf die auch der Name der Stiftung verweist: Was ist und wie gelingt gesellschaftlicher Zusammenhalt? Was ist und wie gelingt Integration?

Zunächst: Jede freie Gesellschaft, jede offene Gesellschaft braucht Zusammenhalt. Wir sind eine offene Gesellschaft, und wir wollen es bleiben. Eine solche offene Gesellschaft braucht Integration. Wir wollen diesen Zusammenhalt. Wir wollen Integration. Alle, die in diesem Land leben und arbeiten, sollen erfahren können, dass sie persönlich wertgeschätzt sind, dass sie mitgestalten können, dass sie Chancen haben, etwas für sich und für ihre Familien zu erreichen.

Ich will einen weiteren Punkt ansprechen. Wir müssen miteinander darüber reden können, wo Zusammenhalt heute infrage steht, wo Entfremdung wächst und wo wir gemeinsam besser werden müssen, um eben diesen gesellschaftlichen Zusammenhalt auch zu bewahren. Gemeinsam besser werden zu müssen heißt, dass sich jeder von uns, auch ich mich, immer wieder überprüfen kann, ob er es richtig macht, so wie er es macht. Sie alle hier im Raum, die dieser Stiftung verbunden sind, gehören längst zu diesem Wir, über das ich hier spreche. Ihre Geschichten und auch die Geschichten der Stipendiatinnen und Stipendiaten der Deutschlandstiftung Integration – es sind mittlerweile über 2.500 – sind beeindruckende Geschichten. Ihre Geschichten erzählen, wie es eben gelingt. Sie zeigen auch, dass es großartige Erfolgsgeschichten gibt, großartige Geschichten auch gegenseitiger Unterstützung und eines gegenseitigen guten Willens, unser Land und unsere Zukunft in Deutschland gemeinsam zu gestalten, der miteinander einfach da ist.

Eines sollten wir, finde ich, anerkennen. Damit komme ich erneut auf Ihre Schilderungen zurück, Frau Sattarian. Die meisten von Ihnen haben für den Platz, an dem Sie heute stehen, mehr Anstrengungen, mehr Einsatz, mehr Arbeit aufwenden müssen als andere, vielleicht weil in ihren Familien noch nicht das Wissen um die Mechanismen unserer deutschen Gesellschaft vorhanden war, weil Sie keine Netzwerke geerbt haben, weil Ihnen Ihre Eltern manchmal vielleicht auch wegen der Sprachbarrieren eben nicht so sehr bei den Hausaufgaben und auf Ihrem weiteren Weg durch Schule und Berufsausbildung und Studium helfen konnten und auch weil manche Ihnen vielleicht – Frau Zervakis hat es angesprochen – aufgrund Ihres Namens oder Ihrer Äußerlichkeiten Vorbehalte entgegenbringen, Ihnen eben nicht nur nach Ihrem Charakter, Ihnen als Mensch und nach Ihren Fähigkeiten begegnen. Das sind Dinge, die Sie mit Ihrem Einsatz und Ihren Fähigkeiten wettgemacht haben. Sie sind Ihren Weg gegangen. Das beeindruckt uns alle hier, und ‑ ich will es sehr deutlich sagen – das beeindruckt auch mich persönlich sehr. Sie sind Vorbilder für so viele junge Menschen, wie wir sagen, mit Migrationshintergrund. Wenn Jugendliche und junge Erwachsene aufgrund der soeben beschriebenen Hürden zweifeln, dann machen Sie Hoffnung auf eine Zukunft und eben auf Erfolg ganz unterschiedlicher Art in Deutschland. Sie zeigen, dass sich diese Anstrengung lohnt. Es ist nicht übertrieben, wenn ich Ihnen auch aus persönlicher Sicht sagen möchte, dass wir dabei auch von Ihnen gemeinsam viel lernen können.

Meine Damen und Herren, ich habe uns in meiner Rede zum Tag der Deutschen Einheit in Saarbrücken am 3. Oktober gefragt: Was wollen wir für ein Land sein, in dem wir gemeinsam leben? Wenn wir uns auf einige Antworten auf diese Frage einigen könnten, dann wäre nach meiner festen Überzeugung schon das Wichtigste für Zusammenhalt und Integration getan. Ich bin mir sicher, dass wir uns auf eine Antwort einigen können. Ich habe am 3. Oktober vor allem vier Aspekte genannt.

