Exzellente Beziehungen mit der Schweiz weiter ausbauen

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Pressestatement von Kanzler Merz und Schweizer Bundespräsidentin Keller-Sutter Exzellente Beziehungen mit der Schweiz weiter ausbauen

Die Schweiz sei für Deutschland ein „verlässlicher und guter Nachbar”, so Kanzler Merz beim Besuch der Schweizer Bundespräsidentin Keller-Sutter in Berlin. Er kündigte an, die bilateralen Beziehungen und die Zusammenarbeit der Schweiz mit der EU weiter auszubauen.

  • Mitschrift Pressekonferenz
  • Dienstag, 2. September 2025
Auf dem Foto zu sehen ist Bundeskanzler Merz bei einer Pressekonferenz im Bundeskanzleramt mit der Schweizer Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter.

Bundeskanzler Merz hat die Schweizer Bundespräsidentin Keller-Sutter in Berlin empfangen. Er betonte die gute Zusammenarbeit, die ausgebaut werden soll.

Foto: Bundesregierung/Marvin Ibo Güngör

„Unsere Grenzregionen sind engstens miteinander verbunden. Schweizer und Deutsche erbringen dort zusammen Spitzenleistungen in Forschung und Innovation.” Das sagte Bundeskanzler Friedrich Merz in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der Schweizer Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter im Bundeskanzleramt in Berlin. Als Beispiel nannte er die Pharmaindustrie. Die Zusammenarbeit in den Grenzregionen solle weiter verstärkt werden, davon profitiere ganz Europa, sagte der Kanzler. 

Das Wichtigste in Kürze:

  • Gemeinsam für Frieden in der Ukraine: Gemeinsam wollen Deutschland und die Schweiz in der internationalen Sicherheitspolitik alles tun, damit es bald einen Frieden zwischen Russland und der Ukraine gebe, bekräftigte Bundeskanzler Merz. Deutschland könne sich Genf als geeigneten Austragungsort für ein Waffenstillstandsabkommen vorstellen und werde eine Einladung nach Genf auch in der Koalition der Willigen vorschlagen, sagte der Kanzler.
  • Zusammenarbeit in und für Europa: Man wolle neben den „exzellenten” bilateralen Beziehungen zwischen Deutschland und der Schweiz auch deren Kooperation mit der Europäischen Union weiter ausbauen. Dafür gelte es, die Abkommen zur Modernisierung und Erweiterung der Beziehungen zügig umzusetzen. Das werde beide Länder wettbewerbs- und widerstandsfähiger machen, so der Kanzler.

Sehen Sie hier das Video der Pressekonferenz:

24:15

Video Pressekonferenz von Kanzler Merz und der Schweizer Bundespräsidentin Keller-Sutter 

Lesen Sie hier die Mitschrift der Pressekonferenz:

Bundeskanzler Friedrich Merz:

Meine Damen und Herren, ich freue mich sehr, dass ich heute die Bundespräsidentin der Schweiz, Frau Karin Keller-Sutter, im Kanzleramt herzlich willkommen heißen darf. Es ist Ihr erster Besuch als Bundespräsidentin hier im Bundeskanzleramt. Ich freue mich sehr darüber. Ich freue mich, Sie zu begrüßen; denn die Schweiz ist ein verlässlicher und guter Nachbar.

Erlauben Sie mir, dass ich Ihnen und allen Schweizerinnen und Schweizern zunächst von dieser Stelle aus ein herzliches Wort des Dankes für einen Sommer voller großartiger Fußballmomente sage. Wir haben eine Fußball-Europameisterschaft der Frauen mit fantastischen Spielen in der Schweiz, die sich wirklich als exzellenter Gastgeber erwiesen hat, erlebt. Leider ist unsere Mannschaft nicht in das Endspiel gekommen; sonst wäre ich beim Endspiel in Basel gern dabei gewesen.

Aber auch unabhängig davon sind die Beziehungen der Bundesrepublik Deutschland zur Schweiz exzellent. Wir wollen die Beziehungen ausbauen. Wir wollen auch die Beziehungen der Schweiz zur Europäischen Union ausbauen. Es ist gut, dass die Abkommen über Modernisierung und Erweiterung der Beziehungen ausverhandelt sind. Wir wollen sie nun zügig umsetzen. Wenn sie in Kraft treten könnten, würde das unsere beiden Länder wettbewerbsfähiger und auch widerstandsfähiger machen. Diese Zusammenarbeit – darüber haben wir beide gerade eben ausführlich gesprochen – brauchen wir mehr denn je, denn die Welthandelsordnung ist unter Dauerstress. Da ist es gut, wenn es noch bilaterale Beziehungen gibt, die stabil sind und vom selben Geiste des Freihandels, der offenen Grenzen und der guten Beziehungen zueinander geprägt sind. Das wissen wir beide voneinander.

