Rede von Bundeskanzler Merz bei der Eröffnung der ILA 2026
Mit einem Rundgang und Rede eröffnete der Bundeskanzler die Internationale Luft- und Raumfahrt Ausstellung (ILA) in Berlin. „Deutschland war immer ein Pionier der Luftfahrt“, sagte er und stellte die neue Luftfahrtstrategie für einen starken Luftfahrtstandort Deutschland vor.
„Unsere Luft- und Raumfahrtindustrie sichert nicht nur Innovation und Wirtschaftskraft. Sie sichert eben auch unsere Souveränität und unsere Fähigkeit zur Landes- und Bündnisverteidigung“, sagte Kanzler Merz zur Eröffnung der ILA.
Foto: Bundesregierung/Tobias Koch
Bei seiner Rede zur Eröffnung der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) in Berlin stellte Bundeskanzler Friedrich Merz unter anderen auch die neue Luftfahrtstrategie der Bundesregierung vor. „Im Zentrum unserer Strategie stehen Wettbewerbsfähigkeit und Innovation in einer der Zukunftsbranchen unseres Landes“, betonte der Kanzler.
Das Wichtigste in Kürze:
- Luftfahrtstandort sichern: Neue Luftfahrtstrategie löst alte Strategie von 2014 ab. Sie ziele darauf ab so der Kanzler, Deutschland „als einen starken Luftfahrtstandort sichern und weiterentwickeln“. Deutschland und Europa sollten weltweit „führende Luftfahrtnationen und ein Kontinent der Luftfahrt bleiben können“. Die Strategie denke Luftverkehr, Luftfahrtindustrie und militärische Luftfahrt erstmals zusammen, identifiziere und benenne die wichtigsten Maßnahmen, so der Kanzler.
- Strategische Schlüsselbranche: „Die Luft- und Raumfahrtindustrie ist eine strategische Schlüsselbranche“, sagte der Bundeskanzler. Trotz schwacher Konjunktur erwirtschafte sie Rekordumsätze und verzeichne einen Beschäftigungszuwachs. Der Erfolg berufe auf Innovationen, die auch immer „Souveränität, Sicherheit und Zukunftsfähigkeit“ bedeuten, so Kanzler Merz.
- Luftverkehr stärken: Gegen die Herausforderungen der Luftverkehrswirtschaft hat die Bundesregierung ein Paket geschnürt, dass den Luftverkehr um 500 Millionen Euro entlastet – darunter die Streichung der E-Kerosinquote die Senkung der Flugsicherungsgebühren sowie der Luftverkehrssteuer. Der Kanzler sagte, auch die Kosten für die Flugsicherung der deutschen Regionalflughäfen werde übernommen.
- Sicherheit und Souveränität: Die deutsch-französische Kooperation in der Verteidigungsindustrie werde sich künftig auf das europäische System of Systems konzentrieren – einem IT-Systemverbund mit einer Combat Cloud, die Waffensysteme, Plattformen oder Sensoren vernetzt, sagte Bundeskanzler Merz. Die Arbeit am System of Systems solle bis zum deutsch-französischen Ministertreffen im Juli geklärt werden.
Lesen Sie hier die Mitschrift der Rede:
Sehr geehrter Herr Präsident des BDLI, lieber Herr Schöllhorn,
Herr Hoffmann für die Messe,
Frau von Massenbach für den Verband,
sehr geehrter Herr Ministerpräsident Woidke,
Herr Regierender Bürgermeister Wegner,
liebe Kolleginnen und Kollegen aus dem Bundeskabinett, Doro Bär und Patrick Schnieder,
liebe Kolleginnen und Kollegen aus dem Deutschen Bundestag,
Herr Generalleutnant Holger Neumann für die Bundeswehr,
meine sehr geehrten Damen und Herren,
herzlichen Dank für die sehr freundliche Begrüßung auf der ILA 2026 am heutigen Tag!
