„Energieversorgung sicherer, kostengünstiger und integrierter machen“

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Pressekonferenz von Bundeskanzler Merz beim Nordsee-Gipfel „Energieversorgung sicherer, kostengünstiger und integrierter machen“

Bundeskanzler Friedrich Merz hat in der Pressekonferenz nach dem Nordsee-Gipfel betont, dass ein starkes, unabhängiges und wettbewerbsfähiges Europa „ganz wesentlich“ für sichere und bezahlbare Energie sei. Dafür sind in Hamburg wichtige Beschlüsse gefasst worden.

  • Mitschrift Pressekonferenz
  • Montag, 26. Januar 2026
Auf dem Foto zu sehen sind Bundeskanzler Merz, Dänemarks Premierministerin Frederiksen und Belgiens Ministerpräsident De Wever bei der Pressekonferenz nach dem Nordsee-Gipfel.

Die Beschlüsse, die wir heute hier in Hamburg getroffen haben, werden unsere Energieversorgung sicherer, kostengünstiger und integrierter machen.“ Das betonte Kanzler Merz in der Pressekonferenz beim Nordsee-Gipfel. 

Foto: Bundesregierung/Guido Bergmann

Mehr Zusammenarbeit der Nordsee-Anrainerstaaten für eine sichere und bezahlbare Energieversorgung – das war eines der zentralen Ziele des dritten Nordsee-Gipfels, der am 26. Januar in Hamburg stattgefunden hat. Auch die Sicherheit in der Nordsee und im Hohen Norden wurden bei dem Gipfel thematisiert.

In der gemeinsamen Pressekonferenz mit der dänischen Ministerpräsidentin Mette Frederiksen und dem belgischen Premierminister Bart De Wever betonte Bundeskanzler Friedrich Merz: „Wir wollen sichere und bezahlbare Energie in Europa. Dafür ist ein starkes, ein unabhängiges und ein wettbewerbsfähiges Europa ganz wesentlich.“ Um das zu erreichen, brauche es mehr Zusammenarbeit und Synergien, eine bessere Abstimmung sowie ganz konkrete Entscheidungen zu ihrer Umsetzung. 

Das Wichtigste in Kürze:

  • Grenzüberschreitende Planung für mehr Effizienz: Die Staats- und Regierungschefinnen und -chefs haben sich in Hamburg auf eine umfassende gemeinsame Planung und Koordinierung von Energieprojekten in der Nordsee geeinigt. Vereinfacht werden solle beispielsweise die Finanzierung solcher gemeinsamen Projekte – auch für die Wirtschaft. „Ich sehe hier großes Potenzial für mehr Kosteneffizienz bei Offshore-Projekten“, betonte Kanzler Merz.
  • Bessere Sicherheit: Zusammen mit den Partnern in EU und NATO haben die Teilnehmenden der Nordsee-Konferenz beschlossen, die Offshore-Infrastruktur besser vor physischen und virtuellen Angriffen zu schützen. Zudem wolle Europa insgesamt mehr für die Sicherheit in der Arktis tun. Das sei auch im gemeinsamen transatlantischen Interesse, so Merz. „Vor allem Dänemark und die Bevölkerung Grönlands können sich auf unsere Solidarität verlassen.“
  • Konkreter Aktionsplan: Um die Beschlüsse von Hamburg zu verwirklichen, wurden die Energieministerinnen und Energieminister beauftragt, einen detaillierten Aktionsplan umzusetzen und zu überprüfen. „Dabei geht es um konkrete Zeitpläne und Zuständigkeiten“, so Kanzler Merz.

Deutschland hat in diesem Jahr erstmals den Nordsee-Gipfel nach Einladung durch Bundeskanzler Merz und Bundeswirtschafts- und Energieministerin Reiche in Hamburg ausgerichtet. Weitere Informationen finden Sie außerdem beim Bundeswirtschaftsministerium .

Sehen Sie hier die Pressekonferenz im Video:

25:02

Video Pressekonferenz des Bundeskanzlers nach dem Nordsee-Gipfel

Lesen Sie hier die Mitschrift der Pressekonferenz:

Bundeskanzler Friedrich Merz:

Liebe Mette Frederiksen, lieber Bart De Wever, liebe Kollegen, meine Damen und Herren, lassen Sie mich zunächst sagen: Ich freue mich sehr, dass Deutschland in diesem Jahr Gastgeber des dritten Nordsee-Gipfels zur Windenergie auf See sein darf!

