Deutschland und Armenien vertiefen Partnerschaft mit gemeinsamer Erklärung

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Pressekonferenz von Bundeskanzler Merz und Armeniens Ministerpräsident Paschinjan  Deutschland und Armenien vertiefen Partnerschaft mit gemeinsamer Erklärung

Bundeskanzler Merz hat Armeniens Ministerpräsidenten Nikol Paschinjan in Berlin empfangen. Beide Regierungen wollen die gemeinsamen Beziehungen ausbauen. Merz würdigte den Friedensvertrag zwischen Armenien und Aserbaidschan als „Zeichen der Hoffnung”. 

  • Mitschrift Pressekonferenz
  • Dienstag, 9. Dezember 2025
Bundekanzler Merz und Armeniens Präsident Paschinjan am Rande einer Unterzeichnung.

Deutschland und Armenien wollen auf vielen Ebenen stärker zusammenarbeiten.

Foto: Bundesregierung / Henning Schacht

Beim Besuch des armenischen Ministerpräsidenten Nikol Paschinjan gratulierte Bundeskanzler Merz zu den Friedensentwicklung im südlichen Kaukasus. Bundeskanzler Merz sagte, die erreichte Verständigung zwischen Armenien und Aserbaidschan sende „in unruhigen Zeiten ein positives Signal weit über die Region hinaus“. Deutschland werde beide Seiten weiter auf dem eingeschlagenen Weg unterstützen. 

Um die deutsch-armenischen Beziehungen weiter auszubauen, haben die beiden Regierungschefs Paschinjan und Merz eine gemeinsame Erklärung unterzeichnet. Armenien habe eine Schlüsselrolle auf den Handelswegen zwischen Asien und Europa. „Die Potenziale, die hier liegen, möchten wir gemeinsam nutzen”, so Merz. 

Armeniens Ministerpräsident Nikol Paschinjan und Aserbaidschans Präsident Ilham Alijew war es nach den militärischen Auseinandersetzungen in der Region Bergkarabach von 2023 gelungen, einen Friedensvertrag auszuhandeln. Dieser wurde im August 2025 in den USA unterzeichnet.

Das Wichtigste aus der Pressekonferenz in Kürze: 

  • Gemeinsame Erklärung für intensivere Zusammenarbeit: Mit der Unterzeichnung einer Gemeinsamen Erklärung legten Merz und Paschinjan den Grundstein für eine weitere Intensivierung der Beziehungen zwischen Deutschland und Armenien. So sei Deutschland gerade dabei, in Eriwan ein Goethe-Institut zu eröffnen, erläuterte der Kanzler. Zudem gebe es Kooperationen mit Hochschulen und Städtepartnerschaften. Auch beim Erlernen digitaler Technologie und im Bereich nachhaltiger Wirtschaftsentwicklung gebe es viel Potenzial – das gelte auch für das stärker werdende Interesse deutscher Unternehmen an Armenien.
  • Resilienz Armeniens stärken: Russland versuche nicht nur Europa, sondern auch Armenien mit hybriden Maßnahmen wie Desinformation, Sabotage und Drohnen zu destabilisieren. Mit Paschinjan hat der Bundeskanzler deshalb auch über Projekte gesprochen, bei denen Deutschland Beiträge zur Resilienz Armeniens leistet.  Es sei eine Selbstverständlichkeit, Armenien dabei zu unterstützen, sich „bei zentralen Fragen seiner Souveränität, seines Wohlstands und seiner Sicherheit unabhängiger und breiter aufzustellen”, so der Kanzler.
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Video Pressekonferenz von Bundeskanzler Merz und dem armenischen Ministerpräsidenten Nikol Paschinjan

Lesen Sie hier die gesamte Pressekonferenz

(Die Protokollierung des fremdsprachlichen Teils erfolgte anhand der Simultandolmetschung.)

Bundeskanzler Friedrich Merz:

Meine Damen und Herren, ich freue mich sehr, dass ich heute den Ministerpräsidenten aus Armenien in Berlin herzlich willkommen heißen darf. Lieber Nikol Paschinjan, willkommen in Berlin! Ich freue mich sehr, dass wir uns heute sehen.

