Pressestatements von Bundeskanzler Merz und dem Ersten Bürgermeister Hamburgs, Peter Tschentscher
In Hamburg besuchte der Bundeskanzler im Rahmen seines Antrittsbesuchs den Handwerkerhof „Meistermeile“. Er warb für den Handwerksberuf, der vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten biete und auch für Frauen eine berufliche Perspektive sein könne.
- Mitschrift Pressekonferenz
- Dienstag, 25. November 2025
Bundeskanzler Merz und Peter Tschentscher sind sich einig, dass das deutsche Handwerk viele berufliche Entwicklungsmöglichkeiten bietet.
Foto: Bundesregierung / Christina Czybik
Deutschland brauche neben der Industrie insbesondere das Handwerk mit seinen Hunderttausenden Beschäftigten. „Wenn etwas unsere Volkswirtschaft in der ganzen Breite und Tiefe stark macht, dann ist es dieser Teil unserer Volkswirtschaft“, betonte Bundeskanzler Friedrich Merz bei seinem Besuch des Handwerkerhofs „Meistermeile” im Rahmen seines Antrittsbesuchs in Hamburg.
Die duale Berufsausbildung bis zum Meisterabschluss sei international einzigartig. Zudem gebe es die Durchlässigkeit bis in die Hochschulen, die die Ausbildungsberufe noch attraktiver machten. Der Bundeskanzler appellierte an den Ersten Bürgermeister Hamburgs, gemeinsam dafür zu sorgen, mehr junge Frauen auch für die technischen Handwerksberufe zu begeistern.
Lesen Sie hier die Pressestatements:
Erster Bürgermeister Peter Tschentscher:
So, das war unser Vor-Ort-Termin hier! Wir haben dem Bundeskanzler das moderne Handwerk unter Großstadtbedingungen zeigen können; denn es gibt eine enorme Flächenkonkurrenz in urban verdichteten Metropolen. Das, was wir hier für Hamburg zeigen, gilt genauso für München, für Frankfurt, für Stuttgart.
Wie halten wir Handwerkfamilienunternehmen in der Stadt, nah an ihren Kunden? Das, was an Werkstattflächen und Mieten leistbar ist, muss ja alles irgendwie auch bezahlbar sein. Wir haben hier gemeinsam mit der Handwerkskammer ein Vorzeigeprojekt entwickelt, das Handwerksunternehmen eine neue Betriebsstätte gibt. Das ist ein Grundthema der Metropolen, die Flächenknappheit. Wir haben uns mit Singapur ausgetauscht. Das ist ein Stadtstaat, der genauso groß ist wie Hamburg, die gleiche Wertschöpfung pro Einwohner hat, aber eben auch diese enorm knappe Flächenressource hat. Dort werden Gewerbeflächen gestapelt; selbst Industrieflächen werden dort gestapelt. So weit sind wir noch nicht. Aber wir brauchen diese Flächeneffizienz, weil es eben in verdichteten Metropolen unglaublich wichtig ist, dass man nicht alles in die Fläche verstreut, sondern dass die Unternehmen und das Handwerk dicht bei den Menschen und bei ihren Kunden sind.
Vielen Dank, dass Sie dieses Interesse gezeigt haben!
Bundeskanzler Friedrich Merz:
Ich kann nur noch mal sagen: Vielen Dank, Herr Bürgermeister, lieber Herr Tschentscher, für die Idee, hierher zu gehen. Das ist aus zweierlei Gründen für mich spannend und interessant gewesen, zum einen, um zu sehen, wie Handwerk in der Großstadt funktioniert. Ich komme ja nun aus einer kleineren Mittelstadt. Da ist das alles noch ein bisschen einfacher. Aber in den Verdichtungsräumen einer Großstadt noch Handwerksbetriebe, die Flächen brauchen, zu erhalten, ist eine Herausforderung. Dieses Konzept war mir bisher nicht bekannt. Insofern bin ich dankbar, dass ich es kennenlernen durfte.