Wir haben eine sehr interessante und intensive Diskussion im kleineren Kreis der Regierungschefs, aber auch im größeren Kreis der übrigens Stakeholder gehabt. Dieses Treffen ist die Abstimmung über die Energieversorgung in Europa. Das haben wir sehr lange vorbereitet. Ich möchte den Energieministerinnen und -ministern, aber auch den Vertretern der Wirtschaft, der Vertretung der EU-Kommission und der Vertretung der NATO sehr herzlich für die Arbeit danken, die sie im Vorfeld geleistet haben. Denn wir alle haben ein Ziel: Wir wollen sichere und bezahlbare Energie in Europa. Dafür ist ein starkes, ein unabhängiges und ein wettbewerbsfähiges Europa ganz wesentlich. Um das zu erreichen, brauchen wir mehr Zusammenarbeit. Wir brauchen mehr Synergien, wir brauchen eine bessere Planung und Abstimmung und ganz konkrete Entscheidungen zu ihrer Umsetzung.

Lassen Sie mich drei Punkte aus unserer gemeinsamen Hamburger Erklärung nennen und unterstreichen, die genau das verdeutlichen. Zum einen haben wir uns heute erst einmal auf eine umfassende, grenzüberschreitende Planung für Energieprojekte in der Nordsee geeinigt. Offshore-Energie soll erheblich effizienter werden. Dafür werden wir mehr koordinieren und enger kooperieren, und zwar sowohl bei der Planung von Wind- und Wasserstoffprojekten als auch bei der Planung von Energienetzen. Deutlich vereinfacht wird die Finanzierung von gemeinsamen Projekten mit der Entwicklung eines neuen Offshore-Finanzierungsrahmens, den wir verabredet haben. Auch die Wirtschaft wollen wir bei der Finanzierung von gemeinsamen grenzüberschreitenden Projekten besser vernetzen und unterstützen. Zu diesem Zweck hatten wir heute Nachmittag eine sehr produktive Konferenz der Stakeholder mit mehr als 100 Vertreterinnen und Vertretern der Wirtschaft. Ich sehe hier großes Potenzial, vor allem für mehr Kosteneffizienz bei Offshore-Projekten.

Zweitens schützen wir die Offshore-Energieinfrastruktur besser vor physischen und virtuellen Angriffen. Mehr Sicherheit erreichen wir, indem die Nordseestaaten besser mit unseren Partnern und Alliierten in der Europäischen Union und in der NATO zusammenarbeiten.

Drittens gibt es nun einen konkreten Aktionsplan, um diese Schritte zu verwirklichen. Wir haben die Energieministerinnen und Energieminister beauftragt, den von Ihnen vereinbarten detaillierten Aktionsplan auch umzusetzen und über den Stand der Umsetzung regelmäßig zu berichten und ihn zu überprüfen. Dabei geht es um konkrete Zeitpläne und Zuständigkeiten.

Die Beschlüsse, die wir heute hier in Hamburg getroffen haben, werden unsere Energieversorgung sicherer, kostengünstiger und integrierter machen. Europa wird damit insgesamt widerstandsfähiger und wettbewerbsfähiger. Wir haben viele Synergiepotenziale. Wir halten die Offshore-Energie für Verbraucherinnen und Verbraucher für bezahlbar, und wir ermöglichen neue Investitionen für die Wirtschaft. Schließlich: Es war heute ein guter und produktiver Gipfel.

