Stärke und Souveränität für Europa 

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Pressekonferenz des Bundeskanzlers nach dem Europäischen Rat  Stärke und Souveränität für Europa 

Bundeskanzler Merz hat nach dem Europäischen Rat die gemeinsamen Entscheidungen zur Wettbewerbsfähigkeit und zum Bürokratieabbau gelobt. Weitere Themen in Brüssel waren: Energiepreise, die Lage in Nahost und die weitere Unterstützung der Ukraine. 

  • Mitschrift Pressekonferenz
  • Donnerstag, 19. März 2026
Bundeskanzler Friedrich Merz während der Pressekonferenz nach dem Europäischen Rat

Auf der Pressekonferenz nach dem Europäischen Rat sprach Bundeskanzler Merz über die Themen und Ergebnisse der Gespräche. 

Foto: Bundesregierung/Tobias Koch

„Europa wird sich in dieser Welt nur behaupten können, wenn es selbst wirtschaftlich stark und verteidigungsfähig wird.“ Das betonte Bundeskanzler Friedrich Merz auf der Pressekonferenz nach dem Europäischen Rat in Brüssel. 

Er lobte hierbei die getroffenen Beschlüsse zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit, Stärkung des Binnenmarktes und zum Rückbau von Bürokratie. Zeitgleich kritisierte er die fortdauernde Blockade des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán für die weitere Unterstützung der Ukraine durch die Europäische Union. 

Das Wichtigste in Kürze: 

Wettbewerbsfähigkeit: Bundeskanzler Merz machte deutlich, dass die Wettbewerbsfähigkeit Europas angesichts globaler Herausforderungen wie dem Handelskonflikt mit den USA, dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und den hohen Energiekosten von zentraler Bedeutung sei. Europa könne sich „nur behaupten, wenn es selbst wirtschaftlich stark und auch verteidigungsfähig wird“. 

Energiepreise: Ein weiterer Schwerpunkt der Debatten war die Entwicklung der Brennstoffpreise. In diesem Zusammenhang warnte Kanzler Merz vor Eingriffen in das Emissionshandelssystem ETS, das seit 20 Jahren bestehe und ein „markt­basiertes und technologieoffenes System“ sei. Maßnahmen für besonders betroffene Mitgliedstaaten müssten maßgeschneidert, zielgerichtet und zeitlich begrenzt bleiben. Die geplanten Anpassungen bis 2026 seien lediglich Nachjustierungen, so der Bundeskanzler. 

Naher Osten: Der Europäische Rat hat sich auch mit der Lage im Nahen und Mittleren Osten befasst. Bundeskanzler Merz verwies auf die gemeinsame Erklärung mit mehreren Partnerstaaten, die die „durch nichts zu rechtfertigenden iranischen Angriffe auf zivile Ziele“ in der Golfregion verurteilt. Das Ziel müsse nun ein schneller Waffenstillstand und der Einstieg in eine neue Friedensordnung sein, deren zentrales Element die Sicherheit Israels und der Golfstaaten sei. 

Unterstützung für die Ukraine: Schließlich ging es im Europäischen Rat auch um den 90‑Milliarden‑Euro‑Kredit für die Ukraine. Dieser war bereits im Dezember des vergangenen Jahres einstimmig beschlossen worden – auch von Ungarn. „Diesen Konsens hat Orbán aufgekündigt. Er verstößt damit gegen eines der Grundprinzipien unserer europäischen Zusammenarbeit“. Er beschädige die Handlungsfähigkeit der EU, so Kanzler Merz. 

Sehen Sie hier das Video des Pressestatements: 

07:26

Video Pressekonferenz des Bundeskanzlers nach dem Europäischen Rat

Lesen Sie hier die Mitschrift der Pressekonferenz: 

Ja, meine Damen und Herren, schönen guten Abend oder guten Morgen, wie Sie es gerne hätten. Ich freue mich, dass Sie ausgehalten haben. Das mussten wir auch. Es war aber von vornherein auch so vorgesehen, dass wir nur einen eintägigen Gipfel abhalten. Aber er fühlt sich an wie zwei Tage. Wir haben viele Themen besprochen heute: Die Lage in der Ukraine, den 90-Milliarden-Kredit, den Krieg am Golf, die hohen Energiepreise, die Wettbewerbsfähigkeit der Europäischen Union und schließlich das Thema Migration. 

Lassen Sie mich mit der Wettbewerbsfähigkeit beginnen. Dieses Thema ist heute wichtiger denn je. Das zeigen uns auch der Handelskonflikt mit den USA, der russische Angriffskrieg und jetzt die hohen Energiekosten. Das alles führt uns klar vor Augen – und ich habe das gestern auch in meiner Regierungserklärung in Berlin so gesagt: Europa wird sich in dieser Welt nur behaupten können, wenn es selbst wirtschaftlich stark und auch verteidigungsfähig wird. Deswegen ist es sehr gut, dass wir heute genau das beschlossen haben, was wir vor sechs Wochen, Sie erinnern sich, am 12. Februar in Alden Biesen miteinander besprochen haben. Wir haben eine ambitionierte Agenda zur Stärkung unserer Wettbewerbsfähigkeit beschlossen, mit ganz konkreten Reformen und Zeitzielen. Es geht jetzt um den konsequenten Abbau von Barrieren und Bürokratien im Binnenmarkt. Weite Teile dieser Agenda sollen noch in diesem Jahr umgesetzt werden. Auch das war uns wichtig, dass wir es jetzt nicht für zwei oder drei Jahre in die Zukunft schreiben, sondern konkret alles, was möglich ist, jetzt noch in diesem Jahr auch machen. Ich habe mich sehr dafür eingesetzt, dass wir das Thema digitale Innovation und künstliche Intelligenz 'Made in Europe' auch aufnehmen in die Schlussfolgerungen. Dafür muss das Regelwerk der Europäischen Union jetzt noch einmal geändert werden. Die AI-Verordnung muss schlanker werden. Ich habe dafür auch sehr viel Unterstützung bekommen und wir haben das entsprechend in den Schlussfolgerungen ergänzt. 

