Statement des Kanzlers bei der Deutschen Marine in Rostock
Die Marine erfüllt in Nord- und Ostsee sowie im nordatlantischen Raum einen wichtigen Auftrag. Bundeskanzler Merz hat die Marine in Rostock besucht, auf der Fregatte „Bayern” bekam er von den Soldatinnen und Soldaten Fähigkeiten und Abwehrmanöver demonstriert.
- Mitschrift Pressekonferenz
- Donnerstag, 28. August 2025
Bundeskanzler Merz hat von der Besatzung der Fregatte „Bayern“ einen Einblick in das vielfältige Aufgabenspektrum der Marine präsentiert bekommen.
Foto: Bundesregierung/Steffen Kugler
Bundeskanzler Friedrich Merz ist zu seinem Dienstantrittsbesuch bei der Deutschen Marine nach Rostock gereist. Auf der Fregatte „Bayern“ erhielt er von den Soldatinnen und Soldaten der Marine einen umfangreichen Einblick in das Aufgabenspektrum der Marine. „Ich bin beeindruckt von den Fähigkeiten“, betonte Kanzler Merz in einem Statement vor Ort.
Die Vorführung der Marine im Verbund mit Seefernaufklärern, Hubschraubern, einem U-Boot und begleitenden Schiffen zeige, dass die Bundeswehr in Nord- und Ostsee sowie im nordatlantischen Raum einen wichtigen Auftrag zu erfüllen habe. „Ich habe allergrößten Respekt vor den Soldatinnen und Soldaten, die zum Teil über viele Wochen und Monate ihren Dienst auf den Schiffen tun, ohne Heimaturlaub, ohne ihre Familien”, so der Kanzler.
Das Wichtigste in Kürze:
- Bedrohung durch Russland: Die Bedrohung durch Russland sei auch in der Ostsee real, was durch tägliche Aktionen der russischen Armee deutlich werde. „Wir werden in den nächsten Monaten und in den nächsten Jahren alles tun, um die Freiheit, den Frieden und die territoriale Integrität des Bündnisgebietes zu schützen“, betonte Merz. Aufgrund der geostrategischen Lage mitten in Europa nehme Deutschland eine außerordentlich wichtige Funktion als Drehscheibe ein.
- Personelle und materielle Ausrüstung der Streitkräfte: In den nächsten Jahren werde in die Ausrüstung der Bundeswehr viel investiert werden. Neben der Beschaffung von Großgeräten wie Schiffen und Flugzeugen werde auch in die persönliche Ausstattung der Soldatinnen und Soldaten investiert, damit sie bestausgerüstet in ihre Einsätze gehen können. Mit dieser Zusage verband Merz auch den Dank an die Soldatinnen und Soldaten, die den Auftrag zur Verteidigung Deutschlands mit großem Einsatz erfüllen.
- Kooperation mit Bündnispartnern: Merz betonte, dass er von Beginn seiner Tätigkeit als Bundeskanzler „den Weg der Kooperation und Zusammenarbeit mit unseren Bündnispartnern gesucht habe.“ Neben den Mitgliedern der EU gehören dazu im Nord- und Ostseeraum auch zum Beispiel Norwegen und Großbritannien. Diese Kooperation bestehe und werde weiter vertieft.
Lesen Sie hier die Mitschrift des Pressestatements:
Bundeskanzler Friedrich Merz:
Meine Damen und Herren, zunächst vielen Dank, dass Sie mich heute begleitet haben, zuerst nach Rostock und dann hierher auf die Fregatte Bayern. Ich möchte mich zunächst bei den Soldatinnen und Soldaten sehr herzlich bedanken, stellvertretend für alle beim Inspekteur der Marine, Herrn Admiral Kaack. Herzlichen Dank für die Einladung, die Marine zu besuchen! Ich tue das heute zum ersten Mal, und ich muss sagen, ich bin sehr beeindruckt von der Leistungsfähigkeit der Marine, auch im Verbund mit Seeaufklärung, mit einem U-Boot, mit den Hubschraubern und hier auf der Fregatte im Verbund mit den begleitenden Schiffen. Das zeigt, dass die Bundeswehr an der Nordsee und an der Ostsee, also im Norden und im Bereich des nordatlantischen Raums, einen wichtigen Auftrag zu erfüllen hat.
Sie alle wissen, dass wir gestern im Bundeskabinett eine ganze Reihe von Entscheidungen getroffen haben. Wir haben überhaupt das erste Mal seit Jahrzehnten wieder im Verteidigungsministerium getagt. An diesem Tag haben wir eine ganze Reihe von Entscheidungen im Hinblick auf die zukünftige Ausstattung, aber auch die personelle Besetzung der Bundeswehr getroffen. Das betrifft die Teilstreitkräfte und eben auch die Marine.
Ich will mit Blick auf die Marine sagen: Ich habe allergrößten Respekt vor den Soldatinnen und Soldaten, die zum Teil über viele Wochen und Monate ihren Dienst auf den Schiffen tun, ohne Heimaturlaub, ohne ihre Familien. Aber es ist eben ein Auftrag, den sie im Verbund mit den anderen Teilstreitkräften für die Landesverteidigung und für die Bündnisverteidigung erfüllen.
