Das einige, starke Europa brauchen wir wie nie zuvor

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Pressekonferenz von Bundeskanzler Merz und dem NATO-Generalsekretär Rutte Das einige, starke Europa brauchen wir wie nie zuvor

Deutschland werde den europäischen Pfeiler der NATO stärken, um Freiheit, Sicherheit und Wohlstand in Europa zu bewahren, so Bundeskanzler Merz nach dem Gespräch mit NATO-Generalsekretär Rutte. Er sagte außerdem weitere Unterstützung für die Ukraine zu.

  • Mitschrift Pressekonferenz
  • Donnerstag, 11. Dezember 2025
Bundeskanzler Merz empfängt NATO-Generalsekretär Rutte.

Um die Stärkung der NATO und die weitere Unterstützung für die Ukraine ging es unter anderem im Gespräch von Bundeskanzler Merz mit NATO-Generalsekretär Rutte.

Foto: Bundesregierung/Steffen Kugler

Die europäische Säule der NATO zu stärken, habe für die Bundesregierung absolute Priorität, „weil es unsere Interessen sind, dass Europa jetzt fest auf eigenen Beinen stehen kann“, betonte Bundeskanzler Friedrich Merz in der Pressekonferenz mit dem NATO-Generalsekretär Mark Rutte im Bundeskanzleramt. Dies sei wichtig, um die Freiheit, Sicherheit und den Wohlstand in Europa zu bewahren.

Gemeinsam mit den NATO-Partnern werde Deutschland die Ukraine weiterhin unterstützen, um sich gegen die russische Aggression zu verteidigen. Der Druck auf Russland sei zu erhöhen, damit Russland endlich den Weg ernsthafter Verhandlungen wähle, so Merz. Das alles diene dem Ziel: „Frieden in der Ukraine und für die Ukraine und Sicherheit in Europa.“

Das Wichtigste aus der Pressekonferenz in Kürze:

  • Verteidigungsausgaben: Die NATO hatte beim NATO-Gipfel in Den Haag beschlossen, die Verteidigungsausgaben substanziell zu steigern. Die Umsetzung dieser Beschlüsse sei in vollem Gang und mache große Fortschritte, sagte der Kanzler. Die NATO spiele weiterhin die Schlüsselrolle in Zeiten großer geopolitischer Umbrüche.  
  • Zusammenhalt in Europa: Wichtig sei es, Europa zusammenzuhalten und sich nicht spalten zu lassen. „Das einige, starke Europa brauchen wir wie nie zuvor“, betonte Bundeskanzler Merz. Nur so könnten die Freiheit, Sicherheit und der Wohlstand in Europa erhalten bleiben. Weiterhin sei die Zusammenarbeit mit den USA wichtig.
  • Ukraine unterstützen: Russland setze seinen brutalen Krieg gegen die ukrainische Zivilbevölkerung fort. Ziel sei es, zusammen mit den europäischen Partnern und der USA einen Waffenstillstand zwischen der Ukraine und Russland zu erreichen. Bei der Friedenslösung müssten europäische Interessen gewahrt bleiben. Es gelte: „Kein Frieden über unsere Köpfe hinweg.“ Die Ukraine müsse jedoch entscheiden, welche territorialen Regelungen sie akzeptiere.

Sehen Sie hier die Pressekonferenz im Video:

21:58

Video Pressekonferenz von Kanzler Merz und NATO-Generalsekretär Rutte

Lesen Sie hier die Mitschrift der Pressekonferenz:

(Die Protokollierung des fremdsprachlichen Teils erfolgte anhand der Simultandolmetschung.)

Bundeskanzler Friedrich Merz:

Schönen guten Morgen, meine Damen und Herren! Ich freue mich sehr, dass ich heute den Generalsekretär der NATO in Berlin willkommen heißen darf. Lieber Mark Rutte, herzlich willkommen in Berlin! Ich freue mich sehr, dass wir uns heute hier sehen. Wir haben ja in den letzten Monaten sehr häufig gesprochen: beim NATO-Gipfel, bei deinem Antrittsbesuch in Berlin, bei unserer gemeinsamen Reise nach Washington. Wenn ich richtig gezählt habe, dann haben wir uns heute schon zum sechsten Mal in den wenigen Monaten gesehen.

NATO-Generalsekretär Mark Rutte:

(auf Deutsch) Und nicht das letzte Mal!

Bundeskanzler Merz:

Und nicht das letzte Mal! Aber es gibt dafür ja auch eine ganze Reihe von aktuellen Anlässen.

