Weichenstellung für eine innovative Wirtschaft

  • Bundeskanzler | Startseite
  • Friedrich Merz 

  • Aktuelles

  • Kanzleramt

  • Mediathek   

  • Service

Rede des Bundeskanzlers bei den German Startup Awards Weichenstellung für eine innovative Wirtschaft

Erfolgreiche Startups sind treibende Kräfte für Innovation und Wettbewerbsfähigkeit, betonte Bundeskanzler Merz in seiner Rede bei den German Startup Awards. Die Bundesregierung wolle Deutschland wieder zu einem Innovationsvorreiter machen.

Donnerstag, 21. Mai 2026
Bundeskanzler Merz hinter einem Rednerpult. Im Hintergrund der Schriftzug "German Startup Awards 2026".

Kanzler Merz forderte in seiner Rede Zuversicht, um die bestehenden Probleme anzugehen.

Foto: Bundesregierung/Henning Schacht

Bundeskanzler Friedrich Merz unterstrich in seiner Eröffnungsrede der German Startup Awards in Berlin die Bedeutung von mutigen Unternehmensgründerinnen und -gründern für den Wirtschaftsstandort Deutschland: „Ohne Sie geht es nicht. Ohne Innovationsfähigkeit, ohne Wettbewerbsfähigkeit geht es in unserem Land nicht.“ Die Bundesregierung arbeite weiter daran, Deutschland zu einem gründungsfreundlichen Standort zu machen und Startups Wachstumsmöglichkeiten zu eröffnen.

Mit der Hightech Agenda wären etwa die Weichen gestellt worden, „um Deutschland wieder zum Innovationsvorreiter zu machen“, sagte der Kanzler. Und um die „Beschleunigung von Unternehmensgründungen mit Fähigkeiten aus anderen Ländern zu ermöglichen“, habe man den Aufbau der Work-and-Stay-Agentur auf den Weg gebracht. Es brauche Zuversicht, um die bestehenden Probleme zu lösen, forderte Merz zum Abschluss: Deutschland habe „alle Chancen, die Herausforderungen zu meistern“. 

Die German Startup Awards fanden zum siebten Mal statt. Mit der Preisverleihung würdigt der Bundesverband Deutsche Startups die Menschen hinter erfolgreichen Startups in Deutschland. Der Verband wurde 2012 gegründet und hat heute 1.200 Mitglieder. Im Jahr 2025 sind in Deutschland 3.568 Startups gegründet worden – eine Rekordzahl

Lesen Sie hier die Mitschrift der Rede:

Liebe Verena,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

herzlichen Dank für diese überaus freundliche Begrüßung und die gute Stimmung hier im Saal. Es macht große Freude, Sie heute Abend so festlich gekleidet zu sehen. Ich habe mit Erlaubnis Ihrer Vorsitzenden, Verena Pausder, heute Abend noch meine Arbeitsbekleidung an. Aber ich muss Ihnen sagen, dass ich ja auch gar nicht für einen längeren Verbleib hier vorgesehen bin. Auf dem Tisch vor mir steht folgende Karte: „Dieser Tisch macht am Ende der Preisverleihung Platz für die Tanzfläche. Nimm alles mit, was nicht tanzen kann.“ Beim nächsten Mal, Verena, plant für mich einen anderen Tisch ein. Dann komme ich auch im Smoking und bleibe ein bisschen länger. Noch einmal vielen Dank, auch für deine sehr zuversichtlichen Worte! Meine Damen und Herren, schön, dass wir heute Abend hier sind, dass wir zusammen sein können, dass Sie diese Preisverleihung nun schon zum wiederholten Male in Berlin veranstalten.

Ich werde in diesen Tagen sehr häufig gefragt: Wofür macht ihr das eigentlich alles? Wofür steht ihr in der Bundesregierung? Was wollt ihr für Deutschland erreichen? Ich will versuchen, das mit ganz wenigen Worten zu beantworten: Diejenigen, die das große Glück gehabt haben, so wie ich, über viele Jahrzehnte in Freiheit, in Frieden, im Wohlstand und mit einem immer größer werdenden Maß an sozialem Ausgleich in Deutschland zu leben, stehen heute in der Verantwortung dafür, dass unsere Kinder und Enkelkinder die gleichen Chancen haben, in den nächsten Jahren und Jahrzehnten in Freiheit, in Frieden, im Wohlstand und mit einem hohen Maß an sozialer Gerechtigkeit zu leben. Das ist unser Ziel, meine Damen und Herren: weiterhin in Freiheit und Frieden in Deutschland leben zu können.

