Deutschland und Bulgarien setzen auf Wettbewerbsfähigkeit und Europas Stärke

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Bundeskanzler Merz und Ministerpräsident Radev beim Empfang mit militärischen Ehren.

Bundeskanzler Merz und Bulgariens Ministerpräsidenten Rumen Radev betonten die enge Partnerschaft zwischen Deutschland und Bulgarien in Wirtschaft und EU-Politik

Foto: Bundesregierung/Laurin Schmid

Der bulgarische Ministerpräsident Rumen Radev wurde von Bundeskanzler Merz im Bundeskanzleramt empfangen. Sein Besuch so kurz nach dem Amtsantritt als bulgarischer Ministerpräsident am 8. Mai unterstreiche, wie eng Bulgarien und Deutschland in Europa verbunden seien. 

Angesichts der enormen sicherheitspolitischen Herausforderungen sei eine enge Abstimmung in Europa wichtiger denn je. Zudem bekräftigte Merz die Bedeutung Deutschlands als größter Handelspartner Bulgariens. In den Bemühungen um einen gerechten Frieden in der Ukraine werde man nicht nachlassen, sagte der Kanzler.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Wirtschaft und Wettbewerbsfähigkeit: Im Bereich der bilateralen wirtschaftlichen Zusammenarbeit hob Bundeskanzler Merz den Stellenwert Deutschlands als größter Handelspartner Bulgariens hervor. Um die Wettbewerbsfähigkeit der EU weiter zu stärken, sei es nötig, den Binnenmarkt zu vertiefen, Bürokratie konsequent abzubauen und die internationalen Handelspartnerschaften auszubauen. Beim informellen Europäischen Rat auf Zypern sei dazu ein Fahrplan unterzeichnet worden, dessen Maßnahmen und Ziele teils noch im Jahr 2026 verabschiedet werden sollen.
  • Verteidigung und klare Botschaft an Teheran: „Übermäßige Verschuldung bedroht vielen Ortes längst die Souveränität und bindet die Handlungsfähigkeit“, sagte Merz. Nötig seien Investitionen in die europäischen Prioritäten Wettbewerbsfähigkeit und Verteidigung. Zudem forderte der Kanzler ein überprüfbares Ende des militärischen iranischen Nuklearprogramms sowie die Wiederherstellung der freien Schifffahrt in der Straße von Hormus.
  • Europäische Solidarität und Frieden in der Ukraine: Die konsequente europäische Unterstützung bleibe für Kyjiw werde fortgesetzt, zugleich solle der Druck auf Moskau weiter erhöht werden. Bundeskanzler Merz dankte Bulgarien, dass es diesen Weg in europäischer Solidarität mitgehe. Ziel bleibe ein dauerhafter und gerechter Frieden in der Ukraine. Europa sei bereit, gemeinsam mit der Ukraine, Russland und den Vereinigten Staaten an den Verhandlungstisch zu kommen.

Sehen Sie hier das Video der Pressekonferenz:

29:12

Video Pressekonferenz von Bundeskanzler Merz und Bulgariens Ministerpräsident Rumen Radev

Lesen Sie hier das gesamte Pressestatement:

(Die Protokollierung des fremdsprachlichen Teils erfolgte anhand der Simultandolmetschung.)

Bundeskanzler Friedrich Merz

Meine Damen und Herren, herzlich willkommen und ein besonders herzliches Willkommen dem neuen bulgarischen Ministerpräsidenten Rumen Radev zu seinem ersten Besuch außerhalb des eigenen Landes, zehn Tage nach seiner Wahl zum Ministerpräsidenten! Wir freuen uns sehr, dass Sie heute in Berlin sind – und ganz herzlichen Glückwunsch zum ersten Platz im Eurovision Song Contest mit „Bangaranga“! Ganz Europa ist im Rausch dieses Songs, und das wird wahrscheinlich der Ohrwurm des Sommers 2026 werden.

Ihr Besuch so kurz nach der Amtseinführung und nach dem Amtsantritt unterstreicht, wie eng unsere beiden Länder miteinander verbunden sind. Wir fühlen uns geehrt und danken sehr dafür, dass Sie heute nach Berlin gekommen sind. Es gibt viele tausend Bulgarinnen und Bulgaren, die in Deutschland leben. Wir sind auch wirtschaftlich sehr eng miteinander verbunden. Deutschland ist der größte Handelspartner. Für Bulgarien und in der Europäischen Union sind wir seit vielen Jahren gute Partner.