Die NATO spielt eine Schlüsselrolle in einer Zeit großer geopolitischer Umbrüche. Entscheidend ist, dass wir massiv und unter Hochdruck die europäische Säule des Bündnisses stärken, unter anderem durch die substanzielle Steigerung der Verteidigungsausgaben, die wir ja auch auf dem Haager Gipfel gemeinsam verabschiedet und beschlossen haben. Diesen historischen Beschluss haben wir getroffen. Seine Umsetzung ist in vollem Gang und macht große, schnelle Fortschritte. Für die Bundesregierung hat die Stärkung der europäischen Säule der NATO in der Außen‑ und Sicherheitspolitik absolute Priorität. Die neue Nationale Sicherheitsstrategie der Vereinigten Staaten, die wir in der letzten Woche gesehen haben, bestätigt uns, dass wir hierbei auf dem richtigen Weg sind. Es ist richtig, dass Deutschland und Europa jetzt systematisch in die eigene Stärke investieren: in der Sicherheitspolitik, in der Migrationspolitik, in der Wirtschaftspolitik und in vielen anderen Bereichen auch. Wir tun das aus eigener Überzeugung und im eigenen Interesse, nicht weil uns irgendjemand dazu drängt, sondern weil es unsere Interessen sind, dass Europa jetzt fest auf eigenen Beinen stehen kann. Das ist die Voraussetzung dafür, dass wir künftig unsere europäische Lebensweise, unsere Freiheit, unsere Sicherheit und unseren Wohlstand behaupten können.

Hieran arbeiten wir unter Hochdruck, aber auch mit kühlem Kopf. Das heißt: Wo wir jenseits der Rhetorik im eigenen Interesse mit den USA zusammenarbeiten können, werden wir das selbstverständlich weiterführen. Das gilt in diesen Tagen insbesondere für die intensive Arbeit an einem möglichen Frieden in der Ukraine. Es gilt aber auch für die Zukunft der NATO. Wir werden das als ein einiges und ein starkes Europa tun. Dieses Europa auch unter Druck zusammenzuhalten und von nichts und niemandem spalten zu lassen, ist wichtiger denn je. Das einige, starke Europa brauchen wir wie nie zuvor. Wir werden es mit aller Kraft behaupten und uns in seinen Dienst stellen. Das gilt auch für mich ganz persönlich, denn diesem klaren europäischen Kompass folgt die Bundesregierung, folge ich.

Dabei beschränkt sich Europa nicht auf die Brüsseler Institutionen. Europa, das sind immer auch die Mitgliedstaaten und zum Beispiel Großbritannien und Norwegen, die wir ja auch sehr intensiv konsultieren, mit denen wir eng verbunden sind, die wir auch in der NATO als verlässliche Partner kennen. Europäische Interessen vertreten wir auch, wenn wir im Kreis der E3, auch mit Polen, mit Italien und anderen Nachbarn zusammen mit Präsident Trump sprechen.

Lieber Mark, wir haben heute erneut intensiv darüber gesprochen, wie wir auf dem Weg zu einem Waffenstillstand in der Ukraine vorankommen. In den letzten Wochen haben wir auch dank der Initiative der USA eine Dynamik erlebt, wie wir sie seit dem 24. Februar 2022 nicht gesehen haben. Hierzu stehen wir beide in sehr engem Austausch mit Präsident Selenskyj, mit unseren europäischen Partnern, aber eben auch mit Präsident Trump. Wie Sie wissen, haben wir gestern zusammen mit Keir Starmer und EmmanuelMacron ausführlich mit Präsident Trump gesprochen.

Diese Arbeit, die wir zusammen leisten, bleibt außerordentlich schwierig. Das hat einen ganz einfachen Grund: Präsident Putin setzt unerbittlich seinen brutalen Krieg gegen die ukrainische Zivilbevölkerung fort, und zugleich spielt er in den Verhandlungen ganz offensichtlich auf Zeit. Vor diesem Hintergrund verfolgen wir drei übergeordnete Ziele.

Erstens wollen wir einen Waffenstillstand für die Ukraine, der diesem schrecklichen Krieg nach bald vier Jahren jetzt endlich ein Ende setzt.

Zweitens muss dieser Waffenstillstand durch robuste rechtliche und materielle Garantien abgesichert sein, anders als etwa der Minsker Vertrag. Nur so können wir sicherstellen, dass er Aussicht auf Dauer hat.

Und schließlich, drittens, muss eine Verhandlungslösung europäische Sicherheitsinteressen wahren. Sie darf nicht zulasten der Einheit von Europäischer Union und NATO gehen, und deshalb ist es so wichtig, dass wir Europäer auch Teil dieses Prozesses sind. Kein Frieden über unsere Köpfe hinweg.

Es liegen noch schwierige Fragen vor uns. Wir sind uns aber auch alle einig, dass nur Kyjiw entscheiden kann, welche territoriale Regelung es akzeptieren kann. Es wäre ein Fehler, den ukrainischen Präsidenten in einen Frieden zu drängen, den sein Volk nach vier Jahren des Leidens und Sterbens nicht mittragen kann. Deshalb machen wir ihm auch deutlich, dass wir mit langem Atem auf der Seite der Ukraine stehen, um die gemeinsamen Ziele zu erreichen, die ich eben kurz beschrieben habe.

