Pressestatements von Bundeskanzlerin a. D. Merkel und Bundeskanzler Scholz bei der Amtsübergabe im Bundeskanzleramt am 8. Dezember 2021

BK'in Merkel: Meine Damen und Herren, aber vor allen Dingen lieber Herr Bundeskanzler, lieber Olaf Scholz, und diejenigen, die dazugehören ‑ Herr Schmidt, der Chef des Bundeskanzleramtes; der noch nicht ernannte, glaube ich, Regierungssprecher; die Staatsminister hier im Kanzleramt ‑, ich möchte Sie ganz herzlich begrüßen, und das tue ich auch im Namen all derer, die vorher diese Funktion eingenommen hatten.

Ich konnte heute, weil ich nicht mehr Mitglied des Deutschen Bundestages bin, Olaf Scholz noch nicht persönlich gratulieren und möchte das deshalb auf diesem Wege nachholen: Herzlichen Glückwunsch, sehr geehrter Herr Bundeskanzler, lieber Olaf Scholz! Ich weiß aus eigenem Erleben, dass es ein bewegender Moment ist, in dieses Amt gewählt zu werden. Sie erahnen vielleicht, dass es eine spannende, erfüllende Aufgabe ist ‑ auch eine fordernde Aufgabe, aber wenn man sie mit Freude angeht, dann ist es vielleicht auch eine der schönsten Aufgaben, die es gibt, für dieses Land Verantwortung zu tragen. Ich wünsche Ihnen von Herzen alles Gute bei dieser Arbeit und immer eine glückliche Hand für unser Land! Diese Wünsche erstrecken sich auch auf das ganze Team.

Coronabedingt sind wir heute in einem sehr kleinen Kreis hier versammelt. Als ich damals von Gerhard Schröder diese Aufgabe übernommen habe, stand die gesamte Südtreppe voller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die uns jetzt zum Teil auch zuhören. Ich darf Ihnen sagen: Sie werden hier eine Mannschaft vorfinden, die voller Leidenschaft, voller Engagement arbeitet, tags und wenn es sein muss auch nachts, die immer einsatzbereit ist, motiviert ist, gute Ideen hat, fachkundig ist. Das gilt für alle: Das gilt vom Innenschutz bis zu allen Referenten, Gruppenleitern und Abteilungsleitern, das gilt von denen, die in der Küche arbeiten, bis zur Registratur, der Poststelle und den vielen, vielen Aufgaben, die hier ineinandergreifen müssen. Wer sich einmal ins Kanzleramt bewegt, auch als Mitarbeiter oder Mitarbeiterin, der weiß, was Politik bedeutet, nämlich dass man morgens, wenn man aufsteht und hier zum Dienst geht, nicht weiß, was bis zum Abend passieren wird, und dass es immer dazu kommen kann, dass man auch auf ganz neue Herausforderungen achten muss.

Ich weiß, dass Sie jetzt mit großer Motivation an die Arbeit gehen. Deshalb: Nehmen Sie dieses Haus in Besitz und arbeiten Sie mit ihm zum Besten unseres Landes. Das ist mein Wunsch, und ich wünsche Ihnen dabei alles Gute!

BK Scholz: Liebe Frau Merkel, liebe Frau Bundeskanzlerin, ich möchte mich sehr für Ihre Arbeit in den letzten 16 Jahren bedanken! Ich glaube, dass man sehr genau und sehr präzise sagen kann: Das war eine große Zeit, in der Sie Kanzlerin dieses Landes waren. Sie haben auch Großartiges bewegt.

Wir haben viele, viele Herausforderungen zu bewältigen gehabt. Es waren aber auch immer wieder große Krisen, die auf uns zugekommen sind. Manche haben wir in unterschiedlichen Funktionen gemeinsam durchgestanden, aber auch ich als Mitglied des von Ihnen geführten Kabinetts. Ich erinnere nur an die Finanzkrise 2008/2009; ich erinnere an die großen Herausforderungen, die mit der Fluchtmigration 2015 folgende verbunden waren und natürlich jetzt wieder an die große ökonomische soziale Herausforderung, die mit der Coronapandemie verbunden ist. Das hat zusammengeschweißt. Das waren nicht nur diese Ereignisse, sondern zwischen uns hat immer eine sehr vertrauensvolle Art der Zusammenarbeit existiert.

Das ist, glaube ich, auch gut, weil es zeigt, dass wir eine starke, leistungsfähige Demokratie sind, in der es einen großen Konsens zwischen den verantwortlichen Demokratinnen und Demokraten gibt. Das wird auch in Zukunft weiterhin unsere Stärke ausmachen.

Trotzdem: Sie haben dieses Land, diese Regierung und auch dieses Haus geprägt. Auch deshalb, glaube ich, sagen zu können: Es ist schon irgendwie etwas Besonderes. Ich will gerne an die ‑ wie soll man das sagen ‑ nordostdeutsche Mentalität anknüpfen, die bisher geherrscht hat. So viel wird sich da nicht ändern.

Ich glaube, dass wir, wie Sie es schon gesagt haben, auf eine ganz großartige Arbeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hier im Haus zurückgreifen können, die viel geleistet haben. Das ist mir in den Verantwortlichkeiten, die ich bisher hatte, schon sehr klar geworden. Deshalb freue ich mich auf die enge Zusammenarbeit.

Danke sagen möchte ich nicht nur Ihnen, sondern auch all den anderen, die hier an verantwortlicher Stelle gesessen und gewirkt haben und die mit Ihnen hier versammelt sind. Auch da ist in den letzten Jahren viel an Kooperation und Zusammenarbeit gewesen. Daran anzuknüpfen und darauf aufzubauen, wird mir jedenfalls eine große Ehre sein.

Ich finde, es ist etwas ganz Besonderes, Bundeskanzler dieser Republik zu sein. Es ist eine große Herausforderung. Ich bin sehr dankbar, dass ich nun von den Bürgerinnen und Bürgern dieses Landes und vom Deutschen Bundestag den Auftrag bekommen habe, das zu machen. Dass wir so lange so viele gemeinsame Erfahrungen sammeln konnten, wird mir dabei helfen. Noch einmal schönen Dank für Ihre Arbeit!

Noch einmal an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gerichtet, die hier heute nicht versammelt sein können, die uns aber in den Streams in den verschiedenen Büros zuhören: Danke für das, was Sie bisher geleistet haben. Danke für das, was Sie leisten werden. Ich baue darauf und setze darauf. Wir wissen, dass der Übergang, den wir jetzt hier miteinander vollziehen, mitten in einer großen, nicht abgeschlossenen Krise ist. Das setzt Kontinuität und Gemeinschaft voraus. Ich gehe davon aus, dass uns das auch gelingt.

Frau Merkel und ich wissen, dass wir die Coronapandemie nur bekämpfen können, in dem sich viele impfen lassen und viele Auffrischungsimpfungen holen und indem wir vorsichtig sind. Das gehört dazu. Deshalb ist es auch richtig, dass unsere Zusammenkunft etwas begrenzt ist, was die Zahl der real Anwesenden betrifft, dass wir Masken tragen, wenn wir am Platz sitzen. Das ist die Grundlage dafür, dass das gut gelingen kann.

Ich jedenfalls bin sehr dankbar für das, was wir bisher gemacht haben. Ich freue mich auf die neue Aufgabe. Ich freue mich auf alle, die hier arbeiten. Es soll ein guter Aufbruch für unser Land werden. Ich will jedenfalls alles dafür tun. Schönen Dank!