Der Besuch unterstreicht die positive Entwicklung zwischen unseren beiden Ländern in den letzten Jahren. Das zeigt auch, dass der Herr Bundespräsident erst im Mai dieses Jahres in Armenien zu Gast war. Das war überhaupt erstmalig der Besuch eines deutschen Staatsoberhauptes in Armenien. Auch ich werde wahrscheinlich bald nach Armenien reisen. Denn wir treffen uns am 4. Mai 2026 zur Europäischen Politischen Gemeinschaft in Eriwan, der Hauptstadt von Armenien, und Herr Ministerpräsident Nikol Paschinjan wird der Gastgeber sein. Ich habe diesen Termin in meinem Kalender stehen. Die Abstimmung zwischen unseren beiden Ländern ist notwendig – denn wir leben in bewegten Zeiten –, und das gilt auch für diese Region.

Ich möchte Sie noch einmal sehr herzlich dazu beglückwünschen, Herr Ministerpräsident, dass es Ihnen und dem aserbaidschanischen Präsidenten gelungen ist, gemeinsam einen Friedensvertrag auszuhandeln. Das ist eine großartige Sache. Auch die Bundesregierung hat Armenien und Aserbaidschan stets eng auf diesem Weg begleitet und unterstützt. Ich begrüße daher sehr die im März erzielte Übereinkunft und die im August in Washington erzielte Einigung zu Transit- und Verkehrswegen. Das ist ein Zeichen der Hoffnung, für Frieden und Wohlstand in dieser Welt der Region im südlichen Kaukasus. Ihre Verständigung sendet gerade in diesen unruhigen Zeiten ein wichtiges, positives Signal weit über die eigentliche Region hinaus.

Aus unserer Sicht ist nun entscheidend, dass Armenien und Aserbaidschan die verbleibenden Schritte weiter gemeinsam und friedlich gehen und die noch ausstehenden Fragen einvernehmlich gelöst werden können. Wir haben gerade eben in unserem Vier-Augen-Gespräch ausführlich darüber gesprochen. Deutschland wird beide Seiten auf diesem Weg weiter unterstützen.

Meine Damen und Herren, ganz in diesem Sinne haben wir heute durch die Zeichnung einer gemeinsamen Erklärung auch den Grundstein für eine weitere Intensivierung unserer Beziehungen gelegt. Unsere beiden Länder arbeiten in allen Bereichen eng zusammen. Wir sind gerade dabei, in Eriwan ein Goethe-Institut zu eröffnen, es gibt Hochschulkooperationen, und es gibt Städtepartnerschaften. Wir freuen uns sehr, dass es in Deutschland gleich mehrere der sogenannten TUMO-Zentren gibt, ein armenisches Erfolgsmodell, wo junge Menschen kostenlos und kreativ neueste Methoden der digitalen Technologie erlernen können.

Wir haben zuletzt auch unsere Entwicklungszusammenarbeit intensiviert. Einer der Schwerpunkte ist hierbei die nachhaltige Wirtschaftsentwicklung. Deutsche Unternehmen haben zudem ein stärker werdendes Interesse an Armenien, nicht zuletzt wegen der Schlüsselrolle des Landes im südlichen Kaukasus auf den Handelswegen zwischen Asien und Europa.

Die Potenziale, die hier liegen, möchten wir gemeinsam nutzen. Dafür braucht es neben einem nachhaltigen Frieden auch die richtigen Rahmenbedingungen – wirtschaftlich, rechtsstaatlich und für den fairen und freien Wettbewerb.

Die deutschen Unternehmen – Herr Ministerpräsident, das habe ich Ihnen gesagt – sind dafür bekannt, dass sie vor einer Investition sehr gründlich die Bedingungen vor Ort prüfen. Es fällt gerade den kleineren und mittelständischen Unternehmen in Deutschland nicht immer leicht, große Investitionen über weite Distanzen zu tätigen. Sie sind dann aber verlässliche Partner, wenn sie einmal an Ort und Stelle die richtigen Rahmenbedingungen vorfinden und sich zu Investitionen entschlossen haben.

Deshalb sind die Reformen so wichtig, die in Armenien aktuell vollzogen werden. Solche Reformen sind manchmal mühsam. Das wissen wir auch aus unseren Erfahrungen in Deutschland. Aber ich bin zuversichtlich, dass sich die weiteren Anstrengungen auszahlen werden.

Meine Damen und Herren, Ministerpräsident Paschinjan hat mir geschildert, welche Vorstellungen seine Regierung von der weiteren Entwicklung seines Landes hat – von fortgesetzten demokratischen Reformen, von der Idee eines Landes und einer Gesellschaft, die im Frieden mit seinen Nachbarn lebt und seine wirtschaftliche Entwicklung zum Wohl der Bevölkerung vorantreibt.