Um diese Arbeit voranzubringen, werden wir den Druck auf Moskau weiter erhöhen. Nicht zuletzt werden wir härter auch gegen die Schattenflotte vorgehen. Zugleich werden wir die Ukraine weiter massiv unterstützen. Vor allem wollen wir die immobilisierten russischen Vermögenswerte in Europa nutzen, um die Ukraine in die Lage zu versetzen, sich wirkungsvoll gegen künftige russische Überfälle zu schützen. Das alles dient einem doppelten Ziel, das uns eint, lieber Mark: Frieden in der Ukraine und für die Ukraine und Sicherheit in Europa.

Ich will die Gelegenheit nutzen, dir auch sehr herzlich für dein unermüdliches Engagement als NATO-Generalsekretär zu danken. Das ist ein Einsatz mit einer gewaltigen Arbeitslast. Aber du machst es wirklich in unser aller Sinne und in unser aller Interesse auf beiden Seiten des Atlantiks sehr gut. Es gibt keine Institution, die Europa und Amerika so stark miteinander verbindet wie die NATO, und deswegen sind wir beide hier mit demselben Zweck unterwegs. Wir wollen Sicherheit, Stabilität, Frieden und Freiheit auf dem europäischen Kontinent sichern, und wir wollen die Ukraine auch in dieses Konzept der Sicherheit für uns alle einbezogen wissen.

Deswegen danke für deinen Besuch, danke für deine Arbeit!

NATO-Generalsekretär Rutte:

Lieber Herr Bundeskanzler, lieber Friedrich, herzlichen Dank für die freundliche Begrüßung. Es ist immer eine Freude, in Berlin zu sein.

Beim Gipfel in Den Haag haben wir Entscheidungen getroffen, um die NATO zu stärken, und im Zentrum dessen steht die Einigung, historische 5 Prozent des BIP in die Verteidigung zu investieren. Das umfasst 3,5 Prozent für Kernverteidigungsbedarf und 1,5 Prozent für Investitionen im Bereich Verteidigung und Sicherheit.

Deutschland hat über 108 Milliarden Euro für Sicherheit und Verteidigung im Jahr 2026 bereitgestellt. Herzlichen Dank, Friedrich, dass du dich dazu bekannt hast, diese 3,5 Prozent für Kernverteidigungsbedarf schon 2029 zu erreichen – eine wahrhaft beeindruckende Veränderung, die die Entschlossenheit demonstriert, die wir brauchen, um unsere Sicherheit zu garantieren. Deutschland geht also beispielhaft voran und sendet dabei auch eine wichtige Botschaft aus – eine Botschaft, dass Europa bereit ist mehr Verantwortung zu übernehmen; die Botschaft, dass Lastenteilung nicht nur dahingesagt ist, sondern eine konkrete Verpflichtung ist; und eine Botschaft an jeden Gegner, dass die NATO stark, geeint und vollumfänglich fähig bleibt, unser Territorium zu verteidigen.

Die deutschen Beiträge für die Allianz sind durchaus beeindruckend. Am Boden bilden die deutschen Kräfte das Rückgrat der vorgelagerten Landstreitkräfte der NATO in Litauen. Darüber hinaus stellt Deutschland wichtige Truppen und Ausrüstung für die ganze Ostflanke der NATO. In der Luft unterstützen deutsche Flugzeuge die Luftraumüberwachung in der Ostsee, was unsere Verteidigung und unsere Abschreckung stärkt. Zur See schützt die Deutsche Marine essenzielle Kommunikationsverbindungen und spielt eine unverzichtbare Rolle bei dem Schutz der kritischen Infrastruktur in der Ostsee.

Außerdem bleibt Deutschland natürlich weiterhin eine treibende Kraft bei der Unterstützung für die Ukraine. Sie helfen der Ukraine, ihre Souveränität heute zu verteidigen und zukünftige Aggressionen abzuschrecken. Das ist auch essenziell. Wir unterstützen dringlich die Bemühungen, diesen Krieg jetzt zu einem fairen, dauerhaften Ende zu bringen. Das ist nicht nur für die Ukraine von Bedeutung, sondern für die Sicherheit des ganzen euroatlantischen Raums.

Während wir weiterhin Bedrohungen unserer Sicherheit gegenüberstehen, bin ich dafür dankbar, dass Deutschland beispielhaft als führende Kraft in der Allianz steht und andere dem deutschen Beispiel folgen. Das ist wichtig, damit wir weiterhin Aggressionen abschrecken und unsere Freiheit und unsere Lebensweise verteidigen können. Wir wissen, wir können uns auf Deutschland verlassen, und Deutschland kann sich auf die NATO verlassen.

(auf Deutsch) Herr Bundeskanzler, auf unsere weitere Zusammenarbeit!

Bundeskanzler Merz:

Herzlichen Dank!