Ich freue mich, diese Verbindung unter Ihrer Führung jetzt auch in der Europäischen Union fortzusetzen und im Europäischen Rat gemeinsam Europa zu stärken. Denn das ist unser gemeinsames Anliegen, so haben wir es eben auch besprochen. Ich muss das sagen: Ich bin sehr dankbar, dass die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Europäischen Union eines unserer gemeinsamen zentralen Anliegen für die Europäische Union ist. Wir müssen dafür den Binnenmarkt vertiefen, wir müssen Bürokratie konsequent zurückbauen und wir müssen unsere internationalen Handelsbeziehungen weiter ausbauen.

Wir haben beim informellen Europäischen Rat auf Zypern mit dem Europäischen Parlament, dem Rat und der Europäischen Kommission dazu eine gemeinsame Verabredung getroffen, einen Fahrplan unterzeichnet, der Maßnahmen und Zeitziele beinhaltet. Viele dieser Maßnahmen sollen noch im Jahr 2026 verabschiedet werden. Viele weitere sollen in den Folgejahren folgen.

Wir brauchen zugleich ein souveränes und wirtschaftlich starkes Europa, auch mit einem reformierten Mehrjährigen Finanzrahmen. Wir werden in diesem Jahr versuchen festzulegen, wohin wir die europäischen Gelder in Zukunft lenken wollen. Für mich und auch für die Bundesregierung ist dabei klar: Wir brauchen Investitionen in unsere Prioritäten Wettbewerbsfähigkeit und Verteidigung. Deswegen unterstützen wir ja auch den von der Kommission vorgelegten Vorschlag eines Mehrjährigen Finanzrahmens, der nachdrücklich diese Ziele unterstützt – Souveränität, Wettbewerbsfähigkeit und Verteidigung.

Uns ist wichtig, auch mir persönlich: Übermäßige Verschuldung darf es in der Europäischen Union nicht geben. Diese Verschuldung bedroht heute schon vielen Ortes die Souveränität, sie bindet auch die Handlungsfähigkeit. Einige Länder geben heute mehr für Zinsen aus als für Verteidigung. In eine solche Lage dürfen wir in der Europäischen Union insgesamt nicht kommen.

Mit Blick auf unsere enormen sicherheitspolitischen Herausforderungen war eine enge Abstimmung in Europa nie wichtiger als heute. Wir werden in unseren Bemühungen für einen dauerhaften und gerechten Frieden auch in der Ukraine nicht nachlassen. Auch darüber haben wir heute gesprochen. Wir erhöhen weiter den Druck auf Moskau. Auf Europas konsequente Unterstützung kann sich Kyjiw verlassen. Moskau muss verstehen, dass es verhandeln muss. Europa steht bereit, an den Verhandlungstisch zu kommen, mit der Ukraine, mit Russland und mit den Vereinigten Staaten.

Ich bin froh und dankbar, lieber Rumen Radev, dass Bulgarien diesen Weg in europäischer Solidarität mitgehen will. Dass Europa seit dem Antritt der neuen ungarischen Regierung zu einer neuen Geschlossenheit und Entschlossenheit gefunden hat, wird uns dem Frieden ein Stück näherbringen.

Meine Damen und Herren, heute vielleicht eine letzte Botschaft an den Iran: Teheran darf nicht länger die Region und die ganze Welt zur Geisel nehmen. Das militärische Nuklearprogramm muss überprüfbar beendet werden. Es darf keine Schläge gegen Israel und unsere Partner in der Region geben. Iran muss die freie und gebührenfreie Durchfahrt durch die Straße von Hormus wieder ermöglichen. Wir werden uns dafür weiter einsetzen. Sie wissen, dass ich am letzten Freitag mit Präsident Trump telefoniert habe. Wir waren uns über die Ziele und die Notwendigkeit einer Verhandlungslösung einig.

In diesem Sinne noch einmal: Sehr herzlichen Dank für das Kommen nach Berlin, für den ersten Besuch, für den Antrittsbesuch heute. Ich freue mich auf unsere Zusammenarbeit in der Europäischen Union. Ich freue mich aber auch auf die Vertiefung der bilateralen Beziehungen zwischen Deutschland und Bulgarien. Bulgarien wird unter Ihrer Führung ein wichtiger und interessanter Investitionsstandort, auch für die deutsche Wirtschaft. Es gibt attraktive Investitionsbedingungen in Bulgarien. Das stärkt uns gemeinsam in der Europäischen Union, aber auch zwischen unseren beiden Ländern. Insofern kann ich nur noch einmal sagen: Auf gute Zusammenarbeit, bilateral, aber auch in der Europäischen Union!