Zum Wesen einer solchen demokratischen Entwicklung gehören Parlamentswahlen, die im Juni in Armenien anstehen. Es ist dabei allerdings auch eine geradezu verstörende Normalität geworden, dass Wahlen von den Feinden der Demokratie angegriffen werden. Insbesondere Russland versucht, den Wählerinnen und Wählern in Armenien Angst vor einer zu großen Annäherung an westliche Partner zu machen. Es verbreitet Unwahrheiten über die Ziele und Werte der Europäischen Union.

Das kennen wir. Desinformation, Sabotage, Drohnen – Russland versucht nicht nur Europa, sondern auch Armenien durch hybride Maßnahmen zu destabilisieren. Natürlich zeigt sich die russische Aggression täglich in schlimmster Weise durch die Angriffe mit Drohnen, Raketen und Marschflugkörpern auf ukrainische Städte.

Auch dazu möchte ich ein Wort sagen: Dieser russische Angriffskrieg, das Leid und die Zerstörung, sie müssen enden. Gerade deshalb bemühen wir uns, bemühe ich mich in diesen Tagen so intensiv um Wege zu einem gerechten und dauerhaften Frieden. Deutschland hat dabei einen sehr klaren Kurs: Eine Entscheidung über die Ukraine ohne die Ukrainer ist ebenso undenkbar wie eine Entscheidung über Europa ohne die Europäer. Ein Diktatfrieden für die Ukraine, für Kyjiw, bleibt nicht vorstellbar.

Meine Damen und Herren, auch vor diesem Hintergrund haben wir heute über Projekte gesprochen, bei denen Deutschland Beiträge zur Resilienz Armeniens leisten kann. Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir Armenien dabei unterstützen wollen, sich bei zentralen Fragen seiner Souveränität, seines Wohlstandes und seiner Sicherheit unabhängiger und breiter aufzustellen.

Deswegen noch einmal, sehr geehrter Herr Ministerpräsident, herzlichen Dank für Ihren Besuch in Berlin. Ich freue mich auf die gute Zusammenarbeit auch in Zukunft. Ich freue mich darauf, sie noch besser fortzusetzen als sie ohnehin schon in der Vergangenheit war.

Ministerpräsident Nikol Paschinjan:

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, sehr geehrte Damen und Herren, ich freue mich, heute im Rahmen meines offiziellen Besuchs in der Bundesrepublik Deutschland zu Gast zu sein.

Ich möchte mich zunächst für den ausgesprochen herzlichen Empfang bedanken. Dieser Besuch ist wahrhaft historisch, denn heute treten die Beziehungen zwischen Armenien und Deutschland in eine Phase der strategischen Partnerschaft ein, was soeben durch die Unterzeichnung der Erklärung über die strategische Agenda der bilateralen Partnerschaft zwischen Armenien und Deutschland bekräftigt wurde.

Die Beziehungen zwischen unseren Ländern basieren auf gegenseitigem Respekt, Vertrauen und den uns verbindenden Werten, dem gemeinsamen Bekenntnis zu Menschenrechten, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Mit Bundeskanzler Merz haben wir die konsequente Entwicklung und Vertiefung der armenisch-deutschen Zusammenarbeit der letzten Jahre in allen Bereichen von gemeinsamem Interesse festgestellt, darunter Wirtschaft und Handel, Bildung, Wissenschaft und Kultur. Armenien schätzt die kontinuierliche Unterstützung Deutschlands für die demokratischen Reformen und die nachhaltige Entwicklung unseres Landes sehr, was durch die Ergebnisse der im Oktober in Berlin durchgeführten armenisch-deutschen Regierungsverhandlungen erneut bekräftigt wurde.

Mit dem Bundeskanzler erörterten wir ausführlich die gemeinsamen Schritte zur Erweiterung unserer wirtschaftlichen und handelsbezogenen Beziehungen. Deutschland ist einer der wichtigsten Handelspartner Armeniens und steht unter den EU-Ländern an erster Stelle. Wir sind an einer weiteren Vertiefung der für beide Seiten vorteilhaften wirtschaftlichen Zusammenarbeit sehr interessiert.

