Deutscher Schulpreis 2026
Für mehr gute Schulen – das ist das Motto des Deutschen Schulpreises. Bundeskanzler Merz hat den mit 100.000 Euro dotierten Hauptpreis übergeben und hat insbesondere die Arbeit der Lehrerinnen und Lehrer in Deutschland gewürdigt.
Eine der wichtigsten Aufgaben der Gesellschaft sei, Kinder und Jugendliche gut auszubilden, sagte Bundeskanzler Merz bei der Verleihung des Deutschen Schulpreises.
Foto: Bundesregierung/Xander Heinl
Mit dem Deutschen Schulpreis werden jedes Jahr Schulen ausgezeichnet, die mit innovativen Ideen guten Unterricht gestalten. Bundeskanzler Friedrich Merz hat den diesjährigen Hauptpreis übergeben: Er ging an die Bertha-von-Suttner-Schule in Mörfelden-Walldorf in Hessen, eine der größten Gesamtschulen Deutschlands.
Die Schule entwickelt ihren Unterricht kontinuierlich weiter – mit Hilfe von systematisch ausgewerteten Daten, die pädagogische Entscheidungen lenken. Gleichzeitig haben die Schülerinnen und Schüler eine feste Bezugsperson: Sie werden von sogenannten „Hausleitungen“ persönlich begleitet. Mit sehr gutem Ergebnis: Obwohl nur 15 Prozent der Kinder eine Gymnasialempfehlung mitbringen, erreichen zwei Drittel der Jugendlichen am Ende das Abitur.
Preis für vorbildlich arbeitende Schulen
Der Bundeskanzler würdigte die Arbeit dieser Schule und der weiteren 14 Schulen, die für das Finale des Deutschen Schulpreises nominiert wurden: „Ihr geht mit tollen Beispielen voran.“ Man müsse sich aber um alle Schulen kümmern, auch um die, die keine Chance gehabt hätten, den Wettbewerb zu gewinnen oder daran teilzunehmen. Der Bundeskanzler dankte insbesondere auch den Lehrerinnen und Lehrern und sagte, sie seien die wichtigste Berufsgruppe: „Sie leisten wirklich Großartiges für unser Land.“
„Für die Bundesregierung, für mich als Bundeskanzler ist es eine der wichtigsten, wenn nicht sogar die wichtigste Aufgabe unserer Gesellschaft, dafür zu sorgen, dass Kinder, Jugendliche und junge Menschen in diesem Land eine gute Ausbildung bekommen“, betonte er.
Der Deutsche Schulpreis ist der renommierteste und höchstdotierte Preis für vorbildlich arbeitende Schulen. Die Robert Bosch Stiftung vergibt die Auszeichnung seit 2006 gemeinsam mit der Heidehof Stiftung.
Seit dem Start der Initiative haben sich mehr als 2.800 Schulen für den Preis beworben. Bei der Auswahl der Preisträger-Schulen steht für die Jury die Unterrichtsqualität und die Frage, wie Schulen das Lehren und Lernen für ihre Schülerinnen und Schüler am besten gestalten können, im Mittelpunkt.
Lesen Sie hier die Mitschrift der Rede:
Vielen Dank für die freundliche Begrüßung! Herzlichen Dank, dass Sie und dass ihr alle heute nach Berlin gekommen seid! Ich will mich bei Herrn Straub und der Boschstiftung, bei Herrn Danner-von Wilpert und der Heidehof-Stiftung sowie bei der „ZEIT“ bedanken, aber auch bei allen, die diese tolle Veranstaltung heute möglich machen.
Für mehr gute Schulen! – Das war 2006 der Anstoß zur Verleihung des Deutschen Schulpreises, vor 20 Jahren. Das Ergebnis der PISA-Studie hat mit zu dieser Idee und zu dieser Initiative geführt. Meine Damen und Herren, wir haben vor zwei Wochen erneut Ergebnisse der PISA-Studie gesehen. Erneut wurden uns die großen Defizite in unserem Bildungssystem dokumentiert. Aber dies ist kein Grund, um zu verzweifeln. Dies ist kein Grund, um aufzugeben. Dies ist ein Grund, um jetzt noch mehr zu tun, und zwar dafür, dass unsere Bildung in Deutschland besser wird. Das zeigen wir auch heute mit einem solchen Tag.