Zunächst: Wir wollen ein demokratisches Land sein, in dem wir in einem wertschätzenden Gespräch miteinander den Weg voran selbst bestimmen, uns auf demokratischem Wege die Regeln und Gesetze geben, die grundlegende Regeln für unsere Gemeinschaft sind.

Wir wollen ein rechtsstaatliches Land sein, in dem auch der Staat an das Recht gebunden ist, in dem die Verwaltung an die Gesetze gebunden ist. Wenn dagegen verstoßen wird, dann schreiten unabhängige Gerichte ein und schützen die Rechte der Bürgerinnen und Bürger ganz unabhängig von Herkunft und Hautfarbe.

Wir wollen ein wirtschaftlich starkes Land sein, in dem die Ideen eines jeden verwirklicht werden können, in dem jeder seine Ziele verfolgen kann. Daraus kann auch Wohlstand für uns alle entstehen.

Schließlich, viertens, wollen wir ein solidarisches Land sein, in dem wir einander helfen, in dem wir, wenn es schwierig wird, auch Hilfe in Anspruch nehmen und bekommen.

Ich will heute hinzufügen: Wir wollen ein Land sein, das die unterschiedlichsten Biografien Begabungen und Talente seiner Bürgerinnen und Bürger als Bereicherung für alle versteht. Das alles wollen wir sein, und, meine Damen und Herren, das alles wollen wir gemeinsam sein. Ich denke, wir können dann auch gemeinsam formulieren, dass uns das alles für den Zusammenhalt in Deutschland, den wir alle gemeinsam wollen, noch nicht gut genug gelingt.

Es gelingen uns oft auch die Debatten nicht gut genug. Wir unterstellen einander oft zu viel. Wir müssen besser werden, Probleme und möglicherweise auch Lösungen miteinander zu benennen und zu diskutieren. Noch einmal: Wir müssen besser darin werden, dies zu tun. Ich schließe mich auch erneut selbst gar nicht aus. Die politische Mitte unseres Landes schadet sich jedenfalls in ganz fataler Weise selbst, wenn ihr das nicht gelingt. Denn der Feind unserer Freiheit steht nicht im konservativen Spektrum, in der konservativen Mitte. Er steht auch nicht in der linken Mitte. Die Feinde der Freiheit stehen an den radikalen Rändern beider Seiten. Es sind noch immer Ränder. Davon bin ich jedenfalls fest überzeugt. Wenn wir uns zusammenreißen und uns nicht gegenseitig angreifen und so schwächen, dann ist die Mitte ziemlich breit, was nicht heißt, dass sich diese Mitte immer einig ist oder gar sein muss. Aber dann kann man in dieser Mitte Unterschiede austragen und unterschiedliche Meinungen aushalten. Denn das ist es dann, was eine wirklich lebendige Demokratie in aller ihrer Unterschiedlichkeit, aber auch in genau dieser breiten politischen Mitte dann auch ausmacht, meine Damen und Herren.

Damit der Zusammenhalt im Land wieder wächst, müssen wir auch ganz konkrete Aufgaben besser lösen und zum Beispiel die Frage beantworten, wer zu uns kommt und wer auch auf Dauer bleiben soll. Deutschland ist – ich will es noch einmal betonen – ein weltoffenes Land. Das ist es seit Jahrzehnten. Das habe ich an vielen Stellen sehr früh in meiner Partei auch immer wieder gesagt. Deutschland ist ein Einwanderungsland.

Deutschland ist ein Einwanderungsland, meine Damen und Herren, dessen Geschichte in großen Teilen ohne Einwanderung anders geschrieben worden wäre, und zwar nicht besser, sondern schlechter geschrieben worden wäre. Die meisten von Ihnen wissen das.

Ich komme aus Nordrhein-Westfalen. Die Geschichte des Ruhrgebiets ist mit Einwanderung so eng verbunden wie in wahrscheinlich keinem anderen Teil der Bundesrepublik Deutschland. Die Erfolgsgeschichte des Ruhrgebietes wäre ohne Einwanderung sicher keine Erfolgsgeschichte geworden.

