„Deutschland hat Interesse an einem gedeihenden Irak“

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Empfang des irakischen Ministerpräsidenten Al-Zaidi
„Deutschland hat Interesse an einem gedeihenden Irak“

Bundeskanzler Friedrich Merz hat den Ministerpräsidenten des Irak, Ali Al-Zaidi, im Bundeskanzleramt empfangen. Er versprach seinem Gast die weitere Unterstützung des Irak bei dem Weg zur Stabilisierung des Landes nach dem Ende der IS-Herrschaft.

  • Mitschrift Pressekonferenz
  • Dienstag, 15. September 2026
Bundeskanzler Merz und der irakische Ministerpräsident al-Zaidi vor dem Musikkorps der Bundeswehr. Im Hintergrund die Fassade des Kanzleramtes.

Bundeskanzler Merz hat den irakischen Ministerpräsidenten al-Zaidi mit militärischen Ehren empfangen. Beide Länder wollen die Zusammenarbeit vertiefen.

Foto: Bundesregierung/Laurin Schmid

„Deutschland hat Interesse an einem gedeihenden Irak.“ Das betonte Bundeskanzler Friedrich Merz bei der Pressekonferenz im Anschluss an den Besuch des irakischen Ministerpräsidenten Ali Al-Zaidi. Man wolle ein nächstes Kapitel in der Partnerschaft gestalten, erklärte Merz. Dazu zähle ein deutsch-irakischer Aktionsplan, den beide Regierungen ausgehandelt hätten. 

Schwerpunkt der Zusammenarbeit sei dabei die Wirtschaft, so der Kanzler. Viele deutsche Unternehmen seien mittlerweile im Irak aktiv und brächten den „Handel in Schwung“, sagte der Bundeskanzler und hob eine heute unterzeichnete Vereinbarung zur irakischen Elektrizitätsversorgung hervor. Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs war die schwierige Lage in der Region. 

Das Wichtigste in Kürze:

  • Partnerschaft und Wirtschaft: Seit 2004 unterstützt Deutschland die Stabilisierung Iraks mit großem Engagement. Das nächste Kapitel solle nun mit einem gemeinsamen Aktionsplan gestaltet werden. Für die Entwicklung und den weiteren Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen sei beiden Partnern die Bedeutung guter Rahmenbedingungen für Unternehmen bewusst – etwa eine effizientere und transparente Verwaltung innerhalb einer rechtsstaatlichen Ordnung. 
  • Regionale Sicherheit: Bundeskanzler Merz würdigte den irakischen Beitrag, „Schritt um Schritt wieder mehr Frieden und Sicherheit in der Region zu erarbeiten“. Deutschland sei bereit, die sicherheitspolitische Zusammenarbeit mit dem Irak fortzusetzen, wenn dies gewünscht werde.
  • Iran-Konflikt: Der Kanzler stellte klar: Iran muss endlich die Blockade der Straße von Hormus und sein militärisches Nuklearprogramm beenden. Seine Unterstützung von Proxies in der Region muss aufhören. Außerdem könne die internationale Staatengemeinschaft nicht zulassen, dass die Huthis die Schifffahrt im Roten Meer zur Geisel nehmen. Der Kanzler kündigte an, in der Europäischen Union und mit den Partnern in der Region zu beraten, welcher Beitrag zusammen leistbar sei, um den Konflikt zu beenden. Er forderte den Iran auf, den Konflikt nicht weiter in den Irak zu tragen.

Sehen Sie hier die Pressekonferenz in voller Länge: 

28:41

Video Pressekonferenz des Kanzlers und des Premierministers der Republik Irak, Ali Falih Kadhim Al-Zaidi

Lesen Sie hier die Mitschrift der Pressekonferenz:

Bundeskanzler Merz:

Sehr geehrter Herr Premierminister, lieber Ali Al-Zaidi, herzlich willkommen in Berlin! Ich freue mich sehr, dass wir uns heute das erste Mal auch persönlich treffen. Denn unsere beiden Länder, Irak und Deutschland, verbinden bewegte Jahre und Jahrzehnte. Wir haben in schweren Zeiten an Ihrer Seite gestanden. Seit 2004, also seit jetzt über 20 Jahren, unterstützen wir die Stabilisierung Iraks mit großem Engagement. Unsere Zusammenarbeit trägt Früchte. Das Terrorkalifat des Islamischen Staates ist Geschichte. Irak hat sich trotz aller bestehenden Herausforderungen beeindruckend stabilisiert.