Ministerpräsident Rumen Radev

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, sehr verehrte Damen und Herren, ich danke herzlich für diesen warmherzigen Empfang, auch für die Einladung. Für mich und für meine Delegation ist es eine große Ehre, hier in Berlin zu sein. Es ist gar nicht zufällig, dass mein erster Besuch als Ministerpräsident der Republik Bulgarien in Ihrem Land ist. Deutschland ist unser strategischer Verbündeter, Partner und langjähriger Freund. 

Deutschland ist ein führender Investor in Bulgarien und mit einem jährlichen Umsatz von 12 Milliarden Euro Warenumtausch Bulgariens größter Handels- und Wirtschaftspartner. Das ist eine Zahl, die jedes Jahr steigt.

Ich habe den Bundeskanzler mit der sozial-ökonomischen Entwicklung in Bulgarien und mit den Ergebnissen der durchgeführten außerordentlichen Parlamentswahlen vor einem Monat vertraut gemacht. Bulgarien ist ein Land mit einem bedeutenden Potenzial, und das nicht nur wegen der strategischen geografischen Lage des Landes, das Mitteleuropa und den Balkan miteinander verbindet, mit der großen Region des Schwarzen Meeres, die immer bedeutender wird, und auch mit dem nahen und weiteren Osten. Bulgarien hat es in den vergangenen Jahren geschafft, die Interkonnektivität zu erweitern und wichtige europäische digitale Transportnetze zu verbinden. Mithilfe der deutschen Investitionen haben wir es geschafft, eine moderne Verarbeitungsindustrie und weitere Industrien zu entwickeln. Wir haben hochtechnologische Produktionskapazitäten im Automobilsektor, in der Elektronik, der Mechatronik, der Weltraumtechnologie und der Verteidigungswirtschaft eingeführt. Wir haben ein nachhaltiges Start-up- und IT-System aufgebaut, in dem AI eine immer wichtigere Rolle spielt. Wir haben es geschafft, den deutschen Tourismus zu allen Jahreszeiten zu erhöhen, und ich hoffe, dass diese Tendenz fortgeführt wird; denn dies freut mich wirklich.

Das Wichtigste ist aber, dass Bulgarien sich nicht nur als ein Peripherieland sieht, sondern sich zu einem wichtigen Industrie- und Logistikpartner Deutschlands und Europas umgewandelt hat. Wir verdanken das vor allen Dingen der Hingabe, dem Talent und dem Ehrgeiz unserer Landsleute, erfolgreich zu sein. Der Herr Bundeskanzler hat mich hier überrascht, indem er den Sieg Bulgariens beim Eurovision Song Contest angesprochen hat. Auch das ist ein Zeichen für die Talente meines Volkes, und wir hoffen, dass das Interesse Deutschlands auch in ein Investitionsinteresse gipfelt.

Ich möchte hier auch darauf hinweisen, dass wir in den letzten fünf Jahren aufgrund politischer Instabilität und von Defiziten bei der Rechtsstaatlichkeit in Bulgarien nicht in der Lage waren, unsere Potenziale voll auszuschöpfen. Nun hat sich das aber geändert: Zum ersten Mal seit 30 Jahren haben wir eine politische Kraft, die die Wahlen mit einer sehr breiten gesellschaftlichen Unterstützung gewonnen hat und auch eine überzeugende Mehrheit im Parlament hat. Mehr noch, wir haben jetzt eine neue technokratisch geprägte und sehr energetische Regierung, die ein klares Programm aufgestellt hat. Wir wollen die Rechtsstaatlichkeit stärken. Wir wollen den Weg für eine beschleunigte wirtschaftliche Entwicklung des Landes öffnen: über die Einführung von Hochtechnologieproduktion und KI-Lösungen, durch die Stärkung der Energiesicherheit, durch Beschleunigung von Infrastruktur- und Energieprojekten sowie durch die Steigerung der Produktivität. Von besonderer Bedeutung ist dabei ‑ darüber haben wir mit Herrn Merz gerade gesprochen ‑ die gezielte und offensive Gewinnung internationaler Investitionen.