Es ist in der Tat so: Doro Bär, Patrick Schnieder und ich, wir kommen direkt aus der Sitzung des Bundeskabinetts, und wir haben heute Morgen in der Tat die neue Luftfahrtstrategie der Bundesregierung beschlossen. Deutschland war immer ein Pionier der Luftfahrt. Unsere letzte Luftfahrtstrategie stammt aus dem Jahr 2014. Unsere neue Luftfahrtstrategie zielt darauf ab, dass wir Deutschland nicht nur als einen starken Luftfahrtstandort sichern und weiterentwickeln. Im Zentrum unserer Strategie stehen Wettbewerbsfähigkeit und Innovation in einer der Zukunftsbranchen unseres Landes, damit wir in Deutschland und – Sie haben es richtigerweise gesagt, Herr Präsident, Herr Schöllhorn – Europa weltweit führende Luftfahrtnationen und ein Kontinent der Luftfahrt bleiben können. Wir denken dabei Luftverkehr, Luftfahrtindustrie und militärische Luftfahrt zusammen, und wir identifizieren Handlungsfelder und benennen die wichtigsten Maßnahmen.
Die Luftfahrtstrategie ist ein Signal an Sie alle, meine Damen und Herren aus dieser Industrie. Ihre Branche ist wichtig für Deutschland und für Europa. Die Luft- und Raumfahrt ist eine strategische Schlüsselbranche. Trotz der aktuell krisenhaften Zeiten, trotz der sonst schwachen Konjunktur erwirtschaften Sie Rekordumsätze und verzeichnen einen Beschäftigungshöchststand. Herzlichen Dank an Sie alle, meine Damen und Herren, dass Sie das in Ihren Unternehmen möglich machen.
Diese Erfolge beruhen vor allem auf einem: Sie beruhen auf Innovationen, und diese Innovationen stehen auch im Zentrum der diesjährigen ILA, die ich heute zum ersten Mal als Bundeskanzler eröffnen darf. Innovationen bedeuten auch immer Souveränität, Sicherheit und Zukunftsfähigkeit.
Meine Damen und Herren, schon hier auf dem Rollfeld hinter mir – Sie sehen es – zeigt sich mit dem A320neo von Airbus Deutschlands und Europas Stärke als global führender Standort des zivilen Flugzeugbaus besonders eindrucksvoll: hohe Treibstoffeffizienz, moderne Aerodynamik, innovative Triebwerke, zukunftsweisende Kabinenkonzepte. Die A320-Familie, und auch das haben Sie gerade gesagt, steht für Wertschöpfung und Beschäftigung in Deutschland und in Europa, bei Airbus und bei den sehr vielen Zulieferern, die auch heute hier vertreten sind. Ich will es auf einen Nenner bringen: Deutschland will die europäische Zukunftsgeschichte und Erfolgsgeschichte von Airbus fortschreiben. Das Kurz- und Mittelstreckenflugzeug der nächsten Generation, das Next-Generation-Single-Aisle-Flugzeug, sollte auch wieder in Deutschland mit Programmverantwortung in Hamburg gebaut werden.
Meine Damen und Herren, wir wollen auch dafür am Luftfahrtforschungsprogramm festhalten und die Möglichkeiten der Hightech Agenda nutzen. Die Luftfahrtstrategie weist genauso in diese Zukunft: Digitalisierung und Dekarbonisierung, eine emissions- und lärmarme Luftfahrt mit klimaneutralen Kraftstoffen sowie elektrischen und auf Wasserstoff basierenden Antrieben. Die Luftfahrtindustrie ist eben eine Innovationsindustrie, und sie ist eine Wachstumsbranche wie zurzeit keine andere in Deutschland und in Europa. Ich wiederhole die Schätzungen, die ich schon beim 100. Geburtstag der Lufthansa in Frankfurt vor einigen Wochen zitiert habe: Weltweit wird sich der Luftverkehr bis zum Jahr 2050 noch einmal verdoppeln. In den kommenden 20 Jahren werden auf der Welt mehr als 40.000 neue Flugzeuge gebraucht.