Wenn ich das heute so zu Ihnen sage, dann gebe ich zu, dass ich das vor vier, fünf Jahren so in dieser Form noch nicht gesagt hätte. Es war für uns alle selbstverständlich. Seien wir doch ehrlich miteinander: Wir haben es als selbstverständlich angenommen, dass wir in Freiheit leben, dass wir in Frieden leben, dass wir in ständig steigendem Wohlstand leben und dass wir auch einen Sozialstaat haben, der funktioniert. Heute stehen alle diese Gewissheiten auf dem Prüfstand, und nichts ist mehr sicher: unsere Freiheit nicht, der Frieden nicht, der Wohlstand nicht und der Sozialstaat nicht. Dies nun so aufzustellen und so hinzubauen, dass wir das auch in den nächsten Jahren und Jahrzehnten miteinander schaffen können, ist für uns alle – nicht nur für uns in der Politik – die wichtigste Aufgabe. Es ist auch Ihre Aufgabe. Es ist unsere gemeinsame Aufgabe als Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland. Deswegen freue ich mich über die große Zuversicht, die ich heute Abend hier im Raum sehe. Ich freue mich ganz einfach, hier zu sein.

Meine Damen und Herren, Sie alle sind Risiken eingegangen. Sie gehen jeden Tag ins Risiko. Sie alle, als Gründerinnen und Gründer, als Investorinnen und Investoren, arbeiten an genau einer solchen Zukunft unseres Landes mit. Sie wissen es, wir wissen es: Unsere Wirtschaft muss in sehr vielen Bereichen innovativer und dynamischer werden – vor allem, wenn wir uns den harten geoökonomischen und geostrategischen und geopolitischen Bedingungen stellen, die um uns herum entstanden sind. Ich habe keinen Zweifel daran, dass uns das gelingen kann. Aber wir müssen dafür die Antriebskräfte, die wir haben, besser nutzen. Wir müssen die Antriebskräfte auf die Straße bringen. Das bringen Sie mit. Das bringen Sie mit Ihren Gründungen mit, und das bringen Sie mit Ihren Geschäftsideen mit. Ich sage das nicht, weil ich heute Abend hier bei Ihnen stehe. Du hast es gesagt, und es steht auch in unserem Koalitionsvertrag, und als wir den geschrieben haben, war keiner von Ihnen dabei: Ohne Sie geht es nicht. Ohne Innovationsfähigkeit, ohne Wettbewerbsfähigkeit geht es in unserem Land nicht. Das sind die Werte, für die Sie mit Ihrer ganzen Leidenschaft stehen. Dabei haben Sie jede Unterstützung verdient. Meine Unterstützung und die der Bundesregierung der Bundesrepublik Deutschland haben Sie, meine Damen und Herren.

All das, was Sie vorhaben, ist nicht nur indirekt, sondern direkt für die Sicherung unserer Freiheit in Deutschland und in ganz Europa unersetzbar. Ich will es sehr grundsätzlich sagen, und ich nenne hier nur die Stichworte: technologische Souveränität, New-Space-Sektor, Sicherheit und Verteidigung.

Meine Damen und Herren, Verena Pausder hat es einmal so gesagt: Staatlicherseits sollten wir Ihnen den roten Teppich ausrollen. Ja, meine Damen und Herren, genau so ist es. Wir wollen es auch tun. Wir tun es bzw. haben in der Bundesregierung damit begonnen, es zu tun. Wir haben mit einem grundlegenden Reformprozess für unser Land begonnen. Wir haben mit Weichenstellungen begonnen, die auch Start-ups und Scale-ups dorthin bringen, wo sie hingehören: „front and center“ der Wirtschafts- und Innovationspolitik unseres Landes.

Ich sage ganz bewusst „Reformprozess“ mit der Betonung auf beiden Worthälften: „Reform“ und „Prozess“. Denn so etwas Grundlegendes, wie wir es vorhaben und wie es nach so vielen Jahren des Stillstandes auch notwendig geworden ist, kann nicht einfach nur von oben verordnet und dann innerhalb weniger Tage umgesetzt werden. Es braucht dafür den Rückhalt der Mitte unserer Gesellschaft, wenn es wirklich auf Dauer tragfähig sein soll. Für das, was nötig ist, werbe ich jeden Tag, auch heute hier bei Ihnen. Wir bekommen dafür auch manchen Unmut ab, so wie zum Beispiel letzte Woche beim Deutschen Gewerkschaftsbund. Aber, meine Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde – wenn ich das sagen darf –: Das gehört dazu. Das nehme ich in Kauf. Wir sind nicht nur dazu da, zu gefallen. Wir sind auch dazu da, Widerstände in unserem Lande zu überwinden. Ich bin entschlossen, diese Widerstände zusammen mit Ihnen zu überwinden.

