Pressestatement von Bundeskanzler Scholz anlässlich des Besuchs auf dem DFB-Campus am 9. August 2022 in Frankfurt am Main

BK Scholz: Hier ist ein ganz toller Ort voller fußballbegeisterter Frauen und Männer entstanden. Das merkt man nicht nur an der Architektur und wenn man auf die Spielflächen blickt - die Fußballplätze, die hier genutzt werden können, und den, der hier sogar im Innenbereich gebaut worden ist -, sondern das merkt man auch, wenn man in alle Gesichter schaut. Deshalb bin ich sehr dankbar, dass ich heute hier sein konnte und dieses neue Gebäude und all diejenigen, die hier arbeiten, besichtigen und treffen konnte.

Das ist für mich ein guter Ausgangspunkt für viele weitere Gespräche, die wir miteinander führen wollen, aber ist für mich auch eine Hoffnung, nämlich dass mit diesem neuen Ort für den deutschen Fußball auch der Ansporn von vielen verbunden ist, wenn sie gerade als Mädchen oder Jungen mit dem Fußball in einem Sportverein irgendwo in Deutschland anfangen, dass sie irgendwann einmal unbedingt hier sein wollen - nicht nur zum Testtraining, was geht, wie ich gelernt habe, sondern auch, um dann letztendlich vielleicht als Nationalspielerin oder Nationalspieler hier auf ein Turnier in Europa oder in der Welt vorbereitet zu werden. Ich glaube, das ist etwas Besonderes. Das geht von solchen Orten aus, und deshalb bin ich sehr froh, dass der deutsche Fußball diese Möglichkeit jetzt neu hat.

Wir haben in der Tat über viele Dinge gesprochen, die uns miteinander bewegen. Dazu zählt natürlich ganz besonders die Frage, wie wir dazu beitragen können, dass das große Interesse vieler Mädchen und Jungen, vieler Frauen und Männer, sich als Fußballerinnen und Fußballer zu betätigen, auch besser gefördert werden kann - in der Breite, aber auch, was den Spitzensport betrifft -, welche Schwierigkeiten und Widrigkeiten dabei zu beachten sind und wie die überwunden werden können. Wir wissen, dass das etwas mit Infrastrukturen zu tun hat. Wir wissen, dass das etwas mit dem Ehrenamt zu tun hat. Die Trainerinnen und Trainer, die sich überall in Deutschland engagieren, sind die Basis dafür, dass dann später einmal ganz erfolgreiche Nationalmannschaften tätig und aktiv sein können und dass sie in Turnieren gewinnen. Deshalb ist es unsere gemeinsame Aufgabe, darüber nachzudenken, wie wir das weiter fördern können.

Die Europameisterschaft, die jetzt stattgefunden hat, und das Endspiel in Wembley haben viel Begeisterung für den Fußball mit sich gebracht, den die Frauen gespielt haben und mit dem sie unser Land vertreten haben, und dies ganz, ganz erfolgreich. Ich glaube, nicht nur mir ist es so gegangen, sondern ganz vielen, dass sie tief berührt waren und mitgefiebert haben und letztendlich sogar den ganz großen Erfolg, der ja fast möglich gewesen wäre, für alle herbeigewünscht haben. Ganz hat es nicht geklappt. Aber die Begeisterung für das Spiel, für die Leistung und für den Fußball sind auf jeden Fall von diesem Turnier, diesem Wettbewerb, ausgegangen. Deshalb bin ich ganz, ganz stolz auf die Leistung, die die Frauen dort für unser Land gezeigt haben. Ich hoffe, das wird noch lange nachwirken, nicht nur bei den Spielerinnen selbst, die sich freuen, dabei gewesen zu sein, sondern auch beim Fußball in Deutschland und vielen, die sagen: „Das will ich auch, so will ich auch werden“. Ich glaube, das ist eine tolle Sache. So etwas hält unsere Gesellschaft übrigens auch zusammen. Insofern hat der Sport und hat der Fußball unverändert eine ganz, ganz wichtige Rolle für die Zukunft.

Klar haben wir auch über die Frage gesprochen, wie man weiter unterstützen kann, dass sich noch mehr Mädchen und Frauen für den Fußball begeistern. Dabei spielen natürlich die Prämien bei solchen Turnieren eine große Rolle. Mein Standpunkt ist bekannt. Ich finde, das ist etwas Politisches, anders als die Gehaltsverhandlungen, die erfolgreiche Spieler und Spielerinnen anderswo führen. Deshalb ergibt es schon Sinn, dass man da über gleiche Prämien diskutiert. Ich habe den Vorschlag gemacht und bin sehr dankbar dafür, dass die Bereitschaft besteht, diese Frage zu diskutieren und sich zu überlegen, wie das in Zukunft sein soll. Das ist doch aus meiner Sicht eine ganz wichtige Entwicklung.

Zusammenfassend: Ein toller Sport, zwei tolle Nationalmannschaften, die uns vertreten - wenn man die Jugendlichen hinzunimmt, dann sind ja noch viele andere dabei -, ein guter Ort hier! Wir sollten alles dafür tun, dass der Fußball in unserer Gesellschaft, in der uns jeden Tag so viele neue Schwierigkeiten begegnen, die Rolle spielt, die er schon lange gespielt hat, nämlich uns zusammenzuhalten und zu begeistern. Schönen Dank!