Meine Damen und Herren, und trotzdem, trotz dieser Wachstumsperspektive steht die Luftverkehrswirtschaft vor großen Herausforderungen. Deswegen haben wir schon im vergangenen November ein umfassendes Maßnahmenpaket geschnürt. In aller Kürze: Die E-Kerosin-Quote haben wir gestrichen, die Flugsicherungsgebühr haben wir gesenkt, die letzte Erhöhung der Luftverkehrssteuer haben wir zurückgenommen, und wir übernehmen jetzt auch die Flugsicherungskosten für die deutschen Regionalflughäfen. Das Paket wird den Luftverkehr aus Deutschland insgesamt um rund eine halbe Milliarde Euro, um rund 500 Millionen Euro entlasten. Wir werden die Lage weiter eng beobachten und prüfen, welche weitergehenden Schritte nötig und möglich sind. Mir ist wichtig, dass die Maßnahmen der Luftverkehrsstrategie, die wir heute Morgen beschlossen haben, jetzt auch wirklich umgesetzt werden, und das werden wir auch mit einer Steuerungsgruppe aus der Bundesregierung heraus nachhalten.
Meine Damen und Herren, unsere Luft- und Raumfahrtindustrie sichert nicht nur Innovation und Wirtschaftskraft. Sie sichert eben auch unsere Souveränität und unsere Fähigkeit zur Landes- und Bündnisverteidigung. Wir haben in den letzten Monaten den Rahmen dafür geschaffen, in die notwendige Verteidigungsfähigkeit Deutschlands und Europas zu investieren. Gerade in der Luft- und Raumfahrt müssen wir Schlüsselkompetenzen und Zukunftstechnologien stärken.
Die Luftwaffe, die Bundeswehr, fliegt den Eurofighter, in Kürze auch über uns und hier über dem Messegelände. Der Eurofighter ist ein erfolgreiches Beispiel für europäische Rüstungskooperationen, die wir gemeinsam betreiben, weiterentwickeln und auch exportieren. Deswegen erlauben Sie mir, Herr Schöllhorn, auch an dieser Stelle noch einmal ein Wort zu FCAS. Präsident Macron und ich haben es uns in dieser Frage eines deutsch-französischen Kampfflugzeuges wirklich nicht leicht gemacht. Über Monate haben wir zusammen mehrere Anläufe unternommen, um die beteiligten Unternehmen zu einer Einigung zu bewegen, und nach einem Mediationsverfahren, das wir angestrengt haben und das durchgeführt worden ist, haben Präsident Macron und ich uns schließlich geeinigt. Wir sind zu der geteilten Einschätzung gelangt, dass die Unternehmen beim Bau eines gemeinsamen Kampfflugzeuges nicht zueinander finden. Diese Realität erkennen wir an. Präsident Macron und ich haben deshalb am vergangenen Freitag vereinbart, den Bau eines gemeinsamen Kampfflugzeuges nicht weiter zu verfolgen. Damit, meine Damen und Herren, lösen wir eine langjährige Blockade auf, wir eröffnen der Industrie neue Möglichkeiten, beim Bau moderner Kampfflugzeuge auf anderen Wegen weiter voranzukommen. Den eigentlichen Kern von FCAS werden wir als europäisches System der Systeme, als „System of Systems“, weiterführen, und hierin liegt eine große Chance eines zentralen deutsch-französischen verteidigungsindustriellen Zukunftsprojekts, das wir gemeinsam verwirklichen wollen. Wie sich das umsetzen lässt, werden jetzt unsere Verteidigungsminister bis zum nächsten deutsch-französischen Regierungstreffen in Deutschland, das wir im Juli abhalten werden, erarbeiten.
Aber auch bei dem bleiben wir nicht stehen. Beim deutsch-französischen Ministerrat in Deutschland im Juli werden unsere Verteidigungsminister einen umfassenden gemeinsamen zeitgemäßen Arbeitsplan zur verteidigungsindustriellen Zusammenarbeit formulieren. Auch in dieser Hinsicht gilt: Wir wollen einige wenige relevante, aber dann auch machbare Vorhaben, die einen echten Unterschied für unsere gemeinsame Sicherheit ausmachen, verwirklichen. Wir wollen auch eine bessere Governance für unsere Vorhaben entwickeln.