Wo stehen wir in diesem Reformprozess? Wir haben gleich zu Beginn, schon im letzten Jahr, eine Unternehmenssteuerreform mit sehr hohen Abschreibungsmöglichkeiten und einer dann sukzessive sinkenden Körperschaftsteuer verabschiedet und in Kraft gesetzt. Wir werden dann zehn Prozent Körperschaftsteuer in Deutschland haben. Ich weiß, es kommt die Gewerbesteuer dazu, und für viele Start-ups – gerade für Personengesellschaften – auch die Einkommensteuer. Deswegen wollen wir auch auf diesem Weg der Absenkung der steuerlichen Belastung weitermachen. Wir haben auch eine ganze Reihe von kurz-, mittel- und langfristigen Entscheidungen getroffen, um die Energiepreise zu senken. Das ist für uns eine große Herausforderung, gerade vor dem Hintergrund der geopolitischen Entwicklung. Aber wir sind die ersten Schritte gegangen.

Das Gleiche gilt für die Reform der sozialen Sicherungssysteme. Rentenversicherung, Krankenversicherung, Pflegeversicherung, sie alle müssen zukunftsfest gemacht werden. Die Krankenversicherung haben wir im Kabinett verabschiedet. Sie befindet sich jetzt im parlamentarischen Prozess. Ich hoffe sehr, dass es uns gelingt – und ich appelliere an die Kolleginnen und Kollegen aus dem Deutschen Bundestag, dies vor der parlamentarischen Sommerpause zu verabschieden, sodass Sicherheit und Planungssicherheit besteht. Die Pflegeversicherung muss folgen.

Zur Rentenversicherung: Wir werden von der von uns eingesetzten Rentenreformkommission ein umfassendes Paket vorgestellt bekommen. Meine Damen und Herren, auch hier spielt etwas mit, das für Sie wichtig ist: Wir müssen und wir werden mit dieser Reform auch den Kapitalmarkt stärker nutzen und für die Absicherung des Einkommens im Alter öffnen. Wir haben eine neue Idee bzw. wir haben eine alte Idee neu aufgebaut oder zum Leben erweckt, die da lautet: stärkere Beteiligung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer am Produktivvermögen unserer Volkswirtschaft. Du hast die drei Billionen eben genannt, die auf Sparkonten und Sichteinlagen in Deutschland liegen. Da gehören sie nicht hin! Sie gehören in den Kreislauf unserer Volkswirtschaft, sie müssen angelegt werden, und sie müssen vor allem dafür sorgen, dass die Menschen in Deutschland eine stärkere Vermögensbildung in ihre Hand nehmen und dass sie damit auch für das Alter besser abgesichert sind. Meine Damen und Herren, das ist nicht Hexenwerk, das ist auch nicht Bösartigkeit, das ist schlicht und ergreifend Demografie und Mathematik, nichts anderes. Wir wollen es und wir werden es machen. Wir haben es im Koalitionsvertrag mit dem Wort eines neuen Gesamtversorgungsniveaus verabschiedet bzw. vereinbart, bestehend aus drei Säulen der Altersversorgung, nämlich der gesetzlichen Rentenversicherung, aber auch der privaten und der betrieblichen Altersvorsorge.

Nur, meine Damen und Herren, überfällig in unserem Land waren und bleiben die Digitalisierung und die Modernisierung unseres Staates. Deutschland muss ganz einfach schneller werden, einfacher werden und digitaler werden, eigentlich alles schon gestern. Ich habe darum vor einem Jahr die Entscheidung getroffen, dass wir dies auch institutionell in das Zentrum unserer Regierungsarbeit stellen, und zwar durch ein Ministerium für Digitales und Staatsmodernisierung. Ich bin sehr froh, dass ich für diese Aufgabe einen erfahrenen Mann aus der Wirtschaft gewinnen konnte, der sich mit Transformationen auskennt, der sich mit Digitalisierung auskennt, von dem Sie alle gehört haben, den Sie vermutlich – viele von Ihnen jedenfalls – kennen, ein Mann aus der Privatwirtschaft, Karsten Wildberger, der dieses Amt hervorragend ausübt und der genau diese Beschleunigung bei der Digitalisierung und der Staatsmodernisierung jetzt zu seiner wichtigsten Aufgabe gemacht hat.

