Deutschland und Jordanien - gemeinsam für Stabilität

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Pressekonferenz des Kanzlers mit dem jordanischen König Deutschland und Jordanien - gemeinsam für Stabilität

Bundeskanzler Merz hat mit dem jordanischen König Abdullah II. über die Situation in Gaza und im Westjordanland gesprochen – und über die besondere Partnerschaft, die Deutschland und Jordanien seit mehr als sieben Jahrzehnten verbindet.

  • Mitschrift Pressekonferenz
  • Dienstag, 29. Juli 2025
Bundeskanzler Merz mit dem jordanischen König laufen auf dem roten Teppich in Richtung Kanzleramt. Im Hintergrund das Corps der Bundeswehr.

Bundeskanzler Merz bedankt sich bei Jordanien, ein stabiler Anker in der Weltregion zu sein. 

Foto: Bundesregierung/Guido Bergmann

Jordanien ist ein essenzieller Partner angesichts der katastrophalen Lage in Gaza. Gemeinsam arbeiten Deutschland und Jordanien am Abwurf humanitärer Güter aus der Luft. Dafür dankte Bundeskanzler Friedrich Merz dem jordanischen König Abdullah II. bei einem Treffen im Bundeskanzleramt. „Diese Arbeit mag humanitär nur einen kleinen Beitrag leisten. Aber sie ist ein wichtiges Signal: Wir sind da. Wir sind in der Region. Wir helfen“, sagte der Kanzler in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit König Abdullah II.

Der Kanzler sprach unter anderem über:

  • Die Situation in Gaza: Es stehe im Vordergrund, überfällige erste Schritte zu den dringendsten Fragen zu erreichen, so der Kanzler. Er nannte vier Punkte: einen Waffenstillstand in Gaza, die Verbesserung der katastrophalen humanitären Lage durch Israel, eine tragfähige politische Perspektive – und es dürfe keine Vertreibungen und keine weiteren Schritte hin zu einer Annexion des Westjordanlandes geben.
  • Jordaniens Rolle im Nahen Osten: Kanzler Merz würdigte die Rolle des Landes. „Jordanien ist ein Anker in einer Region der Welt, die nicht zur Ruhe kommt.“
  • Die deutsch-jordanische Partnerschaft: Jordanien sei ein verlässlicher Partner im Kampf gegen islamistische extremistische Bedrohungen, so der Kanzler. Zudem sei das Land ein bewährter Stützpunkt der Bundeswehr im Nahen Osten.

Sehen Sie hier das Video der Pressekonferenz:

17:51

Video: Pressekonferenz des Kanzlers und des jordanischen Königs Abdullah II. bin al-Hussein Gemeinsam für Stabilität: Deutschlands Partnerschaft mit Jordanien

Lesen Sie hier die Mitschrift der Pressekonferenz:

Bundeskanzler Friedrich Merz:

Vielen Dank, Majestät! Es ist mir eine wirklich sehr große Freude, Sie heute in Berlin zu begrüßen. Sie sind mein erster Gast aus der Region, seitdem ich dieses Amt angetreten habe, und es ist eine glückliche Fügung, dass wir gerade heute die Gelegenheit haben, miteinander zu sprechen.

Unsere beiden Länder, Jordanien und Deutschland, verbindet eine über sieben Jahrzehnte gewachsene, besondere Partnerschaft, und das hat auch mit Ihrer sehr persönlichen Rolle in der Region zu tun. Jordanien ist ein Anker in einer Region der Welt, die nicht zur Ruhe kommt, und deswegen möchte ich Ihnen zunächst, Majestät, sehr herzlich Dank sagen für Ihr persönliches Engagement, aber auch Ihrem ganzen Land. Sie genießen eine sehr, sehr hohe Anerkennung in Deutschland, und ich möchte das auch gern von meiner Seite aus zum Ausdruck bringen.

Wir haben heute sehr ausführlich über die Lage in der Region gesprochen, auch über die Situation in Gaza und im Westjordanland. Übergeordnetes Ziel der Bundesregierung sind Frieden und Sicherheit für die Menschen in Israel und in der gesamten Region. Wir sind davon überzeugt, dass eine verhandelte Zweistaatenlösung die beste Chance bleibt, dieses Ziel eines Tages zu erreichen. Die Anerkennung eines palästinensischen Staates betrachten wir gegenwärtig aber nicht als den richtigen Schritt. Sie kann einer der letzten Schritte auf dem Weg zur Verwirklichung einer Zweistaatenlösung sein. Die Bundesregierung plant insofern nicht, kurzfristig einen palästinensischen Staat anzuerkennen.