Ein Schlüsselvorhaben in diesem Zusammenhang ist unsere im März begründete Zusammenarbeit bei der nuklearen Abschreckung. Auch dazu ein Wort: In der Umsetzung der Initiative von Präsident Macron zur „forward nuclear deterrence“ wollen wir weiter entschlossen gemeinsam vorangehen, und es wird andere europäische Staaten geben, die sich an dieser Initiative beteiligen. Wir folgen dabei einem klaren deutsch-französischen, aber auch einem klaren europäischen Kompass. Wir stärken gemeinsam Europas Verteidigung und auch Europas Verteidigungsindustrie. Das ist zwingend für unsere Sicherheit und unsere Souveränität. Es ist nicht zuletzt auch gut für unsere gemeinsame Industrie.
Schließlich – wir haben es heute Morgen beim ersten Rundgang auch gesehen – wollen wir auch in der Drohnentechnologie in Deutschland unsere Potenziale nutzen. Zwei Unicorns aus Deutschland zählen zu den innovativsten Unternehmen auf der ganzen Welt. Mit der Luftfahrtstrategie werden wir diese technologischen Stärken künftig noch intensiver für unsere Verteidigung erschließen. Ich freue mich deshalb, dass ich auch gleich bei Quantum Systems an der Vorstellung eines neuen Projekts teilnehmen darf.
Meine Damen und Herren, der Bundesverteidigungsminister hat im vergangenen Herbst angekündigt, dass wir mit 35 Milliarden Euro unsere Verteidigungsarchitektur im All aufbauen. Auch so werden wir Europas Souveränität, Verteidigungsfähigkeit und technologische Resilienz stärken, auch und nicht zuletzt im Rahmen der NATO. Diese Investitionen sind, gemeinsam mit denen des Raumfahrtministeriums, liebe Doro Bär, die größten Investitionen, die Deutschland je in der Raumfahrt getätigt hat. Der Weltraum ist nicht nur entscheidend für unsere Sicherheit, der Weltraum wird immer mehr Teil auch unseres Wirtschaftsraumes. Schlüsseltechnologien, um ihn zu erschließen, sind dabei Trägersysteme. Ein Modell der Ariane 6, die im Sommer 2024 zum ersten Mal erfolgreich gestartet ist, werde ich gleich besuchen. Bei Trägerraketen erwartet die ESA einen Nachfrageboom. Bis in die 2030er-Jahre werden jedes Jahr Hunderte kleinere und mittlere Satelliten aus Europa ins All zu bringen sein. Europa muss jetzt schnell sein. Der von uns unterstützte Trägerwettbewerb der ESA soll den Aufbau wettbewerbsfähiger europäischer Startdienstleistungen vorantreiben. Ja, und im März dieses Jahres hatte ich Gelegenheit, den Raketenstartplatz in Norwegen zu besuchen. Wir sind voller Erwartung, dass Isar Aerospace noch im Juni der Start einer Trägerrakete von Andøya aus gelingt und rasch weitere Missionen folgen und Rocket Factory Augsburg und Hylmpulse bald nachziehen. Das kann der Beginn einer europäischen Raumfahrtökonomie sein, die unsere industrielle Zukunft, meine Damen und Herren, sehr stark prägen wird.
Sie sehen also: Die ILA weckt Zuversicht für einen neuen Aufbruch, sie weckt Begeisterung für Technologie, und sie macht einfach Lust auf eine gemeinsame Zukunft. Auf dieser größten Luft- und Raumfahrtmesse Europas präsentiert sich Deutschland als ein Land, das die Zukunft des Fliegens lebt und in sie investiert, das einen attraktiven Standort für die gesamte Luftfahrtindustrie darstellt, das mit Innovationen der zivilen und militärischen Luft- und Raumfahrt an der Weltspitze steht. Deswegen bin ich heute, meine Damen und Herren, gern hier. Weil ich sie mit vielen von Ihnen teile: Es ist eben auch die Leidenschaft für die Fliegerei.
Mein Dank gilt dem BDLI, der Messe Berlin und den Ländern Berlin und Brandenburg für die Ausrichtung dieser Messe. Ich will mich herzlich bei der Europäischen Kommission für die Unterstützung als strategischer Partner der Messe bedanken. Ich wünsche schließlich, meine Damen und Herren, allen Ausstellern und Besucherinnen und Besuchern erfolgreiche Messetage auf der ILA 2026.
Ich eröffne hiermit die ILA 2026 in Berlin-Brandenburg. Herzlichen Dank!