Wir haben eine Rechenzentrumsstrategie beschlossen, um die digitalen Kapazitäten in Deutschland weiter massiv auszubauen. Meine Damen und Herren, innerhalb von fünf Jahren werden wir die Rechenkapazitäten, die in Deutschland bestehen, verdoppeln, und auch das hätte ich nicht gewagt, vor zwei oder drei Jahren von dieser Stelle aus vorauszusagen. Wir werden mit dieser Strategie vermutlich zusammen mit anderen Europäern in der Lage sein, Rechenkapazitäten zur Verfügung zu stellen, die uns im Zeitalter von Cloud und Quantencomputing sehr viel unabhängiger machen, vielleicht sogar unabhängig von den Vereinigten Staaten von Amerika und vor allen Dingen auch von der Volksrepublik China machen. Das machen wir! Wir holen hier in großen Schritten auf.

Das Ganze wird begleitet von einer Modernisierungsagenda des Bundes und einer föderalen Modernisierungsagenda zwischen Bund und Ländern. Das sind mehr als 200 Vorhaben, die wir mit den Ländern verbindlich verabredet haben, und viele der Länder gehen bereits jetzt in ihren jeweiligen Landesparlamenten an die Gesetzgebung und schnüren Gesamtpakete für den Rückbau der Bürokratie, für Planungsbeschleunigung, für die Digitalisierung unseres Landes. Das alles sind aus meiner Sicht ermutigende Zeichen. Das ist aus meiner Sicht nicht zuletzt auch der Aufbau digitaler Plattformen, auf denen wir auch Arbeiten erledigen können, die für uns als Staat wichtig sind.

Erlauben Sie mir, dass ich auch dies in diesem Zusammenhang hinzufüge, gerade in Ihrer Szene: Wir brauchen Menschen aus vielen Ländern der Welt, die bereit sind, in Deutschland zu arbeiten, zu uns zu kommen und hier auch ihre Fähigkeiten zur Verfügung zu stellen. Wir werden das mit einer Work-and-Stay-Agentur begleiten, die auf einer digitalen Plattform die Arbeitsgenehmigung, die Aufenthaltsgenehmigung und die Anerkennung der Berufsabschlüsse ermöglicht. Vielleicht ist das sogar das anspruchsvollste Projekt der Bundesregierung in der Digitalisierung unserer Verwaltung für diese Wahlperiode, weil wir hier auch noch viele Widerstände überwinden müssen. Viele Länder wollen die Zuständigkeiten behalten. Die Ausländerbehörden tragen Sicherheitsbedenken vor. Wir sehen die Anerkennung der Berufsabschlüsse auf viele Institutionen verteilt, nicht in einer Hand. Das ist ein sehr anspruchsvolles Projekt, aber wir wollen es machen, auch, um die Beschleunigung von Unternehmensgründungen mit Fähigkeiten aus anderen Ländern zu ermöglichen.

Wenn alles nach Plan verläuft, und es verläuft nach Plan, sogar ein bisschen besser und schneller als gedacht, werden wir zum 2. Januar 2027 in Deutschland die sogenannte digitale Brieftasche einführen, mit der sich alle Bürger eben ab dem nächsten Jahr gegenüber allen staatlichen und privaten Institutionen ausweisen können, auch gegenüber Banken, gegenüber Einzelhandelsgeschäften, gegenüber Behörden.

Wir haben zugleich Weichen gestellt, um Deutschland wieder zum Innovationsvorreiter zu machen. Viele von Ihnen werden unsere Hightech Agenda Deutschland kennen. Wir priorisieren, und wir fördern damit gezielt sechs Schlüsseltechnologien, die aus unserer Sicht zentral für den technologischen Fortschritt in Deutschland sind. Sie kennen die Themen: künstliche Intelligenz, Quantentechnologie, Mikroelektronik, Biotechnologie, Fusionstechnologie, klimaneutrale Energieerzeugung, Technologien für die klimaneutrale Mobilität. Das sind sechs Schlüsseltechnologien, die unser Land kann, die wir noch stärker machen wollen. Wir haben auch den Ehrgeiz, das erste Fusionskraftwerk der Welt in Deutschland ans Netz gehen zu lassen. Wir sind bei der Erforschung und Entwicklung von Fusionsenergie führend auf der Welt, meine Damen und Herren. Wir haben hier einen großen Ehrgeiz.