Wir haben auch ganz eindeutig unsere Verantwortung für die wirtschaftliche und energetische Sicherheit Europas erklärt. Dafür sind wir hier ‑ das möchte ich betonen ‑, denn wir glauben daran, dass Bulgarien und Deutschland zusammen eine neue Seite in ihren Beziehungen eröffnen können. Es geht nicht nur um Handel und Investitionen, sondern es geht auch um gemeinsame Lösungen, damit wir gemeinsam zur strategischen Autonomie und zur neuen industriellen Sicherheit Europas beitragen, und zwar über hochtechnologische Produktion, über modern produzierte, sichere, zuverlässige Energie und natürlich über transparentes Management der Länder. Wir haben uns in dieser Hinsicht immer auf Deutschland verlassen, und das wollen wir auch in Zukunft tun.

Diese Ziele unter Bedingungen globaler politischer Unsicherheit sowie angesichts von Kriegen und Konflikten in unserer Nachbarschaft zu erreichen, erfordert, dass Europa eine deutlich stärkere Rolle in der Diplomatie übernimmt und größere Anstrengungen unternimmt, deeskalierend zu wirken und zum Frieden zurückzufinden. Das, was der Herr Bundeskanzler gerade ausgeführt hat, nämlich dass Europa bereit ist und darauf hinarbeitet, dass Gespräche zwischen den USA, Europa, der Ukraine und Russland stattfinden, ist außerordentlich wichtig für unsere Zukunft.

Wir brauchen aber auf jeden Fall noch etwas, und zwar eine klare Strategie für eigene europäische Verteidigungskapazitäten. Dafür müssen wir unsere Wettbewerbsfähigkeit erhöhen und unsere verteidigungsindustrielle Basis stärken. Die Beziehungen zu Deutschland entwickeln sich in dieser Hinsicht sehr intensiv, und ich hoffe, dass das auch in Zukunft so weitergeht.

Unser Augenmerk liegt derzeit stark auf Wettbewerbsfähigkeit und Verteidigung, aber wir dürfen auch die Kohäsionspolitik und auch die gemeinsame Agrarpolitik nicht vergessen, denn das sind Schlüssel zum Wichtigsten: zur sozialwirtschaftlichen Heranführung und zur Vereinheitlichung Europas.

Ich habe hier auch unsere Sorge mitgeteilt, dass der neue Mechanismus zur Planung des Mehrjährigen Finanzrahmens Bulgarien in die Situation bringt, einen zweimal höheren Beitrag zahlen zu müssen, und zwar vor dem Hintergrund zusätzlicher Ausgaben für die Einführung des Euro bei uns. Ich hoffe aber, dass wir über Dialog und gemeinsame Überlegungen eine wahre Bilanz, einen guten Weg erreichen werden. Denn das sind zwei Ziele, die sich keineswegs widersprechen dürfen; sie müssen sich gegenseitig ergänzen.

Wir haben unsere Genugtuung hinsichtlich der Bemühungen, die von beiden Seiten geleistet wurden, geäußert, was die innere Sicherheit und die Bekämpfung der illegalen Migration, der grenzüberschreitenden Kriminalität und des Terrorismus betrifft.

Ganz besonders sind unsere ausgezeichneten Beziehungen auf dem Gebiet der Kultur, der Bildung, der Wissenschaft und des Tourismus hervorzuheben. Noch etwas Wichtiges ‑ damit mache ich Schluss ‑ ist der Umstand, dass mehr als 400 000 bulgarische Staatsangehörige hier in Deutschland leben, arbeiten und lernen. Sie tragen natürlich auch zur Entwicklung der deutschen Wirtschaft bei. Gleichzeitig gibt es immer mehr deutsche Staatsangehörige, die nach Bulgarien ziehen und auch zeitweilig oder länger in Bulgarien leben. Das ist eine wichtige Brücke, um die Entwicklung unserer Beziehungen zu fördern.

Verehrter Herr Bundeskanzler, mein lieber Friedrich, ich bedanke mich noch einmal für den wirklich sehr herzlichen Empfang. Ich bin überzeugt, dass die Gespräche, die wir geführt haben, nur der Anfang einer sehr fruchtbaren Zusammenarbeit im Sinne der Prosperität unserer beiden Völker und im Sinne des Friedens und der Sicherheit in Europa sind.