Dass das leider notwendiger ist denn je, das wissen wir spätestens seit dem Februar des Jahres 2022. Wir befinden uns jetzt im vierten Jahr eines Krieges, den wir auf dem europäischen Kontinent sehen, des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine, und zwar bis in die letzten Stunden hinein. Es gab wieder schwerste Angriffe auf die Stadt Kyjiw. Das erste Mal ist auch die europäische Vertretung in Kyjiw durch die Angriffe mitbeschädigt worden. Die Bedrohung durch Russland ist real. Wir sehen es auch hier in der Ostsee. Ich habe mich von den Soldatinnen und Soldaten auch in Rostock ausführlich über die Bedrohungslage informieren lassen. Wir sehen tägliche Aktionen der russischen Armee. Sie testet unsere Verteidigungsbereitschaft und unsere Verteidigungsfähigkeit.
Deshalb will ich sagen: Wir werden in den nächsten Monaten und in den nächsten Jahren alles tun, um die Freiheit, den Frieden und die territoriale Integrität des Bündnisgebietes zu schützen. Die Bundesrepublik Deutschland nimmt dabei eine außerordentlich wichtige Funktion ein. Unsere geostrategische Lage ist die Drehscheibe in Europa. Ob wir es wollen oder nicht, wir müssen dort, wo wir leben, nämlich in Deutschland, besonders große Anstrengungen unternehmen, um genau das zu tun, nämlich unsere Freiheit, den Frieden und die territoriale Integrität unseres Territoriums zu verteidigen.
Wir werden in den nächsten Jahren weiterhin viel für die Ausrüstung der Streitkräfte aufwenden müssen. Wir sind bereit dazu, das zu tun. Aber dies ist nicht nur eine materielle Frage. Dies ist auch und vor allem eine personelle Frage. Nicht Schiffe verteidigen, nicht Maschinen, nicht Panzer, nicht Flugzeuge, sondern Menschen leisten die Arbeit, und Menschen verteidigen unser Land. Deswegen verbinde ich mit dem Dank an diejenigen, die diesen Auftrag erfüllen, die Zusage, dass die von mir geführte Bundesregierung alles dafür tun wird, diesen Einsatz zu ermöglichen. Sie sollen bestausgerüstet sein, auch für die Einsätze, in die wir Sie entsenden. Sie sollen auch wissen, dass wir in jeder möglichen Hinsicht um die Fürsorge bemüht sind. Wir wissen, dass Sie Familien haben. Wir wissen, dass Sie auch berufliche Vorstellungen über das haben, was Sie gern machen möchten. Die Bundeswehr muss und wird Ihnen das ermöglichen.
Das hat eine große Priorität für uns und auch für mich persönlich. Ich will deswegen noch einmal unterstreichen, dass ich von Beginn meiner Tätigkeit als Bundeskanzler an den Weg der Kooperation und Zusammenarbeit mit unseren Bündnispartnern gesucht habe. Das sind die Mitglieder der Europäischen Union; das sind aber auch Länder wie zum Beispiel Norwegen und Großbritannien, die hier im Nord- und Ostseeraum ebenfalls einen wichtigen strategischen Auftrag erfüllen. Mit diesen Ländern eng zusammenzuarbeiten, war mein Ziel von Anfang an. Ich kann heute dankbar feststellen, dass wir eine sehr enge Kooperation haben und dass wir diese Kooperation auch vertiefen.
Ich werde mich im unmittelbaren Anschluss an den Besuch hier auf der Fregatte „Bayern“ und meinen Besuch in Rostock zu den deutsch-französischen Regierungskonsultationen begeben, in denen wir nicht nur über verteidigungspolitische Zusammenarbeit sprechen, sondern in denen wir vor allem auch über wirtschaftspolitische Zusammenarbeit sprechen wollen. Wir sind ein europäischer Binnenmarkt. Dieser europäische Binnenmarkt ist für Deutschland so wichtig wie für kaum ein anderes Land. Dass wir einen offenen europäischen Binnenmarkt haben, dass wir insbesondere mit Frankreich, aber auch mit vielen anderen in Europa eng zusammenarbeiten, ist auch in unserem tiefsten ökonomischen Interesse.
Sie sehen an diesem Beispiel, wie sich sozusagen die Linien überschneiden, die Sicherheits- und Verteidigungspolitik auf der einen Seite, damit Bestandteil der Außenpolitik, aber eben auch die Wirtschaftspolitik, die Europapolitik, die Zusammenarbeit in der Europäischen Union. Das alles fügt sich zu einem Bild, und dieses Bild heißt: Wir leben in einem der schönsten Länder der Welt. Ich sage das immer wieder. Die Bundesrepublik Deutschland ist ein schönes, erfolgreiches, großes Land. Aber dass wir es erhalten, dass wir es nicht nur sicherheitspolitisch erhalten, sondern auch mit Blick auf den Wohlstand und die sozialen Möglichkeiten, das erfordert eine Politik, die mit Außenpolitik, Sicherheitspolitik, Europapolitik, Wirtschaftspolitik bis hin zu Innenpolitik Hand in Hand geht. So verstehen wir unseren Auftrag als Regierung der Bundesrepublik Deutschland.
So danke ich noch einmal Ihnen, dass Sie Ihren Dienst in diesem Teil des Spektrums tun, den Soldatinnen und Soldaten. Ihnen, Herr Admiral, Dank für Ihren Dienst, stellvertretend für alle Soldatinnen und Soldaten und an diesem Tag heute ganz besonders der Marine! Ich freue mich, dass ich die Gelegenheit hatte. Ich wünsche Ihnen, den Soldatinnen und Soldaten, viel Erfolg bei Ihrer Mission. Es ist unser Auftrag, den wir Ihnen politisch erteilen. Damit haben wir auch die Verantwortung dafür, dass Sie ihn erfolgreich durchführen können. Ich wünsche Ihnen das und vor allem: Bleiben Sie gesund! Herzlichen Dank.