Das federführende Ministerium, das jetzt wieder Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt heißt, zeigt ja genau in diese Richtung. Wir priorisieren damit auch das Thema der Raumfahrt, und zwar entlang eines marktbezogenen Ansatzes. Wir wollen die zunehmende Zahl an Start-ups und kleinen und mittleren Unternehmen in dieser Branche für Souveränität in Deutschland und in Europa stärken, damit wir dies eben auch mit der Raumfahrt im Weltall ermöglichen können.

Lassen Sie mich hinzufügen: Auch im Bereich von Sicherheit und Verteidigung wollen wir Start-ups Wachstumsmöglichkeiten eröffnen. Hier liegen erhebliche Innovationspotenziale, die sehr positive Spillover-Effekte auf den gesamten zivilen Bereich versprechen. Wir haben das in der Vergangenheit gezeigt. Ich sehe auch den einen oder anderen bzw. die eine oder andere, die in München auf der letzten Sicherheitskonferenz mit einer ganzen Reihe von Start-up-Unternehmen dabei waren, die in der Verteidigungstechnologie unterwegs sind, gerade aus Deutschland heraus – einige von denen übrigens zusammen mit der Ukraine –, und die sensationelle Erfolge erzielen, gerade bei der Modernisierung unserer Verteidigungstechnologie.

Meine Damen und Herren, das Wirtschaftsministerium erarbeitet derzeit eine ressortübergreifende Strategie für Start-ups und Scale-ups. Wir wollen sie als Arbeitsagenda jetzt in die Ressortabstimmung geben. Bildung, Ausgründungen, Transfer, Sicherheit und Verteidigung, Bürokratierückbau, Vergabe und Wettbewerb und Fachkräfte, das alles wird in dieser Strategie adressiert.

Genauso gilt das für den großen Bereich der Wachstumsfinanzierung. Lassen Sie mich dazu ein Wort sagen. Ich weiß, dass da in Deutschland und in Europa noch manches im Argen liegt und wie hier tatsächlich auch der Schuh drückt. Liebe Verena, wir haben uns ja über dieses Thema schon in der Vergangenheit ausgetauscht, nicht zuletzt übrigens an diesem denkwürdigen 6. November 2024, als ich das letzte Mal bei Ihnen gewesen bin, an dem Tag, an dem morgens Trump kam und abends die Ampel ging. Ja, meine Damen und Herren, dieses Event von damals habe ich in mehrfach guter Erinnerung, jedenfalls mit den Gesprächen bei Ihnen. Wir haben damals über die Frühfinanzierung gesprochen. Wir sind in Deutschland dabei weit vorangekommen. 2025 war ein Rekordjahr für Start-up-Gründungen; du hast es gerade gesagt. Wir müssen aber auch in der Wachstumsfinanzierung, in der zweiten und dritten Phase, besser werden. Wir müssen es so gut machen – ich will es auch wirklich klar sagen –, dass die Unternehmen, die Sie gründen, nicht in den entscheidenden Wachstumsphasen dann auf Kapitalmärkte angewiesen sind, die außerhalb der Europäischen Union und außerhalb der Bundesrepublik Deutschland liegen. Unser Ziel muss es sein, und es ist das Ziel, dass wir über Forschung, Innovation, Patente, Produkte aus Deutschland und aus Europa auch in Deutschland und in Europa dauerhaft Wohlstand für uns generieren.

Wir kennen den Königsweg dorthin. Er liegt in der Vollendung des europäischen Binnenmarktes und in der Schaffung einer wirklichen europäischen Kapitalmarktunion. Ich setze mich deshalb in Brüssel sehr dafür ein, dass wir in dieser Hinsicht vorankommen und dass wir auch mit dem konsequenten Rückbau der Bürokratie und bei der Umsetzung der europäischen Start-up- und Scale-up-Strategie vorankommen.

