Transatlantische Partnerschaft ausbauen

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Pressekonferenz des Kanzlers mit dem kanadischen Premierminister Carney Transatlantische Partnerschaft ausbauen

Bundeskanzler Merz hat Kanadas Premierminister Carney in Berlin empfangen. Im Mittelpunkt der Gespräche standen die wirtschaftliche und außenpolitische Zusammenarbeit Deutschlands mit Kanada – und die Frage, wie ein Frieden in der Ukraine gestaltet werden kann.

  • Mitschrift Pressekonferenz
  • Dienstag, 26. August 2025
Bundeskanzler Friedrich Merz mit Kanadas Premierminister Mark Carney auf der Terrasse des Bundeskanzleramtes.

Als NATO-Verbündete wollen Deutschland und Kanada die Verteidigung über den Atlantik ausbauen. Das machte Kanzler Merz beim Besuch von Kanadas Premierminister Carney deutlich.

Foto: Bundesregierung/Sandra Steins

Nach dem Treffen beim G7-Gipfel im kanadischen Calgary hat Bundeskanzler Friedrich Merz Premierminister Mark Carney nach Berlin eingeladen. Deutschland teile mit Kanada eine große Schnittmenge an gemeinsamen Interessen und Werten, sagte Bundeskanzler Friedrich Merz bei der Pressebegegnung. 

Daher wolle man die wirtschaftliche und außenpolitische Zusammenarbeit weiter vertiefen. Die Regierungschefs betonten, dass beide Länder fest an der Seite der Ukraine stünden und sich gemeinsam um einen dauerhaften und gerechten Frieden bemühten, der ukrainische und euroatlantische Sicherheitsinteressen schützt.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Ausbau der Zusammenarbeit: Deutschland und Kanada wollen ihre Zusammenarbeit im Bereich der Verteidigungsindustrie und der Wirtschaft ausweiten. Dazu unterzeichnen etwa die Wirtschaftsminister eine Absichtserklärung zur Zusammenarbeit im Rohstoffbereich.
  • Frieden in der Ukraine: Beide Länder unterstützen die Friedensbemühungen des US-Präsidenten und beraten intensiv über die konkrete Gestaltung eines Friedensprozesses. „Das Ergebnis muss ein gerechter und dauerhafter Frieden sein, der ukrainische und euroatlantische Sicherheitsinteressen schützt”, betonte der Kanzler. Dafür brauche es starke und zuverlässige Sicherheitsgarantien, an denen sich auch Deutschland und Europa beteiligen würden.
  • Gemeinsam an der NATO-Ostflanke: Kanada und Deutschland sichern gemeinsam die NATO-Ostflanke ab. Kanada ist in Lettland Führungsnation, Deutschland hat begonnen, in Litauen eine Brigade aufzubauen. „Das zeigt: Unsere Allianz ist und bleibt transatlantisch”, so Kanzler Merz.

Sehen Sie hier das Video der Pressekonferenz:

34:33

Video Pressekonferenz von Kanzler Merz und Kanadas Premierminister Carney

Lesen Sie hier die Mitschrift der Pressekonferenz:

Bundeskanzler Friedrich Merz:

Meine Damen und Herren, ich freue mich sehr, dass ich Premierminister Mark Carney aus Kanada heute im Kanzleramt willkommen heißen darf. Lieber Mark, ein herzliches Willkommen! (auf Englisch) Herzlich willkommen! (auf Deutsch) Ich freue mich sehr, dass wir heute zusammenkommen. Wir haben uns das letzte Mal auf dem G7-Treffen in Kananaskis in Kanada in der Nähe von Calgary, deiner Heimat, gesehen. Das war ein sehr erfolgreicher G7-Gipfel. Danke noch einmal auch für die sehr erfolgreiche Präsidentschaft in der G7! Kanada hat es geschafft, die sieben großen Industrienationen in einer ganzen Reihe von Themen auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Sie erinnern sich möglicherweise an die gemeinsamen Erklärungen, die wir zum Abschluss dieses Treffens in Kanada vor einigen Wochen abgegeben haben.

Wir haben die Gelegenheit heute genutzt, um über den Ausbau unserer bilateralen Beziehungen zu sprechen. Deutschland und Kanada teilen eine große Schnittmenge an gemeinsamen Interessen und gemeinsamen Werten. Wir sind uns deshalb darüber einig, dass wir unsere Zusammenarbeit weiter intensivieren wollen.

Ich will drei Bereiche besonders hervorheben, und zwar erstens den Bereich der Verteidigungsindustrie. Wir sind Verbündete in der nordatlantischen Allianz und wollen unsere Zusammenarbeit bewusst über den Atlantik hinaus ausbauen.