Denn es gibt ja nicht nur die PISA-Studien, diese abstrakte Beschreibung dessen, was in unserem Bildungssystem im Argen liegt. Es gibt so etwas wie den Tag heute. Es gibt Schulen, es gibt Schülerinnen und Schüler voller Optimismus, voller Enthusiasmus, Bildungskonzepte, Ideen in den Schulen, die etwas Neues ausprobieren. Aus diesem Grund habe ich gesagt, dass ich den Sonderpreis des heutigen Tages gern selbst überreichen will. Denn mir ist wichtig, dass Sie und dass Ihr alle Schülerinnen und Schüler, vor allen Dingen ihr, wisst: Für uns, für die Bundesregierung, für mich als Bundeskanzler ist es eine der wichtigsten, wenn nicht sogar die wichtigste Aufgabe unserer Gesellschaft, dafür zu sorgen, dass Kinder, Jugendliche und junge Menschen in diesem Land eine gute Ausbildung bekommen und für den Weg ihres Lebens vorbereitet werden. Deswegen bin ich heute hier.
Ich bin dankbar, dass ich noch einige Minuten zuhören und zuschauen durfte, wie die Preise vergeben worden sind. Es gibt sie, diese Schulen, diese Ideen, diese Eltern und diese Lehrerinnen und Lehrer, die dazu beitragen, dass unser Bildungssystem besser wird. Wir haben es gesehen. Deswegen will ich den Eltern, die heute hier sind und ihre Kinder begleiten, ein Wort des Dankes sagen. Ich will ein ganz besonders herzliches Wort des Dankes an die Lehrerinnen und Lehrer richten. Sie leisten wirklich Großartiges für unser Land. Wenn Sie dies nicht täten, dann wären die Kinder heute nicht da. Deswegen noch einmal: Danke für Ihr Engagement! Danke für Ihre Arbeit! – Ich werde nicht müde zu sagen – ich sage das nicht deshalb, weil wir heute hier sind, sondern ich sage das auch bei vielen anderen Gelegenheiten, wenn gar kein Lehrer im Raum sitzt –: Lehrerinnen und Lehrer sind die wichtigste Berufsgruppe unseres Landes. Sie sind die wichtigste Berufsgruppe. Denn, ganz einfach – jetzt spreche ich einmal nicht als Bundeskanzler, sondern als Vater und Großvater –: Wir vertrauen Ihnen das Wertvollste an, was wir haben. Das sind unsere Kinder.
Deswegen, liebe Kinder, will ich es euch sagen: Ihr geht mit tollen Beispielen voran. Ich habe in der Vorbereitung gesehen, was für Schulen hier vertreten sind, aus ganz unterschiedlichen Teilen unseres Landes, und was ihr macht, was auch dazu geführt hat, dass ihr heute hier seid und verdientermaßen diese Preise bekommt. Ihr seid Vorbilder. Aber bitte lasst uns heute auch an die Schulen denken, die sich am Wettbewerb beteiligt haben und nicht in diese oberste Liga vorgestoßen sind! Lasst uns bitte auch an diejenigen denken, die gar nicht erst teilgenommen haben, weil sie vielleicht nicht die Chancen gesehen haben, ausgezeichnet zu werden! Wir müssen uns um alle kümmern.
Vielleicht darf ich das an dieser Stelle auch hinzufügen: Ich habe mit meiner Frau – auch vor 20 Jahren; das war ein reiner zeitlicher Zufall – eine eigene Stiftung für Bildung und Ausbildung in meiner Heimatstadt Arnsberg gegründet. Das ist die Stadt, in der wir leben, eine Stadt mit 80.000 Einwohnern, gut 20 Schulen und einem breiten Bildungsangebot. Wir fördern jedes Jahr Schülerinnen und Schüler, Schulen, Stipendien, und wir versuchen, auch Lehrerinnen und Lehrern zum Beispiel Fortbildung zu ermöglichen. Ich möchte, dass Sie dieses Beispiel, und ich nehme mich nur als einen von vielen, die es auch machen, als Ansporn dafür nehmen, dass wir uns alle in unserer Gesellschaft mehr um unsere Schulen kümmern.