Auch in diesem Zusammenhang: Das 28. Regime, das die EU-Kommission vorgeschlagen hat, meine Damen und Herren, müssen wir in Deutschland ermöglichen. Danke für den Beifall und die Zustimmung, aber bitte helfen Sie mir gerade aus Ihrer Szene heraus auch dabei, mit guten Argumenten die Widerstände zu überwinden, die es auch in Deutschland gegen dieses Regime noch gibt. Dies ist nicht in erster Linie eine Frage von Mitbestimmung, sondern dies ist in erster Linie eine Frage der Ermutigung junger Unternehmen, Start-ups und Scale-ups in Deutschland zu gründen und sie in ganz Europa vom ersten Tag an auch für die Märkte zu öffnen. Das ist die entscheidende Frage, die wir gemeinsam beantworten müssen. Ich bitte dabei auch sehr um Ihre argumentative Unterstützung, damit wir dafür auch eine notwendige Mehrheit im Deutschen Bundestag bekommen.

Schließlich: Wir unterstützen als Bundesregierung  Start-ups in allen Finanzierungsphasen mit unseren branchenoffenen Start-up-Finanzierungsinstrumenten. Sie kennen das alles gut. Wir haben im letzten Jahr ja mit der Hightech-Gründerinitiative einen entsprechenden Fonds aufgelegt. Wir gehen auch mit dem Sonderpreis der German Start-up Awards und der Auszeichnung hier sorgfältig um. Wir haben im Dezember den Deutschlandfonds gestartet, über den wir mit öffentlichen Mitteln und privaten Möglichkeiten entsprechende Garantien stimulieren, um Zukunftsinvestitionen in Technologie und Infrastruktur voranzubringen. Wir stärken den Weg von Wagniskapital durch unser Standortfördergesetz, das insbesondere den Kapitalmarktzugang für junge und kleine Unternehmen erleichtern soll. Wir mobilisieren privates Kapital. Die WIN-Initiative soll mit 2.0 weiter gestärkt werden, und ich lade Sie an dieser Stelle ausdrücklich ein, meine Damen und Herren, mit Ihrem Know-how, mit Ihren Fähigkeiten, mit Ihren Erfahrungen daran teilzunehmen und sich an der Entwicklung dieser Initiative aktiv zu beteiligen.

Meine Damen und Herren, das sind einige der Weichenstellungen, die wir vorgenommen haben. Wir haben in den letzten zwölf Monaten einiges erreicht. Wir müssen noch eine ganze Menge tun. Wir stehen vor vielen Entscheidungen, die wir noch durchsetzen müssen. Aber lassen Sie mich abschließend dies sagen: Wir haben in Deutschland alle Chancen. Die Probleme, die wir haben, sind zum ganz großen Teil selbstverschuldet, nicht alle, aber die meisten. Deswegen können wir die meisten Probleme, die wir in Deutschland haben, auch selbst lösen. Das geht aber nicht, indem wir mit schmerzverzerrtem Gesicht jeden Morgen aufstehen und an die Schreibtische gehen, ins Büro gehen, in den Bundestag oder in die Regierung gehen, sondern das geht nur, wenn wir mit dieser Zuversicht, die aus diesem Saal heraus zu spüren ist, die Themen anpacken, wenn wir auch den jüngeren Menschen in Deutschland sagen, dass dieses Land alle Chancen hat, die Herausforderungen zu meistern, und dass dieses Land alle Chancen hat, ein Land in Freiheit, im Frieden, im Wohlstand und in sozialer Gerechtigkeit zu bleiben. Das setzt aber voraus, dass wir jetzt gemeinsam die Ärmel aufkrempeln, hart arbeiten an dem, was wir erreichen wollen, und das Ganze mit Zuversicht verbinden und, wenn es denn mit Zuversicht gelingt, auch mit einem festlichen Abend, so wie bei Ihnen heute Abend. Ich gratuliere Ihnen dazu. Ich gratuliere allen Preisträgern. Ich freue mich, dass Sie heute Abend ausgezeichnet werden.

Denken Sie bitte immer daran: Ja, Demokratie ist manchmal lästig, und Demokratie ist manchmal schwierig, aber sie ist von allen Alternativen immer noch die beste Staatsform, die wir haben. Nur sie ermöglicht Freiheit, nur sie ermöglicht Offenheit, nur sie ermöglicht Toleranz und gegenseitiges Verständnis. Dafür werbe ich heute Abend auch bei Ihnen, und wenn wir es gemeinsam richtig machen, dann überträgt sich diese Stimmung, die Sie heute Abend haben und die sich schon bei mir bemerkbar macht in dem, was ich Ihnen sagen möchte, meine Damen und Herren, auf unser ganzes Land. Wir haben es verdient. Unser Land hat es verdient. Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten. Herzlichen Dank!