Zweitens: Wir werden auch den bilateralen Handel stärken. Kanada war Partnerland der diesjährigen Hannover Messe, der Hannover Messe Industrie. Dabei geht es um Zukunftstechnologien wie KI, Digitalisierung und Robotik. Wir wollen neue Partnerschaften schmieden.

Drittens begrüße ich den kanadischen Wunsch, noch enger mit Europa zusammenzuarbeiten. Auf dem EU-Kanada-Gipfel im Juni haben wir bereits die Weichen dafür gestellt, auch mit der Unterzeichnung einer Sicherheits- und Verteidigungspartnerschaft.

In diesem Zusammenhang ist es gut, dass das CETA-Freihandelsabkommen nun einen Rahmen für unseren Handel bietet. Dieses Abkommen ist nun endlich in Kraft und hat bereits die ersten Wirkungen erzielt. Seitdem es in Kraft getreten ist, hat das Handelsvolumen zwischen Europa und Kanada um rund ein Drittel zugenommen. Das zeigt, wie Freihandelsabkommen auch Wirkungen im gegenseitigen Interesse erzielen können. Dieses Abkommen ist ein echter Wachstumsmotor. Wir wollen dieses Instrument weiter nutzen.

Unsere Wirtschaftsminister unterzeichnen heute eine deutsch-kanadische Absichtserklärung zur Zusammenarbeit im Rohstoffbereich. Auch diese Zusammenarbeit begrüße ich sehr. Wir unterstützen sie. Das ist ein guter Schritt, um unsere Volkswirtschaften zu stärken und auch sicherer zu machen.

Es ist unvermeidlich; das Thema der Ukraine beschäftigt auch uns. Lieber Mark, du hast vor deiner Reise nach Berlin die Ukraine besucht. Du schlägst damit in einem sehr wichtigen, historischen Augenblick eine Brücke. Wir stehen seit dem ersten Tag des russischen Überfalls auf die Ukraine zusammen. Uns ist wichtig, dass wir angesichts dieses Angriffs auch die euroatlantische Sicherheitsordnung stärken. Wir haben uns heute über die diplomatischen Bemühungen abgestimmt, die Waffen in der Ukraine nun endlich zum Schweigen zu bringen. Wir unterstützen die diplomatischen Anstrengungen von Präsident Trump, Russlands Angriffskrieg zu beenden. Das Ergebnis muss ein gerechter und dauerhafter Friede sein, der ukrainische und auch euroatlantische Sicherheitsinteressen schützt.

Wir haben schließlich zwei Fragen intensiv beraten. Erstens: Wie kann der Weg zu einem Gipfel unter Beteiligung von Präsident Selenskyj aussehen? Wir wissen, dass das ein schwieriger Weg ist. Zweitens: Welcher Sicherheitsgarantien bedarf es, damit ein Gipfel einen Durchbruch wenigstens zu einem Waffenstillstand, der andauert, bringen kann?

Präsident Selenskyj hat in Washington in der vergangenen Woche deutlich gemacht, dass er bereit ist, sich mit Putin schon in den nächsten Tagen an einen Tisch zu setzen. Jetzt ist Moskau am Zug. Wenn es dem russischen Präsidenten ernst damit ist, dem Töten ein Ende zu bereiten, dann nimmt er das Angebot an. Bleibt dieser Schritt der russischen Seite aus, dann braucht es noch mehr Druck. Für diesen Fall arbeiten wir in der Europäischen Union an weiteren Sanktionen. Der amerikanische Präsident hat seinerseits weitere Strafzölle nicht ausgeschlossen.

Meine Damen und Herren, um die Chancen auf einen erfolgreichen Gipfel zu erhöhen, entwickeln die Europäer und die Vereinigten Staaten von Amerika mit den ukrainischen Partnern mögliche Sicherheitsgarantien. Auch darüber haben Mark Carney und ich soeben gesprochen. Solche Sicherheitsgarantien für die Ukraine müssen stark und zuverlässig sein. Diese Sicherheitsgarantien müssen zuallererst das Ziel haben, die ukrainische Armee auf Dauer in die Lage zu versetzen, das Land zu verteidigen. Alle weiteren Fragen können erst dann gestellt und beantwortet werden.

Lieber Mark, dein nächster Halt ist Lettland. Dort übernimmt Kanada als Führungsnation Verantwortung für die Verteidigung der NATO-Ostflanke. Wie Sie alle wissen, haben wir damit begonnen, eine Brigade in Litauen aufzustellen. Das zeigt, wie eng wir auch hierbei mit den baltischen Staaten kooperieren. Das zeigt: Unsere Allianz ist und bleibt transatlantisch. Kanada trägt dazu in besonderer Weise bei. Dafür möchte ich mich bedanken. Das ist eine wirklich sehr gute, partnerschaftliche und auch persönlich freundschaftliche Zusammenarbeit, die ich sehr schätze.