Der Anspruch an jedes Einwanderungsland selbst muss aber auch sein, Zuwanderung zu gestalten und zu steuern, sodass sie zum Nutzen der ganzen Gesellschaft ausfällt. Deshalb arbeiten wir auch gerade auf europäischer Ebene daran, eine bessere Steuerung und Ordnung der Migration zu ermöglichen. Selbstverständlich bleibt es bei Humanität, Asyl und Schutz in Europa und in diesem Rahmen natürlich auch in Deutschland. Unter dieser Leitlinie ändern wir gerade die Migrationspolitik in Deutschland und in Europa. Zugleich brauchen wir eben auch in Europa aus ganz pragmatischen Gründen Zuwanderung, vor allem in unseren Arbeitsmarkt. Damit das besser gelingt, wollen wir flexibler und attraktiver werden. Genau daran arbeiten wir.

Ich würde Ihnen gern ein Beispiel nennen, wie wir das tun und wie wir darüber denken. Wir bringen gerade eine digitale Plattform auf den Weg, die sich Work-and-Stay-Agentur nennt. Wir trennen also die Asylverfahren von den Migrationsverfahren in den Arbeitsmarkt schon sehr früh. Wir wollen auf einer digitalen Plattform schnell alle Entscheidungen ermöglichen, die im Hinblick auf Arbeitserlaubnis, Aufenthaltserlaubnis und auch Anerkennung der Berufsabschlüsse hinwirken. Meine Damen und Herren, das dauert in Deutschland alles viel zu lange. Deswegen wollen wir das ändern. Vor allem wollen wir es mit einer Integration sehr unterschiedlicher Zuständigkeitsbereiche auf einer digitalen Plattform ändern. Wir sprechen von übergreifenden Zuständigkeiten des Bundes, der Länder und der Gemeinden. Das ist nicht nur eines der größten, wenn nicht das größte Digitalprojekt der laufenden Wahlperiode. Wenn es gelingt, ist es auch das beste Projekt der nächsten Jahre für Zuwanderung und Integration in unsere Gesellschaft und in den Arbeitsmarkt.

Meine Damen und Herren, wenn uns das gelingt, dann können wir auch die Ressourcen, die wir haben, besser einsetzen. Dabei geht es nicht allein um Mittel oder um Geld und Kurse, sondern es geht um die Menschen, die in einer Gesellschaft neu zusammen lernen müssen, von allen Seiten lernen müssen, damit sie eben alle die Möglichkeit haben, gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben unseres Landes teilzuhaben und im besten Sinne des Wortes Bürgerinnen und Bürger unseres Landes zu werden.

Dazu gehört aber auch – ich denke, ich darf das hier sagen – der individuelle, persönliche Wille, sich in die aufnehmende Gesellschaft zu integrieren, der Wille, ein Teil dieser Gesellschaft zu werden und nach ihrem Recht, ihren Normen und ihren Werten zu leben und sie gleichzeitig weiterzuentwickeln.

Diese Erwartung hat zu Recht der Staat an die Einwanderer, aber haben auch die Einwanderer an unseren Staat. Wir brauchen gerade auch in den Städten und Gemeinden diesen wirklich beiderseitigen gemeinsamen Geist, diesen Willen, das gemeinsame Leben selbst so zu gestalten, dass die speziellen Probleme, die wir haben – und wir haben sie –, und manches Hindernis vor Ort ausgeräumt werden können. Auch dabei geht es um Ressourcen unseres Landes, und zwar um gesellschaftliche Ressourcen unseres Landes.

Das erleben wir im besten Sinne des Wortes eigentlich jeden Tag. Es gibt so viel guten Willen vor Ort in diesem Land, so viel ehrenamtlichen Einsatz, um das Miteinander wirklich gelingen zu lassen. So viel Miteinander gelingt ja auch. Sprechen wir doch nicht immer nur über das, was nicht gelingt! Sprechen wir doch auch einmal darüber, was wirklich gut gelingt! Sie alle sind doch ein Beispiel dafür, wie gut es gelingen kann. Es gelingt mit dem Miteinander in Schulen und Kitas. Es gelingt in Betrieben und Vereinen, dort, wo sich Menschen kennenlernen, wo sie zusammen arbeiten, wo sie zusammen lernen und wo sie vor allem zusammen Sport treiben. Wenn wir als Land also dafür sorgen, dass im Bereich der Zuwanderung die Aufgaben für Staat und Gesellschaft leistbar sind und bleiben, dann bin ich zuversichtlich, dass uns dies alles in den nächsten Jahren weiterhin gut gelingt.