Ich will einen Aufruf wiederholen, den ich gestern gehört habe, und vielleicht hat es der ein oder andere von euch und von Ihnen mitbekommen. Wir haben gestern 75 Jahre Bundesverfassungsgericht gefeiert. Wir haben das wirklich gefeiert, weil es ein Grund zum Feiern war. Das höchste deutsche Gericht, erst 1951 eingerichtet, das letzte Verfassungsorgan, das in Deutschland eingerichtet wurde, ist gestern 75 Jahre alt geworden, und der Präsident des Bundesverfassungsgerichtes hat gesagt: Unser Rechtsstaat, unsere Demokratie lebt von einem Grundprinzip: Bei uns steht das Recht über der Macht. – Es gibt etwas, das über mir steht als Bundeskanzler. Es ist das Recht, die Rechtsordnung, unsere freiheitliche, offene Gesellschaft, verteidigt und geschützt vom Bundesverfassungsgericht.
Jetzt sage ich den Lehrerinnen und Lehrern und den Eltern etwas. Der Präsident des Bundesverfassungsgerichts hat gestern einen guten Vorschlag gemacht, und den möchte ich mir zu eigen machen: Laden Sie in Ihren Städten, in Ihren Gemeinden, in Ihren Ortsteilen, in Ihren Stadtteilen, in denen Sie die Schulen haben, ganz regelmäßig auch einmal die Richter der örtlichen Gerichte ein, um den Schülerinnen und Schülern zu erklären, was eigentlich unsere Rechtsordnung ausmacht. Was macht unseren Staat aus? Was macht unsere Demokratie aus? Was macht es aus, in einem Staat zu leben, in dem Recht gesprochen wird? Zu akzeptieren, wie unser Rechtsstaat funktioniert, zu akzeptieren, dass Demokratie der Wille der Mehrheit ist, aber begrenzt wird durch Recht, durch Ordnung und durch Verfassung! Das, finde ich, ist eine großartige Idee, und die möchte ich heute Morgen spontan ansprechen, hier wiederholen und Sie bitten, die Eltern und die Schülerinnen und Schüler und die Lehrer: Laden Sie die Rechtsprechung in Ihre Schulen ein, weil diejenigen, die Recht sprechen, diejenigen sind, die das Wertvollste verteidigen, das wir in unserer Demokratie haben, nämlich die Freiheit.
In diesem Sinne noch einmal herzlichen Dank für die Einladung, aber einen ganz besonders herzlichen Dank an alle diejenigen, die dieses großartige Ereignis hier heute ermöglichen. Ich freue mich, wenn ich euch sehe. Ich freue mich, wenn ich diese strahlenden, optimistischen Gesichter von euch sehe!
Ich werde oft gefragt, und dies soll meine abschließende Bemerkung sein, warum ich das mache, warum ich in die Politik gegangen bin, warum ich zwölf Jahre draußen war und dann wieder zurückgekehrt bin und jetzt auch das Amt des Bundeskanzlers innehabe. Ich will eine ganz einfache Antwort geben, und das ist meine ehrliche, innere Antwort, die ich von ganzem Herzen gebe: Ich mache das, damit ihr die gleichen Chancen habt, in einem offenen, freiheitlichen, liberalen Land zu leben, wie meine Generation sie gehabt hat. Ich bin jetzt 70 Jahre alt. Ich habe nichts anderes kennengelernt als Frieden, als Freiheit und als ein wohlhabendes Land. Ich möchte, dass das so bleibt, und ich werde alles dafür tun, dass ihr diese Chance habt, es genauso zu erleben und dass ihr vielleicht eines Tages, rückblickend auf diesen heutigen Tag hier in Berlin, sagen könnt: Ihr habt da damals jemanden gehört, der war Bundeskanzler, und der hat etwas gesagt, das ihr vielleicht noch nicht so ganz richtig verstanden habt, aber verdammt noch einmal, ja, das war richtig. Darum geht es: in einem offenen, freiheitlichen Land mit Toleranz zu leben, in einer Gesellschaft, die mit sich selbst im Reinen ist und die den jungen Menschen alle Chancen gibt, die die jungen Menschen verdienen. – Ihr habt es verdient. Herzlichen Glückwunsch!