Für uns steht im Vordergrund, überfällige erste Schritte hinsichtlich der dringendsten Fragen zu erreichen.

Erstens. Es braucht jetzt einen Waffenstillstand in Gaza. Die Geiseln, darunter immer noch deutsche Staatsangehörige, müssen freikommen. Die Entwaffnung der Hamas muss folgen, ihr Terror muss enden.

Zweitens. Israel muss die katastrophale humanitäre Lage in Gaza schnell und entschieden verbessern. Es muss der leidenden Zivilbevölkerung menschenwürdige, dringend notwendige Versorgung zukommen lassen. Wir begrüßen daher die ersten Schritte, die die israelische Regierung und die Premierminister Netanjahu eingeleitet haben, aber weitere müssen folgen.

Drittens. Eine tragfähige politische Perspektive für Gaza ist notwendig, damit aus dem befristeten Waffenstillstand, den wir sehen, ein dauerhafter Waffenstillstand und ein dauerhafter Frieden werden kann.

Ich will auch ausdrücklich hinzufügen: Es darf keine weiteren Vertreibungen und keine weiteren Schritte hin zu einer Annexion des Westjordanlandes geben. Ich stehe dazu in engem Austausch mit dem israelischen Premierminister. Wir koordinieren uns auf der deutschen Seite auch mit den Vereinigten Staaten von Amerika und den Staaten der Region.

Wie Sie alle wissen, stimme ich mich mit dem französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron, mit dem britischen Premierminister Keir Starmer und anderen europäischen Nachbarn auch persönlich in diesen Fragen sehr eng ab. Wir wollen gemeinsam zu einer Verbesserung der Lage beitragen. Dazu habe ich gestern auch eine entsprechende Erklärung von dieser Stelle aus abgegeben. Wir mögen zwischen den E3-Staaten in der europäischen Politik unterschiedlicher Ansicht darüber sein, wann eine Anerkennung der palästinensischen Staatlichkeit sinnvoll erscheint. Aber wir sind einig in den großen und dringenden Fragen, die sich jetzt stellen, und wenn das erforderlich ist, dann sind wir auch bereit, uns noch nachdrücklicher für eine Lösung einzusetzen.

Zurück zu Jordanien und zu meinem Gast. Jordanien ist für uns ein essenzieller Partner angesichts der katastrophalen Lage in Gaza und in der gesamten Region. Wir arbeiten gemeinsam an sogenannten Airdrops, also am Abwurf humanitärer Güter aus der Luft. Bundesminister Pistorius stimmt sich dazu mit seinem jordanischen Kollegen ab. Dafür danken wir. Diese Arbeit mag humanitär nur einen kleinen Beitrag leisten, aber sie ist ein wichtiges Signal: Wir sind da, wir sind in der Region, wir helfen.

Ich möchte Ihnen, Majestät, noch einmal sehr herzlich dafür danken, dass Sie das initiiert haben und das auch ermöglichen. Es sind jetzt gerade, wo wir beide hier stehen, zwei A400M-Flugzeuge in der Luft auf dem Weg nach Jordanien, die dort ausgerüstet und aufgetankt werden, damit sie die entsprechenden Missionen spätestens ab dem Wochenende, möglicherweise sogar schon ab morgen fliegen können. Das wird auch mit den Franzosen und den Briten abgestimmt. Das wird dann von Jordanien aus möglich sein, auch abgestimmt mit der israelischen Regierung, die den Luftraum entsprechend freigeben muss.

Majestät, Ihr Land ist auch ein verlässlicher Partner im Kampf gegen islamistische extremistische Bedrohungen. Jordanien ist seit vielen Jahren ein bewährter Stützpunkt der Bundeswehr im Nahen Osten. Ich bedanke mich sehr herzlich für Ihre Unterstützung, auch beim Ausfliegen deutscher Staatsbürger während der Kämpfe zwischen Israel und Iran. Sie sind uns schließlich ein geschätzter diplomatischer Ratgeber, auch mir persönlich. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich diesen Rat heute bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr in Anspruch nehmen darf. 