In diesem Geiste freue ich mich auf unsere weitere Zusammenarbeit. Noch einmal sehr herzlichen Dank für deinen Besuch, und herzlichen Dank dafür, dass auch Kabinettsmitglieder von dir und von uns heute zusammentreffen und die von mir bereits angeführte Absichtserklärung unterzeichnen. Wir vertiefen unsere bilaterale Zusammenarbeit und tun dies mit großer Dankbarkeit und aus tiefer Überzeugung. Kanada und Deutschland verbindet sehr viel miteinander. Wir wollen auf dieser Basis unsere Zusammenarbeit auch weiterhin ausbauen.

Premierminister Mark Carney:

Ganz herzlichen Dank, Bundeskanzler Merz, lieber Friedrich! Herzlichen Dank für die Gastfreundschaft! Hier war es genauso angenehm, wie es auch produktiv war. Ich denke noch daran, wie wir uns wiedergetroffen und unsere Bekanntschaft erneuert haben. Im April dieses Jahres, nachdem wir beide frisch gewählt waren, haben wir uns in Rom getroffen und darüber gesprochen, wie sich die globale Situation geändert hat und vor welchen Herausforderungen die kollektive Sicherheit ebenso wie die Lieferketten stehen. Bereits damals haben wir versucht, gemeinsame Lösungen zu erörtern.

Ich möchte auf das eingehen, was der Bundeskanzler gerade gesagt hat. Wir sehen, dass wir Fortschritte in genau diesen Bereichen machen. Was die kollektive Sicherheit angeht, können wir gar nicht oft genug sagen, wie wichtig das Engagement Deutschlands und Kanadas sowie der anderen NATO-Partnerländer ist, das Fünfprozentziel bei den Verteidigungsausgaben zu erreichen und es wirklich in die Tat umzusetzen. Um es im kanadischen Kontext darzustellen: Das wäre eine Vervierfachung unseres Verteidigungshaushaltes zwischen dem vorigen Haushalt 2025 und dem Ende dieses Jahrzehnts.

Es ist sehr wichtig, genau zu wissen, wo wir bezüglich der kollektiven Sicherheit stehen und wie wir zusammenarbeiten. Das Engagement Deutschlands im Baltikum, in Litauen, ist hierbei sehr wichtig. Ich werde nach Lettland weiterreisen. Dort haben wir über 2.500 Soldaten stationiert. Wir werden das weiterhin tun.

Es gibt natürlich auch noch die Koalition der Willigen. Darin möchte Kanada gleichermaßen dazu beitragen, Frieden und Sicherheit in der Ukraine herzustellen. Das geht nur über Stärke und Sanktionen gegenüber Russland, und das bedeutet natürlich auch, dass wir die ukrainischen Streitkräfte stärken müssen. Das tun wir sowohl im Bereich der Rüstungsgüter als auch anderweitig. Natürlich brauchen wir hierfür auch glaubwürdige Sicherheitsgarantien. Hier haben wir detailliert darüber gesprochen, verschiedene Modalitäten wurden angesprochen. Hier möchte ich noch einmal betonen, dass wir die Offenheit von Präsident Trump und die Teilnahme an der Koalition der Willigen sehr stark begrüßen.

Ich möchte noch einiges zum Thema der Ausgabenerhöhungen sagen. Wir sind uns dessen bewusst, individuell und kollektiv, dass wir gewährleisten und so effektiv wie möglich umsetzen müssen, dass auch diese Mittel so effektiv wie möglich ausgegeben werden, und das beginnt mit wahren Partnerschaften. Für Kanada ist es sehr wichtig, dass wir eine Sicherheits- und Verteidigungspartnerschaft mit der Europäischen Union entwickelt haben. Hier können wir auch unsere Fähigkeitsziele im Rahmen der NATO weiterverfolgen und erreichen, insbesondere beim SAFE-Programm der Europäischen Union. Hier möchte ich dem Bundeskanzler für die persönliche Unterstützung danken, sodass auch Kanada an dem Aktionsplan im Rahmen von SAFEteilnehmen wird.