Zweitens, und das sage ich jetzt wirklich mit großem Nachdruck: Ich bin und bleibe ein großer Befürworter der dualen Ausbildung und der Handwerksberufe in Deutschland. Wenn etwas unsere Volkswirtschaft in der ganzen Breite und Tiefe stark macht, dann ist es dieser Teil unserer Volkswirtschaft. Ja, Industrieunternehmen – große, mittlere, kleine – brauchen wir. Aber wir brauchen eben auch und gerade das Handwerk, denn da sind Hunderttausende von Beschäftigten, die in vielfältigster Weise auch zur Lebensqualität in unseren Städten, in unseren Häusern, in unseren Wohnungen beitragen. Nennen Sie mir ein Land auf der Welt, das in dieser Breite und Tiefe in der Lage ist, Handwerksdienstleistungen anzubieten, wie es Deutschland ist. Es gibt kein zweites! Es ist auch deshalb so, dass ich gerade im Ausland immer wieder angesprochen werde: Was macht ihr in Deutschland eigentlich mit der dualen Ausbildung, und können wir das auch machen? – Viele versuchen das nachzumachen, aber wir haben die Strukturen, und die Strukturen sind über Generationen hinweg gewachsen. Wir haben die Berufsschulen, wir haben die Berufskollegs, wir haben die Durchlässigkeit in die Hochschulen, aber wir haben eben auch die Ausbildung durch die Meister in den Betrieben und diejenigen, die dann die Ausbildung machen, sie abschließen und anschließend in die Fachberufe gehen. Das ist eine solche Stärke unseres Landes.
Ich möchte durch mein Hiersein heute auch noch einmal unterstreichen, wie wichtig das auch für mich persönlich ist. Deswegen will ich auch denen aus ganz unterschiedlichen Handwerksberufen danken, die mir heute gezeigt haben, was sie können, und das alles an einem Standort. Es ist wiederum das Verdienst der Stadt Hamburg, so eine Idee zu haben. Ich finde das wirklich beeindruckend. Mir hat es großen Spaß gemacht, das zu sehen.
Noch einmal Danke, aber auch Danke an die Handwerkskammer und an alle diejenigen, die ein solches Projekt ermöglichen.
Erster Bürgermeister Tschentscher:
Bei Ihrem nächsten Besuch, Herr Merz, zeigen wir Ihnen die berufliche Hochschule, weil wir genau die Stärkung der beruflichen Bildung dadurch herbeiführen wollen, dass wir auch eine Perspektive dafür bekommen, in den akademischen Bereich zu wechseln. Man kann in Hamburg eine solide berufliche Ausbildung und einen Bachelorabschluss gleichzeitig machen. Auch das soll die Attraktivität für die jungen Menschen erhöhen. Wir haben viele Interessenten für diesen Teil der beruflichen Ausbildung, denn das ist unser gemeinsames Interesse. Das Handwerk hat eine hervorragende berufliche Lebensperspektive, und das wollen wir allen ermöglichen, denen, die vielleicht auch die akademische Sichtweise in ihrer Biografie sehen, aber auch denen, die mit einer ganz soliden handwerklichen oder eben auch einer anderen Art von beruflicher Ausbildung beginnen wollen.
Bundeskanzler Merz:
Herr Tschentscher, vielleicht darf ich noch einen Werbeblock hinzufügen: Nicht nur die Durchlässigkeit aus dem Handwerk in die Hochschulen ist heute vielfältig anders, als sie es noch vor Jahr und Tag war. Wir sollten gemeinsam dafür sorgen, dass auch junge Frauen in die Handwerksberufe gehen, auch in die technischen Handwerksberufe gehen. Da fehlen sie. Sie haben ja gerade noch einmal ganz eindrucksvoll die Zahlen genannt: Diejenigen, die dann unter den Besten derjenigen sind, die die Abschlüsse machen, sind überproportional häufig die Frauen. Deswegen auch noch einmal wirklich eine Werbung für junge Frauen: Schaut euch auch die Handwerksberufe an! Da ist viel dabei, was auch für junge Frauen eine tolle berufliche Perspektive sein kann.
So, damit herzlichen Dank! Ich wende mich wieder den Niederungen der Berliner Regierungsgeschäfte zu.
Erster Bürgermeister Tschentscher:
Wir wünschen Ihnen viel Erfolg! Kommen Sie gerne wieder nach Hamburg.
Bundeskanzler Merz:
Sehr gerne! Vielen, vielen Dank!