Ich möchte schließlich besonders würdigen, dass das jordanische Königshaus als Hüter für die heiligen Stätten, für die Verständigung in der ganzen Region steht. Ich danke Ihnen, Majestät, für das, was Sie dort leisten. Ich danke für Ihren heutigen Besuch in Berlin, und ich möchte Ihnen noch einmal sehr herzlich danken für die wertvolle Partnerschaft zwischen unseren beiden Ländern.

König Abdullah II. Ibn Al-Hussein:

Vielen Dank für diese warmen Worte der Begrüßung. Es ist für mich heute eine Freude, hier einige Themen, die für unsere beiden Länder und auch für die beiden Regionen sehr wichtig sind, mit Ihnen zu besprechen. Jordanien und Deutschland haben eine enge Partnerschaft mit gemeinsamen Werten und einer guten starken Zusammenarbeit im wirtschaftlichen Bereich, aber auch im humanitären Bereich. Wir schätzen unsere Verbindungen zu Deutschland sehr und möchten unsere bilaterale Zusammenarbeit in unterschiedlichen Bereichen ausweiten, aber auch unsere Zusammenarbeit mit der EU. Unsere Partnerschaft hat in wichtigen Bereichen zugenommen   ich nenne die Bereiche Bildung und Entwicklung, und wir sprechen über Chancen, unsere Zusammenarbeit noch weiter zu vergrößern.

Deutschland war auch ein Unterstützer der Arbeiten von Jordanien bei der Schaffung größerer Stabilität und bei der Bereitstellung größerer humanitärer Hilfe in der Region. Wir sind sehr dankbar für diese Partnerschaft. Der Krieg von Israel gegen Gaza muss aufhören. Wir haben ein unermessliches Maß an Leid erreicht. Die Bilder verhungernder Kinder in Gaza haben die Menschen in der ganzen Welt erzürnt. Das ist ein Fleck auf unserer gemeinsamen Menschlichkeit, dass wir zusehen, wie sich das fortsetzt. Hunger und Leid der Bevölkerung in Gaza hat ein alarmierendes Maß erreicht. Die internationale Gemeinschaft muss erzwingen, den Menschen dringend zu helfen. Hilfe darf nicht politisiert werden. Es darf nicht sein, dass die hungernde Bevölkerung zum Ziel wird, Menschen, die sich zusammenfinden, um humanitäre Hilfe zu bekommen. Wir wollen einen dauerhaften Waffenstillstand. Wir wollen den ungehinderten Zugang für humanitäre Hilfe für alle in Gaza.

Jordanien unterstützt dies, indem wir Hilfskonvois zulassen und auch eine Ausreise der Verletzten erleichtern. Wir danken Deutschland sehr für die humanitäre Hilfe in Gaza. Es gibt ja noch eine gefährliche Eskalation im Westjordanland. Diese Anschläge auf die christlichen Gemeinschaften müssen enden. Es besteht die Gefahr, dass es ein größerer regionaler Konflikt wird. Wir müssen drängen, dass der Krieg zum Ende kommt. Wir müssen die Eskalierung beenden, damit der Weg für eine gerechte, friedliche Lösung frei wird. Wir wissen Deutschlands Unterstützung für die Zweistaatenlösung zu schätzen. Einheit und territoriale Integrität sind die Grundlage für langfristige Stabilität.

Sicherheit und nachhaltige Unterstützung sind wesentlich dafür, dass kein Konflikt entsteht. Die Syrer müssen in die Position versetzt werden, einen Staat zu schaffen, der Wohlstand und Sicherheit für alle Bestandteile ihrer vielfältigen Gesellschaft liefert. Jordanien setzt sich weiter für Frieden ein. Wir werden mit Deutschland weiterhin eng zusammenarbeiten, um Stabilität und den Schutz der Rechte und der Würde aller Menschen in der Region zu sichern.

Herr Bundeskanzler, ich freue mich darüber, mit Ihnen zusammenzuarbeiten. Vielen Dank für Ihre wunderbare Gastfreundschaft! Ich hoffe, dass ich Ihnen diese wunderbare Gastfreundschaft irgendwann in der Zukunft zurückzahlen kann, zumindest in kleinem Maße.