Ihre erste Reise nach Europa führt Sie nach Paris und nach Berlin. Diese Reise unterstreicht, wie wichtig unsere Partnerschaft für Sie ist, und dafür danke ich Ihnen sehr. Wir haben heute darüber gesprochen, wie wir das nächste Kapitel unserer Partnerschaft gestalten. Das halten wir in einem verabredeten deutsch-irakischen Aktionsplan fest, den beide Regierungen in den letzten Wochen ausgehandelt haben.

Deutschland hat Interesse an einem starken und gedeihenden Irak. Dazu gehört ein gutes Miteinander Bagdads mit den Kurden im Norden des Landes. Es ist eine gute Nachricht, dass Millionen Binnenvertriebener zurückgekehrt sind, darunter sehr viele Jesiden. Deutschland hilft Ihnen, diesen Menschen vor Ort wieder eine Perspektive zu geben.

Ein Schwerpunkt unserer Zusammenarbeit ist die Wirtschaft. Diejenigen, die vor dem Krieg und vor Islamismus geflohen sind, werden rascher zurückkehren, wenn Wachstum, wenn Arbeitsplätze, wenn neuer Wohlstand entsteht. Viele deutsche Unternehmen sind mittlerweile im Irak aktiv. Sie entwickeln neue Lösungen, zum Beispiel für die Energieversorgung. Sie leisten Pionierarbeit in der Abfallwirtschaft. Sie bringen unseren Handel in Schwung. Das nutzt beiden Seiten. Bestes Beispiel dafür ist die Vereinbarung zur irakischen Elektrizitätsversorgung, die wir heute unterzeichnen werden.

Eine starke Präsenz der deutschen und der europäischen Wirtschaft in Irak braucht gute Rahmenbedingungen. Wir haben deswegen auch über diese Rahmenbedingungen miteinander gesprochen. Wir wollen Fortschritte im Kampf gegen die Korruption erreichen, und wir wünschen uns eine noch transparentere und noch effizientere Verwaltung in einer rechtsstaatlichen Ordnung. Ihre Regierung, Herr Ministerpräsident, hat wichtige erste Schritte dafür eingeleitet. Zählen Sie dabei bitte auch auf unsere fortgesetzte Unterstützung.

Im Mittelpunkt unseres heutigen Gesprächs und unserer heutigen Begegnung stand die schwierige Lage in der Region insgesamt. Wir haben lange über die Straße von Hormus und über die Rolle des Irans gesprochen. Iran muss diese Blockade endlich beenden. Es muss vor allem sein militärisches Nuklearprogramm einstellen. Teherans Unterstützung von Proxys in der gesamten Region muss aufhören. Wir sehen die Folgen jeden Tag. Wir fordern Iran auch dazu auf, den Konflikt nicht weiter in den Irak zu tragen, wie wir es gerade erst wieder erlebt haben.

Herr Premierminister, auch wir blicken deshalb mit Sorge auf die Entwicklung im Roten Meer. Die Huthi kontrollieren mittlerweile strategische Stellungen um Bab al-Mandab. Sie greifen Energieanlagen in Saudi-Arabien an. Das verschärft die Lage auf den Energiemärkten weiter, und das trifft auch Deutschland. Wir sehen das mittlerweile jeden Tag. Die internationale Staatengemeinschaft kann nicht zulassen, dass die Huthi nun die Schifffahrt im Roten Meer zur Geisel nehmen. Wir beraten in der Europäischen Union und mit den Partnern in der Region, auch mit Ihnen, welchen Beitrag wir zusammen leisten können, um diesen Konflikt zu beenden.