Meine Damen und Herren, zu den Regeln, die wir uns in einem demokratischen Staat geben, gehört auch die Unterscheidung, wer aus welchen Gründen zu uns kommt, wer aus welchen Gründen in Deutschland bleiben soll und wer möglicherweise nicht bleiben kann. Ich weiß, es gibt Härtefälle, die uns alle auch immer wieder berühren und beschäftigen, auch in unseren Wahlkreisen. Aber der Staat muss dafür sorgen, dass demokratisch gesetztes Recht gilt und durchgesetzt wird, so wie auch in anderen Bereichen unserer Gesellschaft. Das geht erneut in beide Richtungen. Zuwanderung ist ein ständiger Diskurs des Sowohl-als-auch. Es gibt zahlreiche Wege, angemessene und großzügige Wege, wie ich finde, um durch eigene Integrationsleistungen ein langfristiges Aufenthaltsrecht in diesem Land zu schaffen und zu erhalten. Es ist richtig, diesen Weg zu gehen.

Meine Damen und Herren, eine Frage von Recht und seiner Einhaltung ist auch die klare Ansage des Staates, dass wir hier in gegenseitigem Respekt miteinander leben wollen, dass dies ein Land ist, in dem wir einander achten und freundlich und höflich begegnen wollen, ein Land, in dem wir keine Ausgrenzung dulden, keine Diskriminierung, keine Beleidigungen von Gruppen oder Einzelnen, keine Angriffe auf Gruppen oder Einzelne.

Wir müssen als Gesellschaft eine gemeinsame, überzeugende Antwort auf die Frage geben, wohin sich Zuwanderer eigentlich integrieren sollen. Integration kommt vom lateinischen Wort integratio. Das heißt so viel wie Erneuerung oder Wiederherstellung eines Ganzen. Das ist die Übersetzung aus dem Latein. Ich finde, das ist ein sehr schönes und auch ein aufschlussreiches Bild. Selbstverständlich hat sich die deutsche Gesellschaft in den Jahrzehnten, in denen wir bereits Einwanderungsland sind, verändert, und natürlich verändert sie sich ein kleines Stück mit jedem neuen Mitglied, das Teil dieses Ganzen wird. Die Gesellschaft ist kein unveränderlicher Block, der Einwanderer gleichsam absorbiert, ohne sich selbst mit diesen zu verändern.

Für dieses Zielbild einer gelingenden Integration gibt es durchaus verschiedene Konzepte. Sie sind bekannt. Die Zeit reicht nicht, um sie alle hier auszudiskutieren. Sie werden in Ihren Stipendiatenkreisen sicherlich intensive Diskussionen darüber führen. Wichtig ist mir jedoch folgende allgemeine gemeinsame Erkenntnis als Grundlage der Diskussion, die wir als Gesellschaft führen: Integration ist ein kontinuierlicher Erneuerungsprozess, ein ständiger Aushandlungsprozess. Das macht es manchmal schwierig, und das macht es auch anstrengend und fordernd. Das ist aber der eigentliche Kraftakt, den wir als Bundesrepublik Deutschland leisten müssen, meine Damen und Herren.

Schließlich, auch das habe ich am 3. Oktober auszudrücken versucht: Ich glaube, dass in dieser nicht ganz einfachen Zeit, in der wir leben, eine große Chance für eine neue Einheit und für einen neuen Zusammenhalt liegt. Wenn wir einig darin sind, was für ein Land wir sein wollen – ich habe versucht, es zu skizzieren –, und wenn wir einig darin sind, dass diese Einigkeit möglich ist, wenn wir darin einig sind, was wir in diesem Land nicht wollen und was wir in unserem Land besser machen wollen – ich glaube, auch diese Einigkeit ist möglich –, dann werden wir gemeinsam politische Lösungen suchen und finden. Denn das stiftet wirklich Zusammenhalt. Ich glaube, dass das möglich ist. Wenn Sie wollen, möchte ich als Schirmherr dieser Stiftung gern meinen Teil auch in der Bundesregierung dazu beitragen, dass uns das gelingt.

Ich bin jedenfalls froh, dass es Sie gibt, dass es diese Stiftung gibt, dass es die Stipendiatinnen und Stipendiaten gibt und dass es heute neue Preisträger gibt, meine Damen und Herren. Ich bin froh darüber, dass Sie Ihren großen Beitrag in der Stiftung und als Teilnehmer dieser Preisverleihung heute Abend leisten, als Bürgerinnen und Bürger unseres gemeinsamen Landes.

Herzlichen Dank.