Es gibt sehr viele greifbare Chancen und Gelegenheiten. Eine möchte ich hervorheben. Heute Vormittag kündigen wir an, dass wir uns in Kanada im Prozess befinden – das haben wir bereits vorher angekündigt –, unsere U-Boot-Flotte zu erneuern. Das ist eine unserer wichtigsten Verteidigungsinitiativen. Dieses Verfahren läuft bereits seit einiger Zeit. Es gibt verschiedene Interessenten, die uns dabei helfen möchten, und es gibt nun zwei finale Unternehmen, die wir in die engere Auswahl genommen haben. Mélanie Joly, unsere Industrieministerin, und der Verteidigungsminister sind hier anwesend, und wir werden heute später thyssenkrupp in Kiel besuchen. Wir sehen, dass diese deutsch-norwegische Partnerschaft eines der zwei Unternehmen ist, das sich bei uns in der engeren Auswahl befindet; denn hier sehen wir ein großes Potenzial, sodass Kanada an allen drei Küsten auch voll alle Verantwortung übernehmen kann, das heißt also, im Atlantik, im Pazifik und in der Arktis.

Ich möchte auch die Resilienz der Lieferketten betonen. Diese muss verstärkt werden. Es gibt eine Vulnerabilität, die bereits durch den Krieg in der Ukraine, durch die Coronapandemie, aber auch durch die unterschiedlichen Handelsdynamiken offengelegt wurde. Die Lieferketten sind anfällig, insbesondere bei kritischen Metallen und Rohstoffen. Deutschland war führend darin, die Diversifizierung voranzutreiben, weg von China und insbesondere von Russland. Kanada kann diese Diversifizierung für Deutschland und für Europa vorantreiben, und diese Themen werden noch an Bedeutung gewinnen. Es wird im nächsten Jahrzehnt wahrscheinlich einen vierfachen Anstieg der Nachfrage nach diesen Rohstoffen geben.

Deutschland und andere Länder versuchen, ihre Lieferanten zu diversifizieren, was kritische Mineralien angeht. Kanada steht dafür bereit. Wir haben einen großen Reichtum an kritischen Mineralien, und gemeinsam können wir damit eine sichere Versorgung gewährleisten, damit sich die Länder besser positionieren können, um in diesem Kontext weltweit führend zu werden. Beim G7-Gipfel in Kananaskis haben wir, Bundeskanzler Merz und ich, uns ja auch getroffen, und dabei haben wir auch entsprechend einen Aktionsplan für kritische Rohstoffe entwickelt, den Critical Minerals Action Plan. Wir brauchen hierbei natürlich einerseits die Lieferanten und andererseits auch die Abnehmer, die zusammengebracht werden müssen. Hierbei kann Kanada sicherlich eine große Rolle spielen.

In diesem Kontext ist auch der Minister für Energie und natürliche Ressourcen hier, und er und sein Amtskollege werden eine Absichtserklärung unterzeichnen, um hier die Investitionen und ebenso die gegenseitige Zusammenarbeit weiter voranzutreiben. Hierbei gibt es bereits einige Fortschritte, die wir schon sehen. Im Juni konnten wir das bereits weiterentwickeln. Es gibt zum Beispiel Troilus, ein kanadisches Bergbauunternehmen. Es gibt eine Kupferliefervereinbarung mit Aurubis, die unterzeichnet wurde. Das ist ein Unternehmen, das in Hamburg ist und insbesondere auf Verhüttung und Recycling spezialisiert ist. In Québec gibt es Torngat Metals. Das ist wiederum ein Unternehmen, das auch eine Absichtserklärung mit der Vakuumschmelze, VAC, unterzeichnet hat. Dort ist man besonders im Bereich der Permanentmagneten und der seltenen Erden aktiv, die hier besonders wichtig sind. Hiermit schaffen wir eine Lieferkette zwischen Québec, also Kanada, und Deutschland. Dann gibt es noch Rock Tech Lithium. Das ist ein kanadisch-deutsches Cleantech-Unternehmen. Das beschleunigt die Dekarbonisierung durch ein Lithiumabkommen. Es gibt also sehr viele hochrangige Absichtserklärungen und Aktionspläne, und nun muss das Ganze natürlich auch vor Ort umgesetzt werden. Das ist besonders wichtig.

Zusammenfassend möchte ich sagen, dass wir eine Welt erleben, in der wir verstärkte Vulnerabilitäten sehen, und Instabilität wird zur globalen Norm in der globalen Geopolitik und der Wirtschaft. Länder wie Deutschland und Kanada, ebenso wie die Partnerschaft mit der Europäischen Union, können zu Stabilität und Wohlstand für unsere Bürger beitragen. Daran haben wir heute gearbeitet, an Sicherheitsgarantien, auch an den Investitionen von Volkswagen in Ontario oder Bombardier, dem Flugzeughub in Frankfurt, und an den dortigen Investitionen. Das ist sozusagen die Basis für den gemeinsamen Wohlstand.

Ganz herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! Wir freuen uns auf Ihre Fragen.