Wir haben zudem die sich dynamisch entwickelnde Zusammenarbeit im Bereich Bildung und Wissenschaft hervorgehoben. In diesem Zusammenhang habe ich mit Freude festgestellt, dass armenische Bildungsinitiativen wie die TUMO-Zentren für kreative Technologien in zahlreichen Städten Deutschlands große Erfolge verzeichnen und sie jungen Menschen ermöglichen, in einer hervorragenden Lernumgebung technologische Bildung zu erhalten und innovative Ideen zu entwickeln.

Mit dem Bundeskanzler führten wir eine ausführliche Diskussion über die dringlichen Fragen der internationalen Agenda. Wir waren uns einig, dass wir in dieser Zeit beispielloser Herausforderungen zunehmend mit sich schnell verbreitenden und häufig hybriden Bedrohungen konfrontiert sind, die wir nur durch koordiniertes und wirksameres Handeln gleichgesinnter Staaten bewältigen können, um unsere gemeinsame demokratische Resilienz zu stärken.

Ein wichtiger Teil meines Besuchsprogramms ist der Aufbau und die Vertiefung wirtschaftlicher Beziehungen. In diesem Zusammenhang hoffe ich sehr, dass das in Armenien und in unserer Region entstandene günstige Umfeld neue Aufmerksamkeit bei deutschen Unternehmen wecken wird, um in unserem Land zu investieren und die Zusammenarbeit mit armenischen Unternehmen zu intensivieren.

Meinem Gesprächspartner habe ich die wegweisenden Entwicklungen im Südkaukasus nach dem Friedensgipfel von Washington am 8. August erläutert und meine Dankbarkeit für die Unterstützung Deutschlands bei den Bemühungen zur Institutionalisierung des Friedens zwischen Armenien und Aserbaidschan ausgedrückt.

Ich habe ebenso die weitreichenden Möglichkeiten vorgestellt, die sich im Zuge der Öffnung regionaler Verkehrs- und Kommunikationswege im Südkaukasus für die Entwicklung wirtschaftlicher und geschäftlicher Beziehungen sowie die Zusammenarbeit im Bereich der Infrastruktur ergeben, und in diesem Zusammenhang die Bedeutung des Projekts „Friedenskreuzung“ sowie des Kommunikationsprogramms TRIPP-Route genannt. Ich bin überzeugt, dass diese Projekte zu den wichtigsten Knotenpunkten des mittleren Korridors werden, der auch für Deutschland große Bedeutung hat.

Sehr geehrte Kollegen und sehr geehrte Damen und Herren, Deutschland ist für Armenien ein wichtiger Partner, sowohl auf bilateraler Ebene als auch im Rahmen der Partnerschaft Armeniens und der Europäischen Union. In diesem Zusammenhang haben wir beiderseits mit Zufriedenheit den erheblichen Fortschritt in den armenisch-europäischen Beziehungen in den letzten Jahren festgestellt, der das Bestreben der armenischen Regierung bekräftigt, unsere vielfältige Partnerschaft mit der EU weiter zu vertiefen. Die neuen Impulse des europäisierungsorientierten Prozesses in Armenien beruhen auf dem europäischen Bestreben unserer Bürgerinnen und Bürger und ihrer Verbundenheit mit demokratischen Werten. Dies fand in diesem Jahr im März auch Ausdruck in der Verabschiedung des Gesetzes über den Beginn des Beitrittsprozesses der Republik Armenien zur Europäischen Union durch die Nationalversammlung der Republik Armenien. In diesem Zusammenhang messe ich der Unterstützung Deutschlands für die Vertiefung der Partnerschaft zwischen Armenien und der EU große Bedeutung bei und hoffe auf fortlaufende politische Unterstützung auf dem schwierigen und langwierigen Weg in Richtung EU.

Ich habe meinen Gesprächspartner eingeladen, im kommenden Mai am Gipfeltreffen der Europäischen Politischen Gemeinschaft in Eriwan teilzunehmen, und freue mich, von Herrn Merz erfahren zu haben, dass er den Termin bei sich schon eingetragen hat.

Abschließend möchte ich bekräftigen, dass Armenien der kontinuierlichen Weiterentwicklung der vielfältigen Beziehungen mit Deutschland große Bedeutung beimisst. Ich bin auch zuversichtlich, dass wir durch gemeinsame Anstrengungen unserer Partnerschaft neue Dynamik und Qualität zum Wohle unserer befreundeten Völker und Staaten verleihen können.

Vielen Dank!