Sehr viel kontroverser war die Diskussion um die Energiepreise. Die Kommissionspräsidentin hat aus meiner Sicht dazu sehr vernünftige Optionen vorgelegt, wie man kurzfristig die Preise dämpfen kann. Ich habe aber meinerseits zusammen auch mit anderen vor grundsätzlichen Eingriffen in das Emissionshandelssystem gewarnt. Dieses ETS ist ein großer Erfolg. Das gibt es seit 20 Jahren und es ist ein marktbasiertes und technologieoffenes System. Wir stellen das ETS also nicht in Frage. Die Maßnahmen, die es jetzt für einzelne Mitgliedstaaten geben soll, die besonders von hohen Energiepreisen betroffen sind, benenne ich jetzt mal im Sprachgebrauch, mit: tailored, targeted und temporary, also maßgeschneidert, zielgerichtet und auf Zeit sollen sie sein. Das halten wir für richtig. Die Kommission wird auch noch bis Juli 2026 einige Nachjustierungen des ETS vorschlagen, aber das sind eben Nachjustierungen, nicht im Kern Veränderungen. Es geht dann vor allen Dingen darum, dass die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie bewahrt und dass sie gestärkt wird. Dazu ist die Kommission richtigerweise bereit und wir haben sie gebeten, dazu ebenfalls noch vor der Sommerpause Vorschläge zu unterbreiten. 

Wir haben schließlich ausführlich die Lage im Nahen und Mittleren Osten besprochen. Diese Lage besorgt uns sehr. Sie haben gesehen, dass wir heute Vormittag eine gemeinsame Erklärung mit dem französischen Präsidenten, den Premierministern von Italien, den Niederlanden, Japan, Großbritannien und eben der Bundesrepublik Deutschland zur Lage an der Straße von Hormus veröffentlicht haben. Wir verurteilen darin in aller Schärfe die durch nichts zu rechtfertigenden iranischen Angriffe auf zivile Ziele in der Golfregion. Wir fordern den Iran auf, alles zu unterlassen, was die zivile Schifffahrt in der Straße von Hormus weiter bedroht und blockiert. Wir fordern Iran dazu auf, seine wahllosen Angriffe gegen zivile Ziele sofort einzustellen. Wir waren uns im Europäischen Rat darüber einig: Die Risiken einer weiteren Eskalation in der Region sind erheblich. Die globalen Auswirkungen, auch bis in die Vereinigten Staaten von Amerika, sind gravierend. Deswegen wollen wir alle ein möglichst schnelles Ende der Kampfhandlungen. Was wir jetzt brauchen, ist der Einstieg in eine neue Friedensordnung für den Mittleren Osten. Zentrales Element muss dabei die Sicherheit des Staates Israel sein, aber ebenso die Sicherheit der Golfstaaten. Wir haben ausdrücklich begrüßt, dass die Ukraine bereit ist, die Golfstaaten mit ihrer Expertise in der Luftverteidigung zu unterstützen. Dies unterstreicht, dass wir diese beiden Konflikte auch nicht getrennt voneinander betrachten können. 

Wir haben uns schließlich in der Aussprache über die Ukraine ausführlich über den 90-Milliarden-Euro-Kredit unterhalten. Zur Erinnerung: Beim Europäischen Rat am 19. Dezember, wenige Tage vor Weihnachten, haben wir uns auf diesen Kredit im Konsens geeinigt. Es haben alle 27 Staats- und Regierungschefs zugestimmt, dass wir im Sinne der verstärkten Zusammenarbeit zwischen 24 von 27 Mitgliedstaaten diese Vereinbarung treffen. Aber alle 27 haben zugestimmt, auch der ungarische Premierminister. Er hat auch zugestimmt, dass wir dann die MFF-Verordnung noch einmal ändern müssen, um diesen Kredit zur Auszahlung zu bringen. 

Diesen Konsens hat Orban aufgekündigt. Er verstößt damit gegen eines der Grundprinzipien unserer europäischen Zusammenarbeit. Diese Zusammenarbeit ist auch im Vertrag geregelt. Wir haben uns im Vertrag zur gegenseitigen loyalen Unterstützung verpflichtet und wir haben uns darauf verständigt, dass wir uns gegenseitig auch auf ein einmal gegebenes Wort verlassen können. Ich möchte gern, dass wir irgendwann dahin zurückkehren, dass wir uns darauf verlassen können, dass einmal einstimmig getroffene Beschlüsse auch eingehalten werden. Dies ist ein grober Verstoß gegen die Loyalität der Mitgliedstaaten untereinander und beschädigt die Handlungsfähigkeit und das Ansehen der Europäischen Union als Ganzes. Damit gehen wir heute auseinander, mit vielen richtigen und zutreffenden Entscheidungen, so wie wir das in Alden Biesen vorbereitet haben, aber auch mit der schweren Hypothek, dass wir jetzt warten müssen, bis Ungarn diesem Vorschlag, die MFF--Mittelfristiger Finanzrahmen-Verordnung zu ändern, zustimmt. Und wir werden in der Zwischenzeit versuchen, die Ukraine noch mit den Mitteln, die wir haben, zu unterstützen. Das wird zeitlich sehr eng, aber wir hoffen darauf, dass es ein Einsehen gibt und dass wir eines Tages dann eben doch diesen Kredit zur Auszahlung bringen können. 

Soweit von meiner Seite.