Dass wir es mit sehr konkreten Projekten auch ernst meinen und konkrete Schritte unternehmen, zeigt auch die bilaterale Einigung zwischen Deutschland und Dänemark zu Bornholm Energy Island, die wir heute am Rande des Gipfels miteinander getroffen haben. Liebe Mette Frederiksen, herzlichen Dank für das Engagement, dass wir hier gemeinsam auch in ein konkretes Projekt umsetzen können, denn Bornholm Energy Island ist das erste rechtsverbindlich vereinbarte hybride Offshore-Kooperationsprojekt in Europa. Es gibt kein zweites. Wir machen hier das erste. Geplant ist die Erzeugung von drei Gigawatt Offshore-Windenergieleistung, die über zwei neue Netzverbindungen sowohl nach Deutschland als auch nach Dänemark geleitet werden. Mit solchen konkreten Projekten realisieren wir die Ziele, die wir uns bisher beim Nordsee-Gipfel immer wieder gesetzt haben. So machen wir Offshore-Energie günstiger, sicherer und stärken damit gemeinsam unsere Resilienz. Das kommt nicht nur Deutschland und Dänemark zugute, sondern ganz Europa.

Meine Damen und Herren, wir wollen die Bevölkerung in unserer Europäischen Union und darüber hinaus besser schützen. Wir haben auch darüber eine intensive Diskussion geführt, denn wir wissen, dass wir jetzt vor großen Herausforderungen stehen, die nicht nur mit der Energieversorgung zu tun haben. Ich will es hier von dieser Stelle aus noch einmal ausdrücklich sagen: Vor allem Dänemark und die Bevölkerung Grönlands können sich auf unsere Solidarität verlassen. Zugleich wird Europa insgesamt mehr für die Sicherung der Arktis tun. Das liegt im gemeinsamen transatlantischen Interesse. Auch darüber waren wir uns heute einig.

Abschließend will ich mich noch sehr herzlich beim Ersten Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg bedanken, auch bei allen Menschen in der Stadt, die uns ihre Gastfreundschaft heute geschenkt haben. Bitte haben Sie Verständnis für die eine oder andere kleine Einschränkung, die es heute Morgen im Verkehr in Hamburg gegeben hat. Wir bedanken uns in diesem Sinne sehr herzlich für die Gastfreundschaft in dieser Stadt, die nicht nur das Tor zur Welt ist, sondern auch das Tor zur Nordsee. Es hätte daher auch keinen besseren Ort für den Nordsee-Gipfel in Deutschland geben können. Noch einmal vielen Dank für die Gastfreundschaft in dieser wunderbaren Stadt Hamburg!

Ministerpräsidentin Mette Frederiksen:

Vielen herzlichen Dank, Herr Bundeskanzler, vielen Dank, lieber Friedrich, für die Einladung!

Ich möchte zunächst einmal allen hier Anwesenden für ihre Unterstützung für Grönland und die Unterstützung für das Königreich Dänemark danken. Ich glaube, es ist allen klar geworden, dass es hier nicht nur um das Königreich Dänemark geht. Das, was hier geschieht, ist grundlegender. Es geht wirklich um grundlegende europäische demokratische Prinzipien und Werte, es geht um unsere Integrität, und es geht auch, ja, um unsere Identität. Ich möchte an dieser Stelle sagen, dass sich Europa in den letzten Wochen als stark erwiesen hat, als geeint erwiesen hat. Dafür bin ich dankbar. Gleichzeitig kann ich nur sagen: Es ist auch der einzige Weg. Wir müssen ein sehr viel stärkeres Europa aufbauen. Dafür müssen wir unabhängiger werden, wettbewerbsfähiger und unabhängiger, und darum ging es ja beim heutigen Treffen.

An dieser Stelle möchte ich an das anschließen, was Friedrich Merz bereits über Energy Island gesagt hat. Vielen Dank für dieses Projekt! Ich freue mich sehr darüber, dass wir Bornholm Energy Island durchsetzen konnten und dass wir dieses fantastische, einmalige Projekt haben. Es ist ein grenzüberschreitendes Projekt, das die europäischen Energiemärkte integriert. Es liefert grüne Elektrizität nach Deutschland und Dänemark, an die Haushalte und an die Wirtschaft in unseren Ländern, und das kommt zur rechten Zeit. Ich hoffe, dass diese Einigung auch tatsächlich ein wertvolles Signal sendet. Es geht nicht nur um Worte. Es geht um Handlung, es geht um Führungsstärke, und wir hoffen, dass sich andere davon inspirieren lassen.

Innerhalb der Europäischen Union ist grüne Energie nicht nur gut für den Planeten, sondern auch für unsere Energiesicherheit. Durch die Investition in Offshore-Windprojekte reduzieren wir unsere Importabhängigkeit. Wir übernehmen die Kontrolle über unsere Zukunft. Hierbei geht es um niedrigere und stabilere Energiepreise für die Privathaushalte und auch für die Unternehmen in Europa, und es wird auch neue Arbeitsplätze für die Zukunft schaffen.

Das alles klingt leichter, als es ist, und ich weiß, dass viele europäische Länder, darunter auch Dänemark, bereits erfahren haben, dass alles teurer wird, genau wie bei den anderen Herausforderungen. Denn wir haben ja auch noch einen Krieg in Europa. Dann haben wir die Frage der Wettbewerbsfähigkeit, der Sicherheit und der Migration. Aber wir haben gezeigt, dass wir ein wirklich viel stärkeres Europa aufbauen müssen. Lassen Sie uns daran weiterarbeiten, damit wir ein stärkeres und sicheres Europa haben. Vielen herzlichen Dank!

Premierminister Bart De Wever:

(auf Deutsch) Zuerst möchte ich mich bei Bundeskanzler Merz für diesen Gipfel bedanken. Dieser Gipfel kommt für die Nachbarn, mit denen wir die Nordseeküste teilen, im richtigen Moment.

(auf Englisch, ohne Dolmetschung)

(auf Deutsch) Ich möchte mich auch gern herzlich bei unserem Gastgeber bedanken, dem Ersten Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg, meinem ehemaligen Kollegen, guten Freund Dr.--Doktor Tschentscher.

Fast alles ist schon gesagt. Man hat mich auch leider darum gebeten, auf Englisch zu reden.

(auf Englisch) Wir kommen hier zu einem wichtigen Moment in Europas Energiewende zusammen. Seit Generationen ist die Nordsee eine Quelle des Handels und des Wohlstands und der Inspiration. Gleichzeitig ist es auch das schlagende Herz der Energiezukunft; so haben wir es genannt, und das zeigt sich auch heute und bestätigt sich heute.

Für mein Land sind offshore erneuerbare Energien und „nuclear power“ zwei Seiten derselben Medaille: Es geht um saubere und verlässliche Energie, die auch bezahlbar ist. Wir freuen uns sehr, dass wir jetzt auch in unsere Netze und in einen Offshore-Windpark investieren. Wir freuen uns sehr darüber, das gemeinsam mit unseren Nachbarn zu tun. Denn die gemeinsame Netzplanung reduziert die Kosten, und das wiederum ist wichtig für die Senkung der Energiepreise für die Haushalte und für die Wirtschaft. Das trägt auch zur Energiewende bei.

An dieser Stelle möchte ich ganz kurz fünf wichtige Punkte hervorheben. Zunächst einmal müssen wir den Netzausbau und die Interkonnektoren über Grenzen hinweg ausbauen. Das ist in der ganzen Arbeit absolut essenziell.

Zweitens müssen wir schneller genehmigen und die Prozesse auf allen Regierungsebenen beschleunigen, angefangen im lokalen Bereich und dann auch auf Ebene der Nationalstaaten und auf europäischer Ebene.

Drittens müssen wir sicherstellen, dass Europa die industriellen Kapazitäten hat, um dann auch tatsächlich wie geplant liefern zu können. Dann kann man auch eine sichere Nachfrage schaffen, und dann muss man auch in der Lage sein, zu niedrigeren Preisen zu produzieren.

Viertens brauchen wir Finanzierung, und wir müssen eine faire Kostenteilung aufbauen. Das ist, ehrlich gesagt, eine Herausforderung.

Abschließend und fünftens: Während wir jetzt hochskalieren, müssen wir das, was wir aufbauen, auch schützen. Sie können sich vorstellen, dass die kürzlichen Ereignisse jetzt dazu geführt haben, dass wir unter den Regierungschefs heute sehr viel Zeit damit verbracht haben, über diesen Punkt zu diskutieren. Wir leben in einer sehr unsicheren Zeit, und wir müssen Entscheidungen treffen, die sehr unsicher sind. Um Sicherheit liefern zu können, müssen wir eben auch die Sicherheit der Infrastruktur gewährleisten.