Aber wir erleben auch beide die großen Herausforderungen in der Handelspolitik, etwa in unserem Verhältnis zu der amerikanischen Regierung. Die Schweiz ist durch sehr hohe Zölle ganz besonders betroffen. Umso enger müssen wir in Europa zusammenrücken und zusammenarbeiten. Das tun wir. Ich habe der Schweiz und der Frau Bundespräsidentin von unserer Seite aus noch einmal angeboten, dass wir das gerne vertiefen wollen. Wir haben schon gute nachbarschaftliche Beziehungen. Unsere Grenzregionen sind engstens miteinander verbunden. Schweizer und Deutsche erbringen dort zusammen Spitzenleistungen in Forschung und Innovation. Das gilt zum Beispiel für die Pharmaindustrie. Davon profitiert ganz Europa. Aber wir wollen diese Zusammenarbeit auch weiter verstärken.

Ich habe der Frau Bundespräsidentin versichert, dass wir auch an offenen Grenzen, am gemeinsamen Schengen-Raum festhalten wollen. Denn wir haben eine große Zahl von Pendlern, die in Deutschland wohnen und in der Schweiz arbeiten oder umgekehrt. Wir wollen, dass diese Menschen sich auch weiterhin möglichst frei bewegen können und auch, wenn es notwendig ist, einmal oder mehrfach täglich über die Grenze fahren und dort arbeiten und leben können. Wir tun das auch zusammen mit unserem Nachbarn Frankreich. Es gibt die Regierungskommission Oberrhein, die in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen feiern wird. Wir wollen also auch mit unserem Nachbarn Frankreich eng zusammenarbeiten.

Das gilt für unsere Volkswirtschaften; das gilt aber auch für die Sicherheitspolitik. Uns eint der Wille und die feste Absicht, alles zu tun, damit es bald einen Frieden zwischen Russland und der Ukraine gibt. Ich habe der Bundespräsidentin erneut versichert, dass zum Beispiel Genf als Austragungsort für ein entsprechendes Waffenstillstandsabkommen geeignet wäre. Ich werde übermorgen in der sogenannten Koalition der Willigen erneut vorschlagen, dass dorthin eingeladen wird.

Vielleicht ein abschließendes Wort auch zu den handelspolitischen Fragen: Wir wollen uns gemeinsam darum bemühen, dass über die Grenzen unserer Länder hinaus zusammen mit der Europäischen Union und anderen Ländern auf der Welt, die guten Willens sind, auch wieder eine stärker regelbasierte Ordnung in der Handelspolitik etabliert wird. Ich freue mich sehr, dass wir wirklich ganz nahtlose Übereinstimmung in der Beurteilung dieser Fragen haben. Es geht nämlich darum, wieder eine Welthandelsordnung über das hinaus, was wir haben, zu etablieren, innerhalb derer man sich an Regeln hält und Streitbeilegungsmechanismen etabliert, die funktionieren und personell besetzt werden. Das alles ist leider mit der WTO im Augenblick nicht der Fall. Wir wollen das nicht aufgeben, sondern wir wollen uns darum bemühen, wieder eine entsprechende Handelsordnung auf der Welt zu schaffen. Deswegen lege ich so viel Wert darauf, dass Handelsabkommen abgeschlossen werden. Aber deswegen freue ich mich auch so sehr über die Übereinstimmung, die wir haben, wenn es um handelspolitische Fragen geht. Denn wir sind beide der festen Überzeugung und auch wirklich engagierte Vertreter eines offenen, freien und fairen Welthandels. Gerade die Schweiz und Deutschland wissen, dass sie darauf angewiesen sind. Unsere beiden Länder sind sehr stark exportorientierte Volkswirtschaften. Deswegen gehen wir hier auch mit einer gemeinsamen Richtung vor, wenn es darum geht, Grenzen zu öffnen, den Welthandel zu ermöglichen und gute Handelsbedingungen auf der Welt für unsere Länder zu schaffen.

Also noch einmal herzlichen Dank für das gute Gespräch, das gute Miteinander und weiter gute Zusammenarbeit zwischen der Schweiz und Deutschland!

Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter:

Vielen herzlichen Dank! Herr Bundeskanzler, sehr geehrte Damen und Herren, ich freue mich sehr, dass ich heute hier in Berlin zu Gast sein darf. Ich bedanke mich für die außerordentlich herzliche Gastfreundschaft. Ich hatte mich terminlich eigentlich schon auf Ihren Besuch in Basel zum Finale eingestellt, aber manchmal kommt es halt anders. Aber das deutsche Frauenteam hat eine außerordentliche Leistung gezeigt.

In Zeiten, in denen Stabilität und Rechtssicherheit nicht mehr selbstverständlich sind, ist es wichtig, dass man sich unter gleichgesinnten Partnern trifft, unter Partnern, die für eine regelbasierte, eine wertebasierte Ordnung einstehen und die für offene Märkte stehen, die für Freihandel stehen und die diese Elemente auch stärken wollen. Wir haben heute die Breite und Tiefe der bilateralen grenzüberschreitenden Zusammenarbeit unserer Länder gewürdigt. Die Grenzregionen stehen dabei besonders im Fokus. Der Bundeskanzler hat es erwähnt, sie sind Treiber für die Wirtschaft, die Forschung und auch die Innovation in Europa. Mit den benachbarten Bundesländern Baden-Württemberg und Bayern hat die Schweiz ein Handelsvolumen, das fast so groß ist wie jenes mit China.

Darüber hinaus besteht natürlich zusätzliches Potenzial in anderen deutschen Regionen. In unserem Gespräch ging es wesentlich darum, wie die Partnerschaft weiter vertieft werden kann. Ich werde mich heute Nachmittag gleich noch anschließend mit Vertreterinnen und Vertretern der deutschen Wirtschaft treffen. Dieses Treffen dient auch dazu, die Wirtschaftsbeziehungen zwischen der Schweiz und Deutschland zu vertiefen. Es sind auch weitere Treffen auf technischer Ebene geplant. Die Schweiz ist ein wichtiger Zulieferer, insbesondere für die Automobilindustrie. Auch im Infrastrukturbereich sehen wir in den kommenden Jahren Opportunitäten für Schweizer Firmen. Die Schweiz will zur deutschen Wirtschaftswende beitragen. Wenn Deutschland wirtschaftlich stark ist, dann sind auch andere stark. Das muss ein gemeinsames Ziel sein.

Deshalb haben wir auch über die Wettbewerbsfähigkeit in unseren Ländern und in Europa gesprochen. Gerade die Bemühungen der Europäischen Union im Rahmen der Omnibusrichtlinie sind sehr begrüßenswert. Auch der schweizerische Bundesrat möchte Regulierungen vereinfachen und den administrativen Aufwand für Firmen verringern. Ich denke, dass wir gerade hier ansetzen müssen, da wir selbst handeln können und uns stärken.

Ein weiteres zentrales Thema – Sie haben es gehört – war die Sicherheit unseres Kontinents. Aus Schweizer Sicht ist ein fairer Friedensprozess für die Ukraine unabdingbar, um die Sicherheit Europas zu garantieren. Das große Engagement der deutschen Bundesregierung in dieser Frage ist für Europa von Bedeutung. Die Schweiz ist bereit, die Suche nach einer Friedenslösung mit ihren guten Diensten wie der Gaststaatdiplomatie und auch mit ihrer Expertise zu unterstützen und, wenn es dazu kommen sollte, entsprechende Gespräche in Genf aufzugleisen und abzuhalten.

Wir haben auch über die Auswirkungen der US-Zollpolitik auf Europa gesprochen. Für die Schweiz ist es äußerst wichtig, dass in einer Zeit großer globaler Unsicherheit mindestens die innereuropäischen Handelsfriktionen vermieden werden und man – ich habe es bereits erwähnt – unter gleichgesinnten Partnern die bilaterale Zusammenarbeit noch verstärken kann. Als offene Volkswirtschaften haben unsere Länder ein gemeinsames Interesse an einer regelbasierten Welthandelsordnung. Der hindernisfreie Handel ist die Grundlage für Wohlstand in Europa und die treibende Kraft für Innovation und Wettbewerbsfähigkeit.

Mit diesen Worten bedanke ich mich nochmals herzlich beim Bundeskanzler für den freundschaftlichen Empfang und für den Austausch, den wir heute pflegen durften. Es ist gerade in dieser Zeit sehr wichtig, dass man die gemeinsamen Werte betonen kann.