Herr Premierminister, auch Ihre Regierung hilft, Schritt um Schritt wieder mehr Frieden und Sicherheit in der Region zu erarbeiten. Ein wesentliches Element bildet dabei die von Ihnen eingeleitete und angestoßene Entwaffnung der Milizen. Ich ermutige Sie: Setzen Sie diese Arbeit entschlossen fort! Mit unseren Partnern helfen wir Ihnen, dabei voranzukommen. Deutschland bleibt bereit, die sicherheitspolitische Zusammenarbeit mit dem Irak fortzusetzen, wenn Ihre Regierung dies wünscht. Das ist Ihre Entscheidung. Das gilt für den gesamten Irak. Die Gespräche darüber verlaufen gut.

Ich bedanke mich noch einmal für Ihren Besuch und wünsche uns allen für unsere weitere Zusammenarbeit viel Erfolg. Noch einmal danke für die guten Gespräche, die wir heute hatten! Danke für Ihren Besuch! Alles Gute! Ich freue mich sehr auf die Fortsetzung unserer Zusammenarbeit.

Ministerpräsident Al-Zaidi:

Vielen Dank, Herr Bundeskanzler! Ich wiederhole meinen Dank auch für den herzlichen Empfang und überbringe Ihnen die Grüße aus Bagdad nach Berlin, aus Mesopotamien in das Land des Ingenieurwesens und der Genauigkeit.

Die Beziehung zwischen Irak und Deutschland ist eine außergewöhnliche Beziehung, die die Zeit überdauert hat und auf gegenseitigem Respekt und dem gemeinsamen Glauben daran beruht, dass das Aufbauen immer stärker ist als das Zerstören. Wir sprechen die Sprache der Zukunft. Ich habe mit dem Herrn Bundeskanzler darüber gesprochen, dass der Irak auf die Bundesrepublik Deutschland als einen verlässlichen Partner schaut. Deswegen möchten wir die wirtschaftlichen Brücken zwischen unseren beiden Ländern aufbauen und stärken, etwa hinsichtlich des Technologieaustauschs von Deutschland in den Irak. Irak hat sehr viele Rohstoffe und sehr viele Arbeitskräfte, braucht aber die Technologie und die deutsche Expertise. Diese Partnerschaft wird keine einseitige Partnerschaft sein. Es wird eine bilaterale Partnerschaft, ein Austausch zwischen uns beiden sein. Wir haben Energiereserven und können Übereinkommen zwischen der Regierung Iraks und der Regierung Deutschlands über den Export von Rohöl in die Bundesrepublik Deutschland schließen, und Irak wird Technologie aus Deutschland, Ausrüstung aus Deutschland kaufen.

Wir haben ebenfalls darüber gesprochen, wie die politische Lage aussieht. Die deutsche Regierung hat einen großen Wunsch danach ‑ und wir auch ‑, dass wir die Eskalation stoppen und eine Lösung für den Konflikt zwischen Iran und den USA finden. Dieses Problem ist nicht nur ein Problem zwischen zwei Ländern, sondern betrifft die ganze Welt. Manche Länder sind dadurch stärker geschädigt als die eigentlich rivalisierenden Länder. Irak ist dadurch, dass es seine Ölprodukte nicht exportieren kann, am schlimmsten getroffen. Das macht sich auf den Ölmärkten bemerkbar und das macht sich auch für die einfachen Bürger bemerkbar. Es hat große Auswirkungen.

Ich habe mit dem Herrn Bundeskanzler auch darüber gesprochen, dass wir unsere Standpunkte im politischen Bereich vereinheitlichen und dass wir uns über drängende Probleme, die noch zu lösen sind, vorab abstimmen. Deutschland war immer ein Land, mit dem man sich getroffen hat, und kein Land, von dem Feindschaft ausging. Es hat in seiner Geschichte viel durchgemacht. Wir möchten von der deutschen Erfahrung profitieren und setzen auf die deutsche Ausgeglichenheit und auf die deutsche Stimme